Alpine hat wieder einen neuen Formel-1-Teamchef. Nach dem Rücktritt von Oliver Oakes hat Team-Berater Flavio Briatore sich nun auf Steve Nielsen als Ersatz festgelegt. Der Brite galt schon vor Wochen als möglicher. Er ist der achte (oder je nach Zählweise gar neunte) Leiter des Renault-Werksteams seit seines F1-Comebacks 2016.

So kommt Alpine von den personellen Turbulenzen an der Spitze einfach nicht los. Im Vorjahr hatte der Renault-Konzern unter dem damaligen CEO Luca de Meo ja Briatore als Berater an die Spitze des Teams gesetzt, um das angeschlagene Projekt auf Schiene zu bekommen. Briatore holte im Sommer den Formel-2-Teamchef Oliver Oakes als Leiter des operativen Geschäfts.

Doch Oakes reichte am 6. Mai 2025 überraschend und unter unklaren Umständen seinen Rücktritt ein. Daraufhin übernahm Briatore - der beim in Enstone beheimateten Team in den 90ern und 2000ern lange als Teamchef fungiert hatte - interimsmäßig wieder die Leitung. Allerdings stellte er auch wiederholt klar, dass er das Tagesgeschäft nicht dauerhaft führen wolle.

Briatore holt alten Bekannten aus Renaults WM-Ära zurück zu Alpine

Dieser Job geht nun ab dem 1. September an Steve Nielsen. Der 60-jährige Brite hatte nach dem Beginn einer Ausbildung zum Polizisten 1986 zu Lotus in die Formel 1 gewechselt. Anfangs Ersatzteil-Koordinator, stieg er im folgenden Jahrzehnt bei Tyrrell auf, wurde dann Ende der 90er kurz Teammanager beim F1-Projekt von Honda, dann bei Arrows, und schließlich landete er in der Teammanager-Rolle bei Briatores Mannschaft in Enstone - damals Benetton.

Kurz darauf wurde Benetton offiziell zum Renault-Werksteam. Als Teammanager war Nielsen in den 2000ern unter Briatore Teil der der WM-Titel 2005 und 2006 mit Fernando Alonso. 2012 verließ Nielsen Enstone. Nach kurzen Stints bei Caterham, Toro Rosso und Williams wurde er 2017 Sportdirektor der Formel 1. 2023 wechselte er im Zuge von Umstrukturierungen zur FIA.

Alpine-Teammanager Alan Permane im Gespräch mit FIA-Sportdirektor Steve Nielsen
Der inzwischen ebenfalls bei Alpine ausgeschiedene Teammanager Alan Permane 2023 im Gespräch mit Nielsen, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ

Bei der FIA, wo er unter anderem die F1-Rennleitung unterstützte, blieb Nielsen aber kein Jahr, ehe er Ende 2023 ausschied. Als Berater arbeitete er danach aber weiter mit der Formel 1 zusammen. Jetzt folgt also ein Comeback in Enstone, und eines bei Flavio Briatore.

Alpines nicht enden wollende Teamchef-Rochaden in der Formel 1

Offiziell wird Nielsen als "Managing Director" betitelt. De facto ist er der nächste, der sich in der Drehtür des Teamchef-Postens von Renault-Alpine versuchen darf. Um zusammenzufassen: Ursprünglich war der Hersteller 2016 mit einer Doppelspitze von Cyril Abiteboul und Fred Vasseur zurückgekehrt. Der heutige Ferrari-Teamchef Vasseur verlor einen internen Machtkampf, daraufhin übernahm Abiteboul vier Jahre lang das Ruder.

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Mangels Erfolgen wurde Abiteboul nach 2020 verabschiedet. Ihm folgte Marcin Budkowski als Executive Director - anfangs noch unterstützt von Suzukis ehemaligem MotoGP-Teamchef Davide Brivio als Racing Director. Brivio war nie wirklich in der F1 präsent, und 2022 wurde Budkowski gegen den ehemaligen Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer ausgetauscht. Brivio war kurz noch in der Fahrerentwicklung, 2024 ging er zurück in die MotoGP.

Szafnauer zerstritt sich allerdings mit dem Renault-Management über die von ihm verlangten Mittel für das F1-Projekt und musste außerdem den Verlust von Junior Oscar Piastri an McLaren ausbaden. Mitte 2023 wurde er abserviert. Es übernahm Alpines Motorsportchef Bruno Famin den Posten. Erst auf Interimsbasis, dann auf Dauer, dann kam Briatore als Berater, und plötzlich war Famin weg und Oliver Oakes da.

Das Management im Formel-1-Team von Renault seit dem Comeback 2016

PositionZeit
Fred VasseurTeamchef/Racing Director2016
Cyril AbiteboulManaging Director/Teamchef2016-2020
Marcin BudkowskiExecutive Director2017-2021
Davide BrivioRacing Director2021
Otmar SzafnauerTeamchef2022-2023
Bruno FaminTeamchef2023-2024
Oliver OakesTeamchef2024-2025
Flavio BriatoreExecutive Advisorseit 2024
Steve NielsenManaging Directorab 2025

Briatore koordinierte das Ende von Renaults F1-Motor und machte Alpine für 2026 zum Kundenteam, ehe Oakes wie eingangs erwähnt ausschied und Briatore kurz Interims-Teamchef wurde. In den letzten Wochen folgte über Briatore im Renault-Konzern übrigens ein weiterer Umbruch: CEO Luca de Meo, der im Vorjahr Briatore geholt hatte, verlässt das Unternehmen.

Briatore schwört bisweilen, dass es auf das F1-Projekt und auf seine Rolle keine Auswirkungen haben wird. Alpine liegt indessen auf dem letzten Rang der Konstrukteurs-WM. Seit Renaults Werks-Comeback 2016 hat man keinen sportlichen Fortschritt gemacht. Neben der Nielsen-Verpflichtung bestätigt das Team auch Kris Midgley als Leiter der Aero-Entwicklung unter dem Technischen Direktor David Sanchez. Midgley begann seine Karriere ebenfalls in Enstone, ehe er 2014 zu Ferrari gegangen war.