Andrea Kimi Antonelli schien beim Rennen in Silverstone der größte Anwärter auf den Sieg zu sein, als er im zweiten Stint in riesigen Schritten den Rückstand zu Charles Leclerc verkürzte. Doch dann brach in der 41. Runde in Copse links vorne sein Wheel Shield und das Karbonteil verfing sich im Frontflügel. Das zerstörte nicht nur die Siegchancen des Italieners, sondern beraubte ihn auch aller Aussichten auf ein gutes Ergebnis.

Mercedes benötigte zwei Boxenstopps, ehe man das Teil entfernte. Nach dem Abflug von Max Verstappen überquerte er die Ziellinie auf der neunten Position. Doch Punkte gab es für Antonelli trotzdem keine, denn er erhielt anschließend eine 5-Sekunden-Strafe. Der Grund: Zu viele Track-Limit-Verstöße.

Antonelli nach Strafe sauer: "Das ist ein Witz"

Das sorgte bei Antonelli für eine verärgerte Reaktion, denn die Vergehen waren eine direkte Folge des Defekts. Mit dem verkeilten Teil am Frontflügel hatte der WM-Führende viel Untersteuern und war gleich viermal neben die Strecke geraten, darunter dreimal in Brooklands. "Das ist ein Witz. Ich habe es nicht absichtlich gemacht. Das Auto war kaputt, ich habe nicht einmal Zeit gutgemacht", verstand er am Funk die Welt nicht mehr.

Die Teamführung bei Mercedes findet auch, dass Antonelli dadurch keinen Vorteil hatte und entsprechend auch keine Strafe für das Verlassen der Strecke erhalten sollte. Toto Wolff kündigte direkt nach dem Rennen bereits an, dass man prüfen werde, ob man Widerstand gegen diese Bestrafung leistet.

"Wir werden uns die Situation definitiv anschauen, ob wir diese Strafe für die Track-Limit-[Vergehen] verhindern können, denn er konnte das Auto nicht lenken", so Teamchef Toto Wolff. Dass es dabei nur um zwei Punkte geht, macht keinen Unterschied. "Falls wir letztendlich diese Strafe loswerden können, dann könnten diese Punkte in der Weltmeisterschaft entscheidend werden", sagte Wolff.

Grundsätzlich zieht die Formel 1 seit Jahren eine harte Linie durch, was Streckenlimit-Verstöße angeht. Das dritte Vergehen wird mit einer Warnung in Form einer schwarz-weißen Flagge angezeigt, für das vierte gibt es eine Strafe. Allerdings werteten die Stewards in der Vergangenheit Vergehen aufgrund von starken Schäden am Auto häufig nicht als solche.

Wolff versteht aber, dass es schwer ist, eine Linie zu ziehen. "Es ist sicherlich schwierig zu beurteilen, ob ein Auto so stark beschädigt ist, dass es reinkommen muss. In diesem Fall war das Auto in Ordnung, es gab nur die eine Auffälligkeit, dass es schwierig zu lenken war", erklärte er und fügte hinzu: "Ich hoffe, dass sie diese Situation so akzeptieren, aber ich weiß nicht, was herauskommt."

Beantragt Mercedes ein Right of Review?

Gegen eine Strafe, die während des Rennens ausgesprochen wurde, darf kein Protest eingelegt werden. Allerdings bedienen sich die Formel-1-Teams deshalb gerne eines Right of Reviews, das solche nachträglichen Anfechtungen zulässt. Durch die zurückgenommene Zeitstrafe von Pierre Gasly in Monaco gibt es auch einen Präzedenzfall, dass über dieses Recht auf Neubeurteilung eine im Rennen verhängte Strafe zurückgenommen werden kann. Genauso wie Antonelli hatte auch Gasly seine Zeitstrafe im Rennen erhalten, aber noch nicht abgesessen.

Mercedes könnte also für die Strafe gegen Antonelli auch von diesem Rechtsmittel Gebrauch machen. Um eine Neubeurteilung durch die F1-Stewards erwirken zu können, muss Mercedes nachweisen können, dass signifikante und relevante neue Beweismittel vorliegen, die zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung noch nicht verfügbar waren. Mercedes hat nach dem Ende des Rennwochenendes 96 Stunden Zeit, um diesen Protest einzulegen, also bis Donnerstag.

Büchse der Pandora? Danner über das Monaco-Urteil (04:01 Min.)