Der MotoGP-Samstag in Motegi endet mit einer faustdicken Überraschung! Wie Michelin gegen 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Form eines Statement von Motorsportchef Pierro Taramasso bekanntgab, wurde der Soft-Hinterreifen mit sofortiger Wirkung aus dem Kontingent für den restlichen Japan-GP gestrichen. Eine Nutzung der weichsten Reifenmischung im Grand Prix am Sonntag (Start um 7:00 Uhr MEZ) ist damit nicht mehr möglich. Das ist das Ergebnis mehrerer Notfallbesprechungen nach dem Sprint.
Neuer Asphalt in Motegi: Michelin schon vor Beginn des Japan-GPs besorgt
Wieso es dazu kam? Dem Rennwochenende in Japan hatte Michelin von vorneherein besorgt entgegengeblickt. Denn das Mobility Resort war kürzlich neu asphaltiert worden und der Reifenhersteller aus Frankreich verfügte vor Beginn des Japan-GPs noch über keinerlei Daten auf dem neuen Bodenbelag. Aus Angst vor zu hohem Reifenabrieb brachte Michelin deshalb vorsorglich bereits eine dritte Gummimischung für das Hinterrad mit nach Motegi: Diese ist mit der speziellen, hitzebeständigeren Karkasse ausgestattet, die zuletzt schon im Österreich-GP zum Einsatz gekommen war. Am Donnerstag beschäftigte sich das MotoGP-Paddock deshalb bereits mit der Frage, ob Ducati dadurch gegenüber Aprilia und KTM erneut im Nachteil sein könnte.
Nach den Trainings schienen sich die Sorgen der Franzosen dann zunächst aber nicht zu bewahrheiten. Nicht eine Runde wurde am Freitag mit dem hitzebeständigen Hard am Heck gedreht, die Piloten setzten ausschließlich auf die 'normalen' Soft- und Medium-Varianten. Angst vor starkem Reifenabbau gab es keine mehr und das Thema schien erledigt. Doch dann kam am Samstag der Sprint.
In diesem wurden in der Schlussphase gleich einige Piloten von heftigem Blistering [Blasenbildung, Anm.] erfasst. Francesco Bagnaia kehrte beispielsweise schon eine Runde vor Schluss zurück an die Box und gab vorzeitig auf, weil sein Soft völlig hinüber war. Jorge Martin, der im letzten Umlauf massiv an Pace verlor, berichtete in seiner Medienrunde, dass sein weicher Hinterreifen sogar in noch schlechterem Zustand gewesen sei.
Michelin reagiert auf hohen Reifenabrieb im MotoGP-Sprint: Soft gestrichen!
In den Stunden nach dem Sprint fanden im MotoGP-Paddock in Motegi deshalb gleich mehrere Notfallbesprechungen zwischen Teamverantwortlichen, Michelin und der MotoGP Sports Entertainment Group statt. Speziell Aprilia um Racing-CEO Massimo Rivola scheint darauf gedrängt zu haben, die spezielle harte Reifenkarkasse für den Grand Prix am Sonntag nun für alle Piloten verpflichtend zu machen. Primär wurden Sicherheitsbedenken angeführt, aufgrund des unerwartet hohen Reifenabriebs im Sprint mit Soft- und Medium-Hinterreifen nicht über die volle GP-Distanz von 24 Runden kommen zu können. Insgeheim dürfte hier aber sicher auch eine Rolle gespielt haben, dass Aprilia in der laufenden Saison so gut mit der speziellen Karkasse zurecht kommt, während Ducati und Marc Marquez diesen Reifen nicht wirklich mögen. Nach der Niederlage im Sprint hätte der Hersteller aus Noale im Grand Prix so womöglich beste Chancen gehabt, zurückzuschlagen.
Letztlich wurde sich aber auf eine andere Lösung geeinigt. Wie Motorsportchef Taramasso am Samstagmittag bekanntgab, hat Michelin nur den Soft zurückgezogen, während der Medium weiterhin benutzt werden darf. "Der neue Asphalt mit seinem hohem Grip führte in Kombination mit einer Streckentemperatur von rund 40 Grad und einer außergewöhnlich hohen Pace im Sprint zu sehr hohen Temperaturen an den Hinterreifen. Das Reifenmanagement war daher entscheidend. Die Auswirkungen variierten dabei erheblich von Fahrer zu Fahrer. Bei einigen kam es zu erheblichen Blasenbildungen, während andere den Sprint ohne größere Probleme absolvierten", begann er in seinem Statement.
Anschließend dann folgende Mitteilung, auf die alle MotoGP-Teams gespannt gewartet hatten: "Michelin hat den weichen Hinterreifen aus dem Rennkontingent zurückgezogen. Der Medium-Reifen ist weiterhin verfügbar, erfordert jedoch einen sehr umsichtigen Einsatz, während der harte Hinterreifen mit verstärkter Karkasse von Michelin als Option für die Fahrer empfohlen wird, die während des gesamten Rennens ein hohes Tempo halten möchten."

Medium kann im Japan-GP genutzt werden, Michelin empfiehlt aber Hard
Ein klarer Fingerzeig also, dass die MotoGP-Piloten am Sonntag im Japan-GP nach Möglichkeit auf die härtere Karkasse setzen sollten. Einziges Problem: Weil am Freitag wie bereits erwähnt nicht eine Runde mit diesem Reifen gedreht wurde, weiß aktuell niemand, ob er in Motegi wirklich auch eine konkurrenzfähige Alternative zum Medium darstellt. Am Samstag wurde deshalb auch beschlossen, das Warm Up am Sonntagfrüh um zehn Minuten zu verlängern und den Piloten so die Möglichkeit zu geben, testweise noch mehrere Runden mit dem Hard abzuspulen. Neuer Startzeitpunkt des Warm Ups ist nun um 2:35 Uhr MEZ und gefahren wird daraufhin 20 Minuten lang bis 2:55 Uhr MEZ.
Was meint ihr: Werden am Sonntag Piloten auf den Hard wechseln oder bleibt der Medium die bevorzugte Option? Und können die Aprilia-Fahrer damit vielleicht Marc Marquez den Sieg streitig machen? Sagt es uns in den Kommentaren!



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