Der Start in die neue Formel-1-Ära 2026 mit einem unfertigen Auto und einem verpassten Test ist für Williams ein Reinfall. Das gesteht Teamchef James Vowles auch bei der Präsentation der neuen Lackierung am 3. Februar. Es tut weh, und das muss es auch. Deshalb erwartet Vowles nämlich, dass es nicht noch einmal passiert.

Verspätungen sind für Williams in den letzten Jahren leider nämlich keine Seltenheit. 2019 verpasste das Team den Großteil des ersten Tests.2023 waren fast für das ganze erste Saisonviertel nicht ausreichend Ersatzteile da. 2026 jetzt gleich die ganzen ersten fünf Testtage zu verpassen, weil der neue FW48 nicht rechtzeitig fertig wurde, mutet aber eigentlich noch schlimmer an.

Erster F1-Test 2026 verpasst! Wie steht's um Williams? (26:27 Min.)

2019 war Williams in finanziellen Nöten. 2023 war es im Begriff, interne Prozesse umzustellen. 2026 hätte das alles vorbei sein sollen. Das ausgegebene Ziel ist, nach einem fünften WM-Rang im Vorjahr jetzt die Lücke zu den Top-Teams zu schließen. Ausgerechnet die immer höheren Ziele sind für die Verspätung verantwortlich.

Vowles hatte schon in der Woche davor öffentlich eingeräumt, dass sich das Team bei den eigenen Möglichkeiten verkalkuliert hatte. Deshalb spielt es auch keine Rolle, dass das Team schon sehr früh im Vorjahr alle Ressourcen auf 2026 umgeschichtet hatte. Jedes Team will so lange wie möglich designen und so spät wie möglich in die Produktion gehen, um den bestmöglichen Startpunkt zu haben, und Williams verschätzte sich dabei, wie nahe man diese Deadlines an den Test setzen konnte.

Williams-Teamchef verteidigt Entwicklungs-Fehlschlag 2026

"Ich wünschte, wir wären da nicht so aggressiv reingerannt, um herauszufinden, wo die ganzen Schwächen sind", meint Vowles. "Hätten wir den Umfang unserer Grenzen gekannt, dann hätten wir natürlich unser Programm geändert. Du kannst dann zum Beispiel mehr extern fertigen, das wäre eine Möglichkeit."

"Wir taten das nicht, weil wir davon ausgingen, dass es sehr, sehr hart, aber machbar sein würde", so Vowles zu den verpassten Deadlines. Auch wenn das jetzt schlecht aussieht, so bereut Vowles das Scheitern trotzdem nicht. Williams' Ziele, das unterstreicht er immer wieder, sind langfristig. 2026 ist noch nicht das Jahr, in dem man das WM-Level erreichen will: "Und der Sprung von Fünf auf Vier ist, in meiner Erfahrung, exponentiell schwieriger."

Also verteidigt Vowles den Reinfall: "Wir müssen uns als Business fordern. Auf WM-Niveau agieren, das bedeutet nicht nur, ein Auto zu entwickeln. Es bedeutet auch, die Grenzen auszuloten. Wie lange dauert es, eine Idee in ein echtes Auto umzusetzen? Wir müssen daher kontinuierlich nach vorn blicken. Nicht nur um Performance zu halten. Wir müssen uns mehr und mehr fordern, um uns dem WM-Level anzunähern."

Williams zeigt sich selbst Grenzen auf: James Vowles findet es gut

"Auf seltsame Weise bin ich zufrieden damit, dass wir das Problem nicht nur gestreift haben, denn dann schmerzt es nicht ausreichend und du gräbst nicht tief genug in der Wunde, um es zu lösen", meint Vowles. "Es wird nie wieder passieren, weil wir jetzt ausreichend tief graben werden, um es anständig auszusortieren und sicherzustellen, dass wir von absolut jedem dieser Probleme lernen."

Denn der Fehlschlag der verpassten Testfahrten hat laut Vowles gleich mehrere Defizite offenbart, als man begann, nach den Gründen zu suchen: "Und das ist der echte Prozess, den du bei einem Fehlschlag anstoßen musst. Wenn du es bloß beiseiteschiebst oder den Kopf einziehst, wirst du nichts lernen. Du musst den Schmerz die Veränderungen antreiben lassen."

Jetzt muss Williams zeigen, dass diese Veränderungen 2026 wirklich klappen. Vowles umreißt die praktischen Ziele für die Saison wie folgt: "Jeder Teil unseres Geschäfts muss jeden einzelnen Monat einen Schritt vorwärts machen. Da geht es nicht um Racing. Monat für Monat müssen wir uns fragen: Haben wir unser Geschäft ausreichend verbessert im Vergleich zu einem Team auf WM-Niveau, dass sich ebenfalls verbessert?"

Mit Aston Martin erlitt ein weiteres Team bei den ersten Testfahrten in Barcelona einen termintechnischen Reinfall. Teamchef Adrian Newey erklärt die Aston-Martin-Sicht der Dinge hier: