Marco Wittmann hat seine 37 DTM-Rennen anhaltende Durststrecke beendet und auf dem Nürburgring seinen ersten Sieg seit Zandvoort 2024 erobert. Damit überholte der Schubert-BMW-Star in der ewigen Sieger-Liste den Alt-Meister Kurt Thiim und übernahm den fünften Rang in dieser Statistik. Dass Wittmann den dritten Eifel-Sieg und den 20. seiner DTM-Karriere feiern konnte, dafür konnte er sich bei Thomas Preining bedanken - und tat es auch.

"Er hat einen unglaublichen Job gemacht, danke Thomas", richtete Wittmann kurz nach dem Rennen seine Dankesworte an den Manthey-Porsche-Piloten. Der Grund liegt auf der Hand: Ohne 'Verteidigungsminister' Preining wäre der Sieg im Sonntagsrennen mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht an Wittmann, sondern stattdessen an den 18-jährigen Tom Kalender gegangen.

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Tom Kalender haarscharf am ersten DTM-Sieg vorbei

Der von P11 gestartete Landgraf-Mercedes-Pilot zeigte seine beste Leistung im zweiten DTM-Jahr und errang als Zweiter sein Debüt-Podium. Kalender fehlten nach 39 Runden nur 0,517 Sekunden zu Vordermann Wittmann, den die abgelaufene Renndauer gerettet haben dürfte.

"Ich bin froh, dass Thomas gegen Tom verteidigt und ihn dadurch ein bisschen auf Distanz gehalten hat", räumte der zweifache DTM-Champion ein. "Ich wusste, dass Tom auf neuen Reifen unterwegs ist, während wir mit dem schlechtesten Satz vom Vortag fuhren. Deshalb wäre es sehr schwierig geworden, überhaupt zu verteidigen."

Kalender hatte nach seinem vorzeitigen Ausfall im Samstagsrennen für den zweiten Lauf einen zusätzlichen Satz frischer Pirelli-Reifen, während Wittmann und Preining nach den zweiten Pflicht-Boxenstopps ihren letzten Stint mit gebrauchten Schlappen absolvierten. Auf dem Nürburgring standen jedem Auto nur drei Reifensätze für beide Qualifyings und die zwei Rennen zur Verfügung.

Kalender fast 0,6 Sekunden schneller als Wittmann

Wie viel mehr Performance ein neuer Reifen im Vergleich zu einem gebrauchten in dieser Saison liefern kann, zeigte der letzte Stint eindrucksvoll auf. Kalender erreichte nach seinem Undercut-Boxenstopp (Runde 27) über 9 Runden einen Rundenzeitendurchschnitt von 1:27.101 Minuten. Damit war er durchschnittlich 0,580 Sekunden schneller als Wittmann und 0,422 Sekunden als Preining. Wir haben hier bewusst die Outlaps der drei Fahrer rausgerechnet, weil Wittmann auf seiner ersten Runde mit kalten Reifen 2 Sekunden verlor. Das hätte die Durchschnitts-Performance zu sehr verzerrt.

Für den Schluss-Stint hatten Kalenders Reifen erst 14 Runden drauf, während Wittmann und Preining mit 22 bzw. 24 Runden alten Schlappen fuhren. Kalender profierte von diesem Reifen-Vorteil sowie von der überlegenen Pace des Mercedes-AMG GT3, mit dem er nach seinem Reifenwechsel innerhalb von zwei Runden zunächst Mirko Bortolotti (für P4) und dann Nicki Thiim (für P3) überholen konnte.

Es dauerte danach nicht lange, bis Kalender zu Preinings Grello-Porsche aufgeschlossen hatte. Dem Österreicher gelang es trotz der Mercedes-Übermacht, Kalender insgesamt acht Runden lang (Runde 30-37) hinter sich zu halten - obwohl sein Porsche obendrein rund 3 km/h weniger Topspeed hatte. Dabei wirkte es, als ob Kalender zunächst noch etwas vorsichtig agierte, bis er Preining das Leben dann immer schwerer machte.

Rundenzeiten-Vergleich im letzten Stint (ohne Outlaps)

FahrerRunden-Durchschnitt im letzten StintReifen-Alter für letzten Stint
Tom Kalender1:27.10114 Runden
Thomas Preining1:27.52324 Runden
Marco Wittmann1:27.68122 Runden

Kalender zögert erst, aber: "Dann kam der Racer in mir durch!"

"Ich muss sagen, dass ich darüber nachgedacht habe, ob ich es versuchen will oder nicht, weil ich ja schon Dritter war", erklärte Kalender seine Herangehensweise mit Blick auf das erste DTM-Podium. "Dann kam aber der Racer in mir durch und ich habe mich dazu entschieden, es zu versuchen. Das war eine gute Idee, weil wir wirklich die Pace hatten."

Kalenders Berater, der DTM-Rekordchampion Bernd Schneider, dürfte sich über dessen am Ende aggressiven Ansatz gefreut haben. Gegen einen Weltklasse-Fahrer wie Preining zu kämpfen, der extrem gut verteidigen kann und obendrein um die Meisterschaft fährt, erfordert eine gehörige Portion Mut und Abgeklärtheit.

Bernd Schneider mit Tom Kalender
DTM-Rekordmeister Bernd Schneider mit Youngster Tom Kalender, Foto: IMAGO/Eibner

Thomas Preining: Verteidigungsminister am Nürburgring

Preining verteidigte den bedrohten zweiten Platz hart, blieb dabei aber stets innerhalb des Limits - wohlwissend, dass ihn eine Kollision viele Punkte gekostet hätte und seine Titelrivalen Maro Engel sowie Lucas Auer bereits ausgeschieden waren. Der DTM-Meister von 2024: "Ich habe alles gegeben. Mir war aber bewusst, dass wir nur gewinnen können wegen der Ausfälle der anderen Meisterschaftskandidaten. Deshalb wollte ich kein dummes Risiko eingehen."

Der Pace-Unterschied zu Kalender sei laut Preining "gigantisch" gewesen, "deshalb wäre es eh schwierig geworden. Es hat eine ganze Zeit lang gut funktioniert und Tom war sehr fair, dann hat es aber nicht mehr gereicht". Kalender startete seine entscheidende Attacke zu Beginn der vorletzten Runde, setzte sich neben den Porsche und gewann schließlich ausgangs der dritten Kurve die Oberhand. Kalender cool: "Ich habe den Kopf ausgeschaltet und bin einfach gefahren."

Top-5: Die jüngsten Podest-Fahrer der DTM-Geschichte

FahrerAlter Rennen
Tom Kalender18 Jahre, 4 Monate, 20 TageNürburgring II 2026
Liam Lawson19 Jahre, 4 Monate, 8 TageMonza I 2021
Pascal Wehrlein19 Jahre, 10 Monate, 27 TageLausitzring 2014
Finn Wiebelhaus20 Jahre, 1 Monat, 15 TageLausitzring II 2026
Joel Eriksson20 Jahre, 1 Monat, 29 TageMisano II 2018

Wittmann befand sich auf den letzten eineinhalb Runden im "Überlebensmodus", hatte aber 1,1 Sekunden Vorsprung auf den heraneilenden Kalender. Am Ende ging dem AMG-Youngster schlicht die Zeit aus. Später meinte er über beide Backen strahlend: "Der Sieg wäre drin gewesen. Wenn ich Thomas zwei, drei Runden früher überholt hätte, auf jeden Fall. Aber das lasse ich mir noch offen, ich habe ja noch ein paar Rennen vor mir!"

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