Jacques Villeneuve (9. April 1971, Saint-Jean-sur-Richelieu, Québec) ist ein kanadischer Rennfahrer, der zu den seltenen Ausnahmetalenten zählt, die auf zwei Kontinenten in unterschiedlichen Rennkulturen ganz oben angekommen sind: als Indianapolis-500-Sieger in den USA sowie als Formel-1-Weltmeister in Europa. Als Sohn der Ferrari-Ikone Gilles Villeneuve stand er früh im Rampenlicht, musste sich seine Karriere aber sportlich selbst erarbeiten.
Grundstein Formelsport
Villeneuve wuchs mit dem Motorsport auf, startete im Kart und arbeitete sich über Nachwuchs-Formelklassen nach oben. In den späten 1980ern und frühen 1990ern sammelte er Erfahrung im europäischen Formelsport.
Der eigentliche Karrieresprung gelang Villeneuve aber in Nordamerika. Er machte in den Indy Lights auf sich aufmerksam und schaffte den Aufstieg in die IndyCar-Spitzenserie. Dort folgte ein kometenhafter Aufstieg: 1994 wurde er Rookie of the Year in der IndyCar-Meisterschaft. Ein Jahr darauf siegte er beim prestigeträchtigen Indy500. Dies machte ihn zur internationalen Top-Personalie und zu einem logischen Kandidaten für die Formel 1.
Formel 1: Sensationeller Einstieg bei Williams
Villeneuve wechselte 1996 zu Williams in die Formel 1 und lieferte in dem damaligen Top-Team sofort ab. Bereits in seiner Debüt-Saison wurde er Vizeweltmeister hinter Damon Hill. Ein Jahr darauf reichte es dann für den Weltmeistertitel.
Die Saison 1997 war geprägt vom intensiven Titelkampf zwischen Villeneuve und Michael Schumacher, der im Finale in Jerez kulminierte. Villeneuve behielt die Nerven, wurde in Jerez Dritter und holte den Titel.
Statt sich bei Williams in einem Top-Team-Umfeld weiter um Titel zu streiten, traf Villeneuve eine der prägendsten Entscheidungen seiner Laufbahn: Er ging 1999 als Aushängeschild zu BAR (British American Racing), ein ambitioniertes neues Werk/Marketing-Projekt, das schnell an die Spitze wollte, dort aber sportlich und technisch lange nicht ankam.
Wechsel zu BAR falsche Entscheidung?
Bei BAR gab es zwar einzelne starke Auftritte und Topresultate, die zeigten, dass das Grundtempo und die Rennintelligenz weiterhin vorhanden waren, dennoch war es ein Wendepunkt in Villeneuves Karriere. Der Wechsel war ein sportliches Risiko und kippte sein Image zum „Kämpfer im Mittelfeld“.
2004 ging Villeneuve zu Renault, jedoch nur für kurze Zeit. Ab 2005 fuhr er für Sauber, wo er ein solides Teamumfeld vorfand. Aber die große Bühne des WM-Kampfes blieb auch hier außer Reichweite. Damit endete seine Formel-1-Zeit 2006 als ehemaliger Champion, der den Preis für die Team-Wahl, Technikzyklen und die Härte der F1-Evolution bezahlte.
Die Karriere nach der Karriere
Villeneuve blieb dem Profisport dennoch treu und suchte neue Herausforderungen in unterschiedlichen Disziplinen. Nach seiner Formel-1-Karriere verbuchte er Starts bei großen 24h-Events und in Prototypen-/Sportwagenprogrammen, sowie NASCAR-Einsätze im US-Stockcar-Sport auf sein Rennkonto.
Nebenbei fing er seine Tätigkeit als TV-Experte bei Sky an, der er heute noch erfolgreich nachgeht.
