Ferrari-Fans dürften mittlerweile gebrannte Kinder sein. Zu oft in dieser Formel-1-Saison sah die Scuderia an einem Freitag gut aus, nur um dann für das restliche Wochenende nicht mehr vorne mitzufahren. Das Ergebnis des zweiten Trainings zum Bahrain-GP in Malaysia sollte daher nicht zu viel Hoffnung wecken. Selbst Charles Leclerc ist trotz seiner Bestzeit überzeugt, dass Ferrari nicht das schnellste Team in Sepang ist.
"Heute war kein schlechter Tag. Ich habe mich im Auto gut gefühlt", fasst der Monegasse den Freitag nüchtern zusammen. Er führte das Feld in FP2 mit 0,099 Sekunden Vorsprung auf Isack Hadjar an. Dass auch die zweitschnellste Zeit an Ferrari ging, war allerdings einigen Fehlern der Konkurrenz zu verdanken, so Leclerc: "Isack hat im letzten Teil seiner schnellen Runde gepatzt, Max [Verstappen, Anm. d. Red.] ist nicht auf Soft-Reifen gefahren." Dazu hat keiner der beiden Mercedes eine repräsentative Qualifying-Simulation absolviert.
"Ich glaube nicht, dass wir das stärkste Team sind", ist sich Leclerc daher sicher. Er sieht die Red Bulls als Favoriten. Ein Fragezeichen bleibt Mercedes. Die Silberpfeile haben ein großes Updatepaket nach Sepang gebracht, die Leistungen im Training sprechen aber noch nicht für einen Erfolg. Das lässt Leclerc nicht an ihrer Stärke zweifeln: "Ich würde sie deswegen nicht unterschätzen. Sie liegen nicht oft falsch. Wenn sie alles hinkriegen, dann werden sie sehr stark sein."
Reifenverschleiß in Sepang: Problem oder Ferrari-Chance?
Um selbst ein gutes Rennen zu haben, hofft Leclerc nun auf den Renn-Ferrari. "Wir haben normalerweise eine gute Rennpace. Ich hoffe, das ist hier auch der Fall", klammert er sich an das wiederkehrende Muster, dass der SF-26 am Sonntag besser performt als am Samstag. Dass er sich nicht allein auf diese zuletzt inkonstante Stärke verlassen kann, weiß er aber selbst: "Wir haben heute noch viel zu tun."
Ein weiterer Hoffnungsschimmer ist der hohe Reifenverschleiß. "Die Bedingungen sind sehr schlecht, es ist rutschig und dreckig. Der hohe Abbau wird das größte Thema im Rennen werden, denn die Reifen halten nicht lange", ist Leclerc sicher. Der Asphalt auf dem Sepang International Circuit wurde seit dem letzten Rennen der Königsklasse nicht erneuert, ist damit extrem rau und zerstört die Pneus in wenigen Runden. Im Fahrerlager und bei Reifenlieferant Pirelli geht man daher von einer Zwei- bis Drei-Stopp-Strategie für Sonntag aus.
"Die Strecke wird sich enorm verbessern und verändern. Wir müssen gut vorhersehen, wie sich die Strecke anfühlen wird", hebt Leclerc den für ihn wichtigsten Punkt nach dem Training hervor. Dem pflichtet Teamkollege Lewis Hamilton bei und fügt hinzu: "Es war sehr schwer, die richtige Balance zu finden. Wir haben einige Setup-Richtungen ausprobiert und werden uns jetzt darauf konzentrieren, die Daten zu verstehen und einen guten Kompromiss zu finden."
Der siebenfache Weltmeister machte sich in Sepang erneut des Behinderns eines anderen Fahrers schuldig und kassierte dafür eine Warnung. Hamiltons rechter Spiegel war kaputt und er sah Gabriel Bortoleto nicht kommen. Das Team bekam eine Geldstrafe von 10.000 Euro, weil sie Hamilton nicht gewarnt hatten.
Vasseur: Start und Reifenmanagement entscheiden am Sonntag
"Der Reifenabbau ist vor allem im Vergleich zu Madrid, Monza und Baku sehr hoch", hebt Teamchef Fred Vasseur hervor. Seit der Sommerpause fuhr die Formel 1 nur auf Strecken mit wenig Verschleiß, daher sei es für alle Teams eine große Umstellung. Für Ferrari könnte das sogar ein Vorteil sein: Der SF-26 hat Probleme mit dem Aufwärmen der Pneus. Bei weit über 50 Grad Asphalttemperatur in Sepang sollte das kein Thema sein.
Obwohl es nur eine Freitagsbestzeit ist, nimmt der Franzose das Ergebnis gerne mit: "Ich bin lieber in guter Form als nicht. Bei einem Event dieser Art ist es besser, wenn du alles aus deinem guten Paket rausholst, anstatt das Potenzial immer verbessern zu wollen." Er weiß aber auch, dass es noch Verbesserungspotenzial gibt.
Bei aller Hoffnung auf Rennpace und einen möglichen Vorteil durch den hohen Reifenverschleiß gibt es aber einen kräftigen Dämpfer: Die Longruns könnten Ferrari ein Bein in den Weg stellen. Leclerc war zwar im Durchschnitt der schnellste Pilot auf den Soft-Reifen, aber schon nach neun Runden brachen seine Zeiten ein. Bei 56 Rennrunden sind das keine vielversprechenden Werte.
"Es wird darauf ankommen, wie schnell du in den ersten Runden wegkommst", ist Vasseur überzeugt. "Ob du dich dann schwertust oder nicht, hängt viel davon ab, wie der Fahrer die Pace auf der Strecke managt." Der Teamchef hat damit eine klare Vorgabe für Leclerc und Hamilton: ein guter Start und gutes Reifenmanagement. Mehr zu den Longruns erfahrt ihr in der Trainingsanalyse:



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