Die enttäuschten Rufe der Tifosi waren wohl auf der ganzen Welt zu hören. Schon in Runde zwei des Formel-1-Rennens vergoss die in Monza versammelte italienische Nation dicke Tränen. Charles Leclerc flog in der Parabolica ab und versenkte seinen Ferrari mit über 300 km/h im Reifenstapel. Er konnte aus eigener Kraft aussteigen. Wie das Team später bestätigte, geht es ihm gut.
Dennoch musste Leclerc ins Medical Center, denn bei seinem Crash schlug der 25g-Sensor an. Danach ist ein Besuch bei den Streckenärzten verpflichtend – und für den Monegassen auch notwendig. "Der Nacken war in Ordnung. Meine Sicht war zuerst verschwommen. Ich habe nicht richtig durch das rechte Auge gesehen. Das hat mir am meisten Sorgen bereitet, als ich aus dem Auto stieg. Aber jetzt ist alles gut. Hier und da tut es noch weh, aber das ist nach so einem Crash normal", gab Leclerc Entwarnung über sein Wohlergehen.
Warum crashte Leclerc in Monza? "Es hat sich komisch angefühlt…"
Den größten Schlag dürfte ohnehin sein Stolz genommen haben. Am Eingang der Parabolica versuchte Oscar Piastri, Leclerc innen zu überholen, weshalb Leclerc spät bremste. Beim Beschleunigen kam er auf den grünen Kerb, verlor den Grip am Heck und nach einem Gegenpendler auch die Kontrolle über seinen SF-26. Leclerc drehte sich den kurzen Weg über den Kies und schlug heftig ein. Glücklicherweise befinden sich an dieser Stelle drei Reihen Reifenstapel, um genau solche Unfälle abzufangen. Es ist eine exakte Kopie seines Highspeed-Crashs aus der 2020er-Ausgabe des Italien-GPs.


"Es hat sich komisch angefühlt, als ich wieder Gas gegeben habe", meinte Leclerc bei ServusTV kurz nachdem er wieder im Fahrerlager ankam. Dass Piastris Manöver ihn leicht berührte und dadurch den Crash verschuldete, weist der Ferrari-Pilot zurück. "Das würde ich nicht sagen. Ich denke, ich habe von Runde eins auf Runde zwei einen Unterschied im Energie-Einsatz gehabt. Wir werden es uns ansehen." Mehr will er nicht sagen, bevor er nicht die Daten einsieht.
Hätte er in der berühmt-berüchtigten Parabolica, in der bereits große Rennfahrer wie Jochen Rindt verunglückten, etwas vorsichtiger sein müssen? "Im Rückblick wahrscheinlich, aber ich möchte zuerst checken, ob von der technischen Seite alles in Ordnung war", so Leclerc.
Leclerc kommentiert Start-Chaos mit Hamilton: Wer spinnt dieses Narrativ?!
Schon vor dem Crash sorgte Leclerc für Herzrasen bei den Tifosi. Am Start wurde es mehr als knapp zwischen ihm und seinem Ferrari-Teamkollegen Lewis Hamilton. Der siebenfache Weltmeister setzte sich in der ersten Kurve an Leclercs Innenseite. In der zweiten Kurve der Schikane – Hamilton war jetzt außen – ging ihm aber der Platz aus. Er musste sein Heck durch den Kies ziehen und beschuldigte seinen Teamkollegen am Funk, ihn absichtlich rausgedrückt zu haben.

Das kommt zwei Wochen nach dem Zandvoort-Rennen, bei dem es schon Spannungen zwischen den beiden wegen einer konfusen Teamorder-Strategie gab. Wie das von den Medien aufgezogen wurde, schmeckt Leclerc gar nicht: "Ich weiß nicht, wer dieses Narrativ spinnt, dass wir gegeneinander kämpfen. In Zandvoort wurde bereits viel zu viel darüber gesprochen."
Er erklärt seine Sicht des Monza-Starts: "Es ist wahr, dass wir dieses Mal zu weit gegangen sind. Lewis zuerst in Kurve eins, dann habe ich in Kurve zwei versucht, so eng wie möglich zu fahren. Aber das war einfach nicht genug und das [so ein Überholmanöver] zu machen, funktioniert hier einfach nicht."
Zusätzliche Checks für Leclerc vor Madrid-Rennen
"Es ist sehr frustrierend, aber so ist es jetzt halt. Ich kann das Ergebnis nicht ändern", resümiert ein niedergeschlagener Leclerc, der bereits mehrmals in dieser Saison die Wand fand. Zuerst drehte er sich auf der letzten Runde des Miami-GP und konnte mit einem Aufhängungsschaden gerade noch so ins Ziel humpeln, dann crashte er bei seinem Heimrennen in Monaco und danach noch einmal im Rahmen des Barcelona-GP.
Leclerc möchte nun nicht an der Vergangenheit verzweifeln: "Ich muss nach vorne blicken und hoffentlich in Madrid zurückschlagen." Der Große Preis von Spanien findet bereits nächste Woche statt und sollte als Straßenkurs dem Stadt-Spezialisten entgegenkommen.
Zuerst geht es für ihn aber noch einmal zum Arzt: "Ich werde heute Abend noch ein paar zusätzliche Checks durchführen, die wir noch machen müssen, wie ich finde. Morgen werde ich dann sicherstellen, dass ich wieder komplett fit für Madrid bin. Das sollte der Fall sein, aber es ist besser, hier auf Nummer sicher zu gehen."
Wenigstens hatte Italien heute trotzdem noch etwas zu feiern: Kimi Antonelli gewinnt das Rennen in Monza von Platz 19! Die Reaktionen und Stimmen dazu gibt es in unserem Liveticker:



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