"Was der heute abgezogen hat - für mich der Mann des Tages!" Lucas Auer hatte am Nürburgring zwar an seinem Ausfall in Folge einer Kollision mit Mercedes-Markenkollege Maro Engel zu knabbern, freute sich zugleich aber "vollen Herzens" für seinen Landgraf-Teamkollegen Tom Kalender. Der 18-Jährige fuhr im Sonntagsrennen zu seinem ersten Podestplatz in der DTM und überquerte die Ziellinie haarscharf hinter Sieger Marco Wittmann.

Damit hat sich Kalender, der 2025 als 17-Jähriger sein DTM-Debüt gab, einen Platz in den Geschichtsbüchern der deutschen Traditionsserie gesichert: Er trägt sich als jüngster Podiums-Fahrer in die Annalen der DTM ein. Kalender war am Nürburgring-Sonntag exakt 18 Jahre, 4 Monate und 20 Tage alt. Der AMG-Junior aus dem rheinland-pfälzischen Hamm verdrängt in dieser Allzeit-Liste einen prominenten Namen von der Spitzenposition: Zuvor war der heutige Formel-1-Pilot Liam Lawson der jüngste Fahrer auf einem DTM-Podest.

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Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf die fünf jüngsten Podiums-Fahrer in der über 40-jährigen Geschichte der DTM.

Platz 1: Tom Kalender (18 Jahre, 4 Monate, 20 Tage)

Im Alter von 16 Jahren als neuer DTM-Fahrer bei Mercedes-AMG bekanntgegeben, Renndebüt mit 17 und jetzt zum ersten Mal auf dem Podest: Tom Kalender hat auf dem Nürburgring Geschichte geschrieben. Der Landgraf-Mercedes-Pilot profitierte nach seinem Ausfall am Samstag von einem zusätzlichen frischen Reifensatz und seinem starken Mercedes-AMG GT3 im Sonntagsrennen und stürmte vom elften Startplatz immer weiter nach vorne. In der Schlussphase des Rennens mussten sich ihm der Reihe nach die Weltklasse-Fahrer Bortolotti, Thiim und Preining geschlagen geben. Zu Rennsieger Wittmann - mit 36 Jahren doppelt so alt wie Kalender - fehlte am Ende nur eine halbe Sekunde.

Tom Kalender in der DTM
Tom Kalender feiert sein erstes DTM-Podest am Nürburgring, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Platz 2: Liam Lawson (19 Jahre, 4 Monate, 8 Tage)

Liam Lawson schrieb im Jahr 2021 beim DTM-Saisonauftakt in Monza aus mehrfacher Hinsicht Geschichte: Zum einen gewann er das erste Rennen der neuen GT3-Ära, zum anderen ging er als bis dato jüngster Podestfahrer und bis heute jüngster Rennsieger in die Historie ein. Obendrein bescherte der heutige Formel-1-Fahrer Ferrari den ersten DTM-Sieg. Lawson war nur vom siebten Platz gestartet, profitierte aber von seinem pfeilschnellen AF-Corse-Ferrari 488 GT3, an dem sich zudem in 'Rekordzeit' die Reifen wechseln ließen.

Der Neuseeländer errang in seiner einzigen DTM-Saison drei Siege, zehn Podestplätze und kämpfte bis zum Norisring-Finale um den Titel, wo er allerdings von Rivale Kelvin van der Linde abgeschossen wurde. Die Meisterschaft ging nach dem höchst kontroversen Finale an Mercedes-Pilot Maximilian Götz. Lawson bestritt 2021 ein Doppelprogramm aus DTM und FIA Formel 2. Er war der erste 'hauptberufliche' Formel-Fahrer seit Emanuele Pirro im Jahr 1990 (auf dem Nürburgring in einem Schnitzer-BMW), dem es gelang, auf Anhieb ein DTM-Rennen zu gewinnen.

Liam Lawson auf dem DTM-Podest
Liam Lawson gewann 2021 das erste Rennen der DTM-GT3-Ära in Monza, Foto: IMAGO/Kräling

Platz 3: Pascal Wehrlein (19 Jahre, 10 Monate, 27 Tage)

Bei Pascal Wehrlein platzte der Knoten in seiner zweiten DTM-Saison mit Mercedes - dann aber richtig: 2014, beim drittletzten Saisonrennen am Lausitzring, feierte er einen fulminanten Start-Ziel-Sieg auf zunächst nasser Piste. Erste Pole, erstes Podest und dann gleich ein Sieg! Wehrlein überquerte den Zielstrich mit mehr als 14 Sekunden Vorsprung auf seinen Markenkollegen Christian Vietoris.

"Ich wusste, dass der Junge die nötige Coolness hat", sagte der damalige Mercedes-Pressesprecher und Interims-Rennleiter Wolfgang Schattling über Wehrlein, der 2013 höchst kurzfristig das Benz-Cockpit von Ralf Schumacher übernommen hatte. Nur ein Jahr später krönte sich der gebürtige Sigmaringer zum DTM-Meister, stieg in die Formel 1 auf und hat inzwischen zwei WM-Titel in der Formel E erobert.

Pascal Wehrlein auf dem Lausitzring 2014, Foto: DTM
Pascal Wehrlein auf dem Lausitzring 2014, Foto: DTM

Platz 4: Finn Wiebelhaus (20 Jahre, 1 Monat, 15 Tage)

Finn Wiebelhaus benötigte in seiner DTM-Debütsaison 2026 nur sechs Rennen bis zur ersten Fahrt aufs Podium. Auf dem Lausitzring rang er mit seinem Ford Mustang GT3 Evo in der Schlussphase HRT-Teamkollege Arjun Maini nieder und holte den dritten Platz. Wiebelhaus hatte sich nicht erst seit dem DTM-Erfolg einen Namen als Senkrechtstarter im deutschen Motorsport gemacht: Seine Motorsport-Karriere hatte der Obertshausener gerade einmal sechs Jahre zuvor im Kartsport begonnen! Vor dem DTM-Einstieg gewann Wiebelhaus 2025 mit HRT-Ford bereits die Meisterschaft im ADAC GT Masters.

Finn Wiebelhaus
Erstes DTM-Podium für Finn Wiebelhaus in der Lausitz, Foto: ADAC Motorsport

Platz 5: Joel Eriksson (20 Jahre, 1 Monat, 29 Tage)

Das DTM-Nachtrennen in Misano 2018, in dem Joel Eriksson erstmals aufs Podest und direkt zu seinem ersten Sieg fuhr, wird den Motorsport-Fans wohl ewig im Gedächtnis bleiben. Weniger wegen des jungen Schweden, der damals seine Debütsaison mit BMW bestritt, sondern ehrlicherweise mehr wegen Alex Zanardi: Der damals 51-Jährige, der 2026 verstarb, schaffte es als Gaststarter sensationell auf den fünften Platz. Der von P12 gestartete Eriksson sowie Zanardi (von P19) profitierten im teils chaotischen Regenrennen von mutigen Strategien mit späten Boxenstopps und sorgten für Riesenjubel im BMW-Lager.

DTM-Nachtrennen in Misano 2018: Joel Eriksson siegt auf BMW, Foto: DTM
DTM-Nachtrennen in Misano 2018: Joel Eriksson siegt auf BMW, Foto: DTM

Statistik: Die jüngsten Podest-Fahrer der DTM-Geschichte

FahrerAlter Rennen
Tom Kalender (Mercedes)18 Jahre, 4 Monate, 20 TageNürburgring II 2026
Liam Lawson (Ferrari)19 Jahre, 4 Monate, 8 TageMonza I 2021
Pascal Wehrlein (Mercedes)19 Jahre, 10 Monate, 27 TageLausitzring 2014
Finn Wiebelhaus (Ford)20 Jahre, 1 Monat, 15 TageLausitzring II 2026
Joel Eriksson (BMW)20 Jahre, 1 Monat, 29 TageMisano II 2018
Morris Schuring (Porsche)20 Jahre, 7 Monate, 14 TageHockenheim II 2025
Paul Di Resta (Mercedes)21 Jahre, 0 Monate, 20 TageOschersleben 2007
Sheldon van der Linde (BMW)21 Jahre, 3 Monate, 2 TageLausitzring I 2020
Ben Dörr (McLaren)21 Jahre, 3 Monate, 29 TageZandvoort II 2026
Daniel La Rosa (Mercedes)21 Jahre, 6 Monate, 18 TageHockenheim I 2007

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