Wieder einmal musste Pedro Acosta als Zweiter mitansehen, wie ein anderer die Siegertrophäe erhielt. In Aragon war das wenig überraschend Marc Marquez. Doch der KTM-Pilot hatte dem Weltmeister das Leben schwerer als erwartet gemacht. Am fantastischen Leistungsniveau des 'Hais' gibt es keinerlei Zweifel mehr, auch wenn diese eine nervige Frage bleibt.

Er ist eine Legende! Pedro Acosta Crewchief staunt in Aragon

"Er ist eine Legende, oder etwa nicht? Das war ein fantastisches Wochenende. Er hat keinen Fehler begangen und seine Fahrkunst auf ein neues Niveau gehoben. Jede Woche sehen wir etwas Neues von ihm. Wir sind einfach sehr stolz", sang Acostas Crewchief Paul Trevathan im Interview nach dem Rennen eine Lobeshymne auf seinen Schützling. Er hatte seine Ausnahmestellung im Kader aus Mattighofen wieder einmal unter Beweis gestellt. "Selbst wenn ich einen perfekten Job erledigt hätte, dann wäre wohl Platz sieben alles gewesen, was drin war", konstatierte etwa Teamkollege Brad Binder.

Marc Marquez führt im Aragon-GP der MotoGP vor Pedro Acosta.
Acosta machte Druck auf Marc Marquez, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Acosta hingegen kämpfte sogar phasenweise um die Spitze, ehe Marc Marquez so richtig ernst machte. Exakt 24 Sekunden Vorsprung wies der Spanier am Ende auf Enea Bastianini auf, der zweitbester KTM-Fahrer wurde. Wir reden also von mehr als einer Sekunde pro Runde. Auch Marquez hat keine solche Überlegenheit gegenüber den anderen Ducatis. Und es darf auch die Frage erlaubt sein: Ist der Unterschied zwischen einer Ducati und einer KTM nach 23 Rennrunden wirklich nur zwei Sekunden? So viel Rückstand hatte Acosta im Ziel.

Marc Marquez beobachtet genau, Aleix Espargaro sieht einen Magier

Marc Marquez war von seinem ersten Verfolger nicht überrascht. Er kennt das Niveau seines baldigen Teamkollegen. "Ich wusste schon vor dem Rennen, dass Pedro einer der Siegkandidaten sein würde. Besonders mein Fehler in den Kurven zwei und drei hat ihm geholfen, andere Fahrer zu überholen, denn er geht sehr clever und aggressiv vor. Schon gestern war er in der Schlussphase des Sprints der Schnellste. Heute im Warm Up war er mit einem angefahrenen Hinterreifen Zweiter", bewies die Nummer 93, dass sie Acosta genau beobachtet hatte und dementsprechend als Gegner sehr ernst nahm.

Nicht nur die Konkurrenz ist sich der Leistung bewusst, auch von einem Ex-Fahrer gab es großes Lob. Honda-Testpilot Aleix Espargaro sah sich das Rennen am Fernseher an und konnte danach nicht drumherum, sich auf X (ehemals Twitter) zu äußern. "Pedro Acosta wirkt Magie. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, auf welchem Niveau er mit seinem Motorrad fährt", lautete sein Fazit.

Pedro Acosta bleibt auf dem Boden: Reifeprozess nach schwieriger Saison 2025

Was sagt der Fahrer selbst zu solchen Aussagen? Auf das Legenden-Lob vom Crewchief angesprochen zeigt Acosta, wie sehr er auf dem Boden der Tatsachen bleibt: "Es ist noch ein langer Weg zur Legende, aber wir machen die Dinge richtig. Ich habe ihn [Trevathan] dazu gedrängt, mehr Risiko zu gehen. Wir hatten das Gefühl, zurückgefallen zu sein. Mit all den Fehlern und den Zuverlässigkeitsproblemen in der ersten Jahreshälfte war es hart mitanzusehen, wie der dritte Platz in der Meisterschaft sich von uns entfernte. Es sieht so aus, dass es jetzt funktioniert und wir gute Rennen zeigen. Wir sind immer noch recht weit von einem Sieg weg, aber andererseits haben wir an Konstanz in den Top fünf gewonnen."

Damit spricht Acosta auch den Elefanten im Raum an. Nach nun acht zweiten Plätzen in der Königsklasse fehlt ihm immer noch der längst überfällige Sieg im Grand Prix. Doch der 22-Jährige hat sich enorm entwickelt und lässt sich von dieser Dauerfrage nicht mehr Kirre machen. "Letztes Jahr war ich sehr wütend im Leben. Ich habe meine Emotionen immer an mich herangelassen. Jetzt zeige ich sie nur noch in der Box. Meine Einstellung ist nun kaltblütiger und damit kann ich die Dinge besser im richtigen Moment angehen. Es geht darum, was ich brauche, um schnell zu sein. Die harten Momente des letzten Jahres helfen mir jetzt", erklärt er seinen Reifeprozess.

Wann kommt endlich der erste MotoGP-Sieg? Auf diesen Strecken könnt es noch mit KTM passieren

Und dementsprechend geht er auf die Siegfrage auch gar nicht mehr direkt ein, winkt stets ab. Ein wenig konnte ihm dann aber doch noch entlockt werden, ob er den ersten Sieg noch mit KTM und nicht erst nach dem bevorstehenden Wechsel zu Ducati erreichen kann. Welche Strecken ihm im Restprogramm 2026 am besten liegen würden, wollte ein Journalistenkollege wissen. "Normalerweise sind Japan, Indonesien und Malaysia gut für mich. Ich hoffe, dass es in den anderen Rennen regnet, damit wir auch da konkurrenzfähig sein können", antwortete Acosta kurz und schmerzlos.

Die Sieger vom MotoGP Rennen in Aragon sind Marc Marquez, Pedro Acosta und Marco Bezzecchi.
Wann steht Acosta endlich in der Mitte?, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Vielleicht gelingt es ja doch noch durch eines dieser Rennen, seine Förderer von KTM als Rennsieger zu verlassen. Ein gutes Omen gibt es jedenfalls: Im Gegensatz zu Aragon sind das keine der Spezialstrecken von Überfahrer Marc Marquez. Und vielleicht ist dieser ja gar nicht mehr die einzige Ausnahmeerscheinung im Feld. Die andere hat nur noch keinen Sieg...

Jetzt seid ihr gefragt: Wie bewertet ihr die Leistung von Pedro Acosta? Sagt es uns in den Kommentaren.