Die MotoGP-Transferperiode 2025 musste auf dem Papier eigentlich eine ruhige werden. Die Verträge von lediglich fünf Fahrern liefen mit Jahresende aus. Dabei handelte es sich um Jack Miller, Johann Zarco, Somkiat Chantra, Luca Marini und Franco Morbidelli - nicht die ganz großen Namen in der aktuellen Ära der Königsklasse. Diese waren alle bereits bis Ende 2026 an einen Hersteller gebunden: Marc Marquez und Francesco Bagnaia an Ducati, Fabio Quartararo an Yamaha, Jorge Martin an Aprilia und Pedro Acosta an KTM. Eigentlich bot sich somit kein Raum für bedeutende Verschiebungen. Doch wenn der aufmerksame MotoGP-Beobachter über die vergangenen Jahre etwas gelernt hat, dann dass die wildesten Transfers in diesem Paddock immer genau dann passieren, wenn sie sich absolut nicht abzeichnen. Und genau so schien es auch 2025 wieder zu kommen.

Im Winter 2024/25 wurde KTM von einer wirtschaftlichen Talfahrt inklusive Insolvenzverfahren erschüttert. Die Zukunft der Österreicher in der MotoGP war ungewiss und ihr Goldjunge wollte seine eigene Karriere absichern. Heiße Gerüchte machten die Runde: Honda soll mit einem finanziell äußerst lukrativen Dreijahresvertrag versucht haben, Pedro Acosta von KTM loszueisen. Auch Valentino Rossi machte mit seinem VR46-Team Acosta Avancen. Dass es bei der orangen Fraktion zu Saisonbeginn auch sportlich nicht nach Wunsch lief, heizte die brisante Situation weiter an. Erst ab Saisonmitte kühlte die Lage ab, KTM ist sportlich sowie wirtschaftlich wieder besser aufgestellt und ein Wechsel des Youngsters war zumindest für 2026 vom Tisch.

Noch dramatischer als die vorübergehenden Spannungen zwischen Acosta und KTM war das, was sich im Frühjahr und Sommer zwischen Jorge Martin und Aprilia abspielte. Obwohl er verletzungsbedingt erst ein Rennwochenende für die Mannschaft aus Noale absolviert hatte, informierte Martin die Aprilia-Führungsebene in Le Mans, dass er seinen bis Ende 2026 gültigen Vertrag mithilfe einer Klausel bereits 2025 auflösen wollte. Da er zu diesem Zeitpunkt nicht in den Top-Fünf der WM lag, war das seiner Ansicht nach möglich. Aprilia pochte aber auf den Vertrag und verwies auf Nichtigkeit der Klausel durch Martins Verletzung. Es folgte ein monatelanger Schlagabtausch, in dem der Hersteller schließlich die Oberhand behielt. Martin musste einlenken und auch 2026 bei Aprilia bleiben.

Somit verlief der MotoGP-Transfermarkt erstmals seit 2017 wieder in geordneten Bahnen, nachdem in der jüngsten Vergangenheit Chaos regiert hatte. Motorsport-Magazin blickt zurück auf sieben verflixte Jahre voller Anarchie im Fahrerkarussell der Königsklasse.

Alle MotoGP-Plätze vergeben: Das ist das Starterfeld 2026 (07:17 Min.)

2018: Jorge Lorenzo, Ducati und der falsche Zeitpunkt

Nach Jahren der Krise hatte Ducati 2016 auf technischer Ebene wieder den Anschluss an die damaligen MotoGP-Dominatoren von Honda und Yamaha gefunden. Was noch fehlte, um erstmals seit 2007 wieder einen Weltmeistertitel in der Königsklasse erobern zu können, schien der Führungsebene in Borgo Panigale klar: Ein echter Starpilot musste her. Den fand man in Jorge Lorenzo. Der dreimalige MotoGP-Champion hatte sich bei Yamaha erneut mit Teamkollege Valentino Rossi zerstritten und suchte entnervt eine neue Herausforderung. Die fand er bei Ducati, ein neuer Rekordvertrag in der Geschichte der Weltmeisterschaft in Höhe von kolportieren 25 Millionen Euro für zwei Jahre machte den Deal auch finanziell schmackhaft.

Jorge Lorenzo brach erst bei Ducati durch, als er schon wieder weg war, Foto: gp-photo.de/Ronny Lekl
Jorge Lorenzo brach erst bei Ducati durch, als er schon wieder weg war, Foto: gp-photo.de/Ronny Lekl

Doch der vermeintliche Heilsbringer mutierte bei Ducati zum Rohrkrepierer. Während Andrea Dovizioso, dem die Chefetage den ganz großen Wurf nicht zugetraut hatte, 2017 zur Hochform auflief und erst beim Finale in Valencia den Titelkampf gegen Marc Marquez verlor, stolperte Lorenzo durch seine erste Ducati-Saison. Lediglich drei Podiumsplatzierungen, kein Sieg und nur WM-Rang sieben standen am Ende zu Buche.

Auch die Saison 2018 begann für Lorenzo desaströs. Nach den ersten fünf Rennwochenenden lag er abgeschlagen auf Rang 14 der Gesamtwertung. Die MotoGP-Zukunft des einstigen Überfliegers geriet ins Wanken. Doch dann kam Mugello, ein Update an der Desmosedici GP und ein ebenso unerwarteter wie beeindruckender Sieg von Lorenzo. Als Gigi Dall'Igna nach dem Rennen zu Gesprächen über eine Vertragsverlängerung einlud, folgte der Schock. "Jetzt ist es zu spät. Ich habe bereits bei Honda unterschrieben", ließ Lorenzo wissen. Völlig unbemerkt hatten sich er und HRC auf einen Deal für 2019 und 2020 geeinigt. Lorenzo brillierte in der Folge bei Ducati, gewann in Barcelona und Spielberg erneut. Für eine Weiterführung der nun so erfolgreichen Partnerschaft war es aber zu spät. Lorenzo wechselte zu Honda und seine Partnerschaft mit Ducati wird für immer eine der größten 'Was wäre wenn?'-Geschichten der MotoGP bleiben.

2019: Zwei Stars, zwei Notbremsen

Lorenzos überhasteter Absprung in Richtung Honda führt uns direkt ins nächste Drama. Denn der Umstieg auf die RC213V war für ihn noch einmal deutlich härter als jener zwei Jahre zuvor von der Yamaha M1 auf die Ducati Desmosedici GP. Während sein neuer Teamkollege Marc Marquez eine absolute Fabelsaison mit 12 Siegen und 18 Podiumsplatzierungen in 19 Rennen hinlegte, hinkte Lorenzo gnadenlos hinterher. Er schaffte es - auch gebremst von einem schlimmen Sturz in Assen, bei dem er sich zwei Rückenwirbel brach - kein einziges Mal in die Top-Ten. Beim Saisonfinale 2019 in Valencia verkündete er mit 32 Jahren trotz eines eigentlich bis Ende 2020 geltenden Vertrags mit Honda völlig überraschend sein Karriereende. Zu einem Zeitpunkt, an dem alle hochkarätigen Fahrer bereits ihre Deals für die nächste Saison in der Tasche hatten, stand HRC so mit einem Piloten zu wenig da. Das Glück der Japaner: Kein MotoGP-Rennstall hatte sich bis dahin um den neuen Moto2-Weltmeister Alex Marquez bemüht, der so in der mittleren Klasse hätte bleiben müssen. Honda griff zu und formte ein Brüderteam mit Alex und Marquez, dass aufgrund Marcs schwerer Verletzung aber nur ein gemeinsames Rennen bestreiten sollte.

Für Lorenzo war bei Honda also nach nur einer Saison und 15 Rennen Schluss - nicht gerade eine Ewigkeit, aber länger als es Johann Zarco und KTM miteinander ausgehalten hatten. Zarco, heute der älteste Mann im Feld, war damals die heißeste Aktie der MotoGP. Nach zwei Weltmeistertiteln in Serie war er mit Tech3-Yamaha in die Königsklasse aufgestiegen und hatte dort seine ersten beiden Jahre als Gesamtsechster und bester Privatfahrer in der damals noch von Werksteams dominierten Klasse beendet. Bei KTM war man überzeugt: Mit diesem Mann würde der große Durchbruch gelingen. Doch weit gefehlt: Zarco kam auf der RC16 nie zurecht, schimpfte öffentlich über das Motorrad und wurde nach 13 Rennen gefeuert. Während Honda in Valencia den Alex-Marquez-Deal perfekt machte, wurde bei Avintia Racing Karel Abraham hinausgeboxt, um so Platz für Zarco zu schaffen, der im Ducati-Kundenteam 2020 seine Karriere neustartete.

2020: Andrea Dovizioso und Ducati - Trennung statt Krönung

Während Jorge Lorenzo bei Ducati zunächst sportlich gescheitert war und dann sein Glück bei Honda suchte, stieg der lange Zeit unterschätze Andrea Dovizioso zum neuen Starpiloten der MotoGP auf. Er wurde von 2017 bis 2019 hinter einem in Topform agierenden Marc Marquez drei Mal Vizeweltmeister. Als dieser schließlich nach seinem Oberarmbruch im ersten Grand Prix 2020 für die restliche Saison ausfiel, schien der Weg frei für den vermeintlich ewigen Zweiten Dovizioso. Doch anstatt gemeinsam die große Chance beim Schopfe zu packen, begann es zwischen ihm und Ducati zu kriseln. Aus dem Schriftzug 'Desmo Dovi' auf seiner Lederkombi, mit der er jahrelang seine Liebe zum Arbeitgeber öffentlich zur Schau gestellt hatte, wurde 'Undaunted' und wenig später 'Unemployed'. Ducati und Dovizioso hatten sich zerstritten, er war arbeitslos geworden. Der Fahrer warf dem Hersteller einen technokratischen Zugang vor. Nur das Motorrad sei von Bedeutung, nicht aber seine eigene Leistung. Ducati-Geschäftsführer Claudio Domenicali konterte in den Sozialen Medien mit Kritik an Doviziosos Fahrstil. Die Trennung war in Anbetracht der offensichtlich unüberbrückbaren Differenzen nicht mehr zu vermeiden. Ausgerechnet nach jener Saison, in der die gesamte Fachwelt den großen Höhepunkt in der achtjährigen Partnerschaft erwartet hatte, gingen Dovizioso und Ducati getrennten Wege. Für 2021 entschied man sich in Borgo Panigale zu einem völligen Neustart, setzte auch Danilo Petrucci vor die Tür und verpflichtete mit Francesco Bagnaia sowie Jack Miller ein junges Fahrerduo. Die Strategie sollte schließlich aufgehen: Im ersten Jahr scheiterte man noch an Fabio Quartararo und Yamaha, 2022 und 2023 stieg Ducati aber zur neuen Supermacht der MotoGP auf und holte mit Bagnaia zwei Mal in Serie den Fahrerweltmeistertitel.

Andrea Dovizioso und Ducati trennten sich 2020 im Streit, Foto: Ducati
Andrea Dovizioso und Ducati trennten sich 2020 im Streit, Foto: Ducati

2021: Maverick Vinales' mutwillige Yamaha-Zerstörung

Yamaha schien in seiner Fahrerwahl für 2017 ein goldenes Händchen bewiesen zu haben. Als Teamkollege für Valentino Rossi wurde nach dem Abgang von Jorge Lorenzo der aufstrebende Maverick Vinales verpflichtet. Nachdem dieser bereits in seinen ersten beiden MotoGP-Jahren bei Suzuki vollends überzeugt hatte, schlug er auch bei Yamaha ein wie eine Bombe. Vinales gewann drei seiner ersten fünf Rennen für den neuen Arbeitgeber. Der Weltmeistertitel für den Katalanen schien nur eine Frage der Zeit. Es sollte aber gänzlich anders kommen. Zwar überzeugte Vinales immer wieder mit herausragenden Vorstellungen, länger währende Erfolgsläufe blieben aber stets aus. Für den Mann, der seinen Vornamen 'Top Gun'-Held Lieutenant Pete 'Maverick' Mitchell verdankt, war der Grund dafür klar: Mit der Yamaha M1 habe er oftmals nicht das nötige technische Rüstzeug parat, um gegen Marc Marquez und Co. zu kämpfen.

2021 in Spielberg kam es schließlich zum Eklat. Nach einem katastrophalen Start fuhr Vinales dem Feld hinterher, drehte den Motor seiner M1 in den letzten Rennrunden bewusst in den Begrenzer und versuchte so, das Triebwerk seiner Maschine zu zerstören. Jetzt reichte es Yamaha: Vinales wurde kurz nach Saisonhalbzeit suspendiert und sollte nie mehr ein Rennen für den japanischen Hersteller bestreiten. Sie bevorzugten es, die restliche Saison mit Testfahrer Cal Crutchlow und später mit Franco Morbidelli, der aus dem Petronas-SRT-Kundenrennstall hochgezogen wurde, zu bestreiten. Vinales selbst kam für die letzten sechs Rennwochenenden bei Aprilia unter, ehe auch diese Partnerschaft nach drei vollen Saisons Ende 2024 nach Meinungsverschiedenheiten in die Brüche gehen sollte. Vinales wartet so immer noch auf einen Weltmeistertitel in der MotoGP, zeigte 2025 als KTM-Fahrer aber bislang unbekannte Gelassenheit und Verständnis für die Schwächen der RC16. Deren positive Attribute lobte er in höchsten Tönen und war zwischenzeitlich sogar bester KTM-Mann, ehe ihn eine Verletzung am Sachsenring aus dem Tritt brachte.

2022: Lose-Lose-Situation für Suzuki, Joan Mir und Alex Rins

Unsere bisherige Liste ist eine Zusammenfassung von Partnerschaften, die an enttäuschten Fahrern oder Herstellern gescheitert sind. 2022 überlebte die MotoGP allerdings das Ende eines Projekts, das höchst erfolgreich operierte. Mit bescheidenem Budget ausgestattet versetzte Suzuki die Weltmeisterschaft beginnend mit der Saison 2020 ins Staunen. Joan Mir wurde Weltmeister, Teamkollege Alex Rins belegte Rang drei in der Gesamtwertung, wodurch der nur mit zwei Motorrädern angetretene Hersteller auch die Team-WM für sich eroberte. Im Folgejahr setzte sich Suzuki im Spitzenfeld fest: In den Wertungen für Fahrer, Teams und Hersteller gelang jeweils Rang drei. Ähnlich positiv ging es 2022 weiter: Mir und Rins waren in den ersten sechs Rennen Stammgäste in den Top-Sechs, Rins gelangen sogar zwei Podiumsplatzierungen. Dann aber der Schock: Aus dem Nichts gab Suzuki den MotoGP-Ausstieg mit Ende 2022 bekannt. Und das, obwohl man sich gegenüber Promoter Dorna gerade erst bis inklusive der Saison 2026 zur Teilnahme an der Königsklasse verpflichtet hatte. Ein großartiges MotoGP-Projekt war dem Entschluss einer erratischen Führungsebene in Japan zum Opfer gefallen. Über die genauen Trennungsmodalitäten zwischen der Dorna und Suzuki wurde Stillschweigen vereinbart, der Hersteller musste dem Vernehmen nach aber eine empfindliche Strafzahlung leisten.

Joan Mir und Alex Rins mussten sich völlig unerwartet auf Job-Suche begeben. Die Auswahl an möglichen neuen Arbeitsplätzen war begrenzt, schließlich mussten beide Fahrer für 2023 ihre geliebte GSX-RR gegen die damals bereits absolut nicht mehr konkurrenzfähige Honda RC213V eintauschen. Mir kam im Repsol-Werksteam unter, Rins im LCR-Kundenrennstall. Wie unbegründet der MotoGP-Ausstieg von Suzuki tatsächlich war, zeigte das Saison-Finish 2022: Rins gewann mit dem Australien-GP und dem Valencia-GP zwei der letzten drei Rennen, ehe die Mannschaft in Himmelblau von der großen Bühne verschwand - vielleicht für immer.

Suzuki stieg Ende 2022 völlig überraschend aus der MotoGP aus, Foto: Suzuki
Suzuki stieg Ende 2022 völlig überraschend aus der MotoGP aus, Foto: Suzuki

2023: Marc Marquez tauscht Geld gegen MotoGP-Erfolg

Während viele Fahrer-Team-Partnerschaften nach kurzer Zeit schon wieder ein Ende finden, gingen Marc Marquez und Honda ganze elf Jahre lang gemeinsam durch dick und dünn. Von 2013 bis 2019 holte man gemeinsam unglaubliche sechs Fahrerweltmeistertitel in nur sieben Saisons. Dann folgte 2020, der Oberarmbruch von Jerez und eine lange Leidenszeit für Marquez. Erst zwei Jahre und vier Operationen später war er wieder fit und bereit, um Spitzenresultate zu kämpfen. Doch Honda war in der Zwischenzeit im technischen Wettrüsten massiv ins Hintertreffen geraten. Marquez versuchte alles, um dennoch Siege und Podiumsplatzierungen einzufahren - vergeblich. Er bezahlte diese Versuche mit mehreren Verletzungen und insgesamt fünf verpassten Rennen in der Saison 2023. Die einstige Traumehe war trotz eines bis Ende 2024 gültigen Rekordvertrages, der Marquez kolportierte 20 Millionen Euro jährlich einbrachte, nicht mehr zu retten.

Schon früh in der Saison machten Gerüchte die Runde, Marquez könnte in einem neu geschaffenen dritten KTM-Team sein Glück finden. Daraus wurde aber nichts und er wechselte zu einem Rennstall, der faktisch betrachtet eigentlich so gar nicht in seine Karriereplanung passte. Marquez entschied sich für das kleine Gresini-Team, wo er 2024 eine Vorjahresmaschine fahren sollte. Und das praktisch zum Nulltarif, denn die von Honda einst bezahlten Millionengehälter überstiegen das gesamte Budget des Privatrennstalls um ein Vielfaches. Marquez' Strategie ging aber auf: Er fand mit der Desmosedici GP23 zurück in die Erfolgsspur, gewann drei Rennen und wurde WM-Dritter. Langfristig gesehen aber noch viel wichtiger: Marquez hatte nun schon im Frühsommer 2024 bei Ducati einen Fuß in der Tür. Ein Fakt, der noch von großer Bedeutung sein sollte.

2024: Marc Marquez und der große Ducati-Coup

Dass Gresini Racing für Marc Marquez nur eine Zwischenstation auf dem Weg ins Ducati-Werksteam sein sollte, war von Beginn an klar. Viel Zeit, um diesen Plan in die Tat umzusetzen, hatte Marquez aber nicht. Ducati sah sich gezwungen, früh in der Saison 2024 eine Entscheidung zu fällen, wer denn nun neuer Teamkollegen von Francesco Bagnaia für die Jahre 2025 und 2026 werden sollte. Enea Bastianini hatte die hohen Erwartungen im Werksteam nie erfüllt und schied früh aus der Liste der Kandidaten aus. Ein Gegenspieler blieb für Marquez allerdings noch und der hatte es in sich: Jorge Martin. Der drehte nach der knappen WM-Niederlage gegen Bagnaia im Vorjahr nun so richtig auf. Nach den ersten sechs Rennwochenenden 2024 führte er die Gesamtwertung überlegen an - 39 Zähler vor Bagnaia, 41 vor Marquez.

Es war deshalb keine große Überraschung, als im Rahmen des Italien-Grand-Prix nach außen drang, dass Ducati und Martin kurz vor einiger Einigung standen. Martin ins Werksteam, Marquez auf aktuellem und werksunterstütztem Material bei Pramac - so war der Plan von Claudio Domenicali, Gigi Dall'Igna und Co. Marc Marquez sollte aber einen dicken Strich durch diese Rechnung machen. "Pramac ist für mich keine Option", stellte er öffentlich klar und durchkreuzte die Pläne der Chefetage. Ein taktischer Geniestreich, denn wenn die Ducati-Bosse eines nicht mehr sehen wollten, dann war es Marc Marquez auf dem Motorrad eines anderen Herstellers. Schließlich knickten die Herren in Rot ein: Marquez bekam den Zuschlag für den Werksplatz. Martin musste man mitteilen, dass man nun doch nicht mehr mit ihm plane. Wenige Stunden später hatte der 'Martinator' bei Aprilia unterschrieben und Pramac verließ schließlich in Ermangelung eines Spitzenfahrers enttäuscht das Ducati-Lager. Marc Marquez hatte einmal mehr bewiesen, welche Sprengkraft er besitzt. Nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch an den Verhandlungstischen abseits davon.

MotoGP Hot Takes 2026: Bagnaia dominiert gegen Marquez! (14:31 Min.)

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