"Er ist einfach dumm. Oh mein, Gott! Dieser Typ, es ist immer dieser Typ!" Carlos Sainz war nach der Berührung mit Liam Lawson nicht gut auf den Racing-Bulls-Piloten zu sprechen. Dass er – und nicht Lawson – von den Stewards eine Strafe aufgebrummt bekam, besserte seine Laune nicht. Er bezeichnete die 10-Sekunden-Strafe als "kompletten Witz". Formel-1-Experte Christian Danner sah sich mehrmals die Szene zwischen Sainz und Lawson an.

Sein Fazit: Ein normaler Rennunfall. "Das war für mich nichts Besonderes, weder eine besondere Unverschämtheit von Lawson noch eine Dummheit von Sainz", erklärte der Formel 1-Experte. Für ihn geht es völlig in Ordnung, dass Sainz mit der Meinung der Stewards nicht übereinstimmt.

Formel-1-Experte warnt Sainz

Lediglich die Art, wie der Spanier seinen Unmut kundtat, findet Christian Danner unpassend und gefährlich. "Das war haarscharf an einer Beleidigung vorbei, und das mögen weder der FIA-Präsident noch die Stewards. Das wird sich rächen", betonte der frühere F1-Pilot. "Als Fahrer kannst du sagen, wenn du anderer Meinung bist. Das ist dein gutes Recht, aber du kannst nicht so abledern."

Die harsche Kritik von Sainz an den Stewards kam für viele überraschend. Obwohl Spanier im Allgemeinen als heißblütig bekannt sind, sind solche verbalen Aussetzer von Sainz nicht üblich. Für Danner ist es ein klares Zeichen, dass bei dem erfahrenen F1-Piloten die Nerven blank liegen.

Nachdem er im Vorjahr von Ferrari für Lewis Hamilton vor die Tür gesetzt wurde, heuerte er bei Williams an. Beim britischen Traditionsrennstall tut sich Sainz schwerer, als erwartet. In den ersten 12 von 24 Rennen schaffte er es dreimal nicht über Q1 hinaus, im Schnitt fehlten ihm auf eine schnelle Runde rund zwei Zehntel auf Alex Albon.

Witz-Strafe? Danner warnt Sainz: So eine Kritik rächt sich! (03:32 Min.)

Hat Zandvoort das Fass zum Überlaufen gebracht?

Zur mangelnden Performance gesellte sich auch noch Pech: In Bahrain krachte Tsunoda in den FW47 von Sainz. In Österreich schaffte er es aufgrund eines technischen Defekts nicht einmal in die Startaufstellung. In Großbritannien kollidierte er unverschuldet mit Charles Leclerc, die Berührung mit Lawson in Zandvoort brachte das Fass wohl zum Überlaufen. Laut Danner dürfe man die psychologische Komponente bei Sainz nicht außer Acht lassen.

"Er kam von Ferrari, war erfolgsverwöhnt, Grand-Prix-Sieger und alles war gut. Bei Williams ging er davon aus, innerhalb von ein paar Rennen alles im Griff zu haben. Und wo sind wir jetzt? Weit weg davon – das sind alles Dinge, die eine Wirkung haben und nicht an einem spurlos vorbeigehen", betonte Danner. In der Fahrerwertung liegt Sainz auf einem enttäuschenden 17. Platz, neun Plätze und 48 Punkte hinter seinem Williams-Teamkollegen. "Wenn man es ganz genau nimmt, dann fährt Albon Kreise um ihn", so Danner.