Der Formel 1 stehen an den nächsten beiden Wochenenden mit Malaysia und Singapur die beiden heißesten und körperlich anstrengendsten Rennen der Saison 2026 ins Haus. Dort werden George Russell und Kimi Antonelli besonders leiden müssen. Am Freitag sickerte in Malaysia durch, dass Mercedes die Fahrerkühlung nicht einsetzen wird.

"Wir werden die Kühlweste nicht fahren, weil wir nicht die Ressourcen eingesetzt haben, um das System robust genug zu machen", wird Russell diesbezüglich in der britischen 'Times' zitiert. "Ich würde sie gerne diese und nächste Woche tragen. Aber das Team hat mich gefragt: Schau, wir können es entwickeln, können Geld dafür einsetzen ..."

Und wie die meisten Rennfahrer akzeptierten Russell und Antonelli lieber keine Fahrerkühlung im Austausch für mehr aerodynamische Performance. Verpflichtend ist das nach der brutalen Hitzeschlacht von Katar 2023 konzipierte Fahrer-Kühlsystem berühmterweise nicht. Seitdem es Anfang 2025 zur Verfügung gestellt wurde, ist es ein Streitthema.

Das System besteht aus einer mit Schläuchen durchzogenen Kühlweste, die der Fahrer unter dem Rennanzug trägt. Diese wird mit einem Schlauch an eine kleine Pumpe angeschlossen, welche kaltes Wasser kontinuierlich durch die Schläuche pumpt. Das ganze System wiegt im Renneinsatz ungefähr fünf Kilogramm.

Lando Norris am Samstag bei der Formel 1 in Österreich mit Kühlweste
Lando Norris mit der Kühlweste in Österreich, Foto: IMAGO / PsnewZ

Hält die Mercedes-Fahrerkühlung bei extremer Hitze kein Rennen durch?

Damit alle den Einbau ohne Performance-Nachteil vornehmen können, wird vor Hitzerennen - wie auch vor Malaysia - offiziell eine sogenannte "Hitzewarnung" deklariert. Dann wird das Mindestgewicht um fünf Kilo angehoben, und der Einbau der Kühleinheit selbst ist für alle Pflicht. Man muss aber keine Weste daran anschließen. Fahrer können frei wählen, ob sie damit fahren, oder ob sie auf die Kühlweste verzichten und einen halben Kilo Zusatzgewicht als Ausgleich ins Cockpit laden.

Fuhren Fahrer zuletzt ohne Weste, taten sie das oft aus Komfortgründen. Die Schläuche können unangenehm sein, können je nach Sitzposition drücken, und das System tut sich manchmal schwer, die Flüssigkeit für ein ganzes Rennen zu kühlen. Dann wärmt sich die Flüssigkeit gegen Rennhalbzeit langsam auf. Die Kühlweste wird quasi zur Heizweste. Bei Mercedes ist aus 2025 mindestens auch ein Fall bekannt, wo das System bei Kimi Antonelli in einem Training versagte und genau so ein Fall eintrat.

Die Weste aus Kostengründen nicht einzusetzen? Laut dem 'Times'-Bericht ist das Mercedes-System eben aktuell genau nicht ausreichend in der Lage, auch bei extremer Hitze wie in Malaysia, wo eine Session bei 35 Grad Lufttemperatur völlig normal ist (in FP2 am Freitag fiel die Temperatur nie unter 34,4 Grad), die ganze Renndistanz durchzukühlen. Dafür hätte es ein neues Design gebraucht, und das kostet Geld. Geld, das Mercedes lieber in andere Teile stecken würde.

George Russell fordert FIA-Eingriff & Budget-Ausnahme für Kühlung

Das Thema Budget-Obergrenze ist bei Mercedes 2026 ein konstanter Brennpunkt. Seit Monaten schon beklagen sich Teamvertreter, angefangen von Teamchef Toto Wolff, über die Update-Politik der Konkurrenz. Ferrari, Red Bull und McLaren brachten alle bislang drei große Update-Pakete plus diverse Kleinigkeiten an die Strecke. Mercedes hingegen führte in Malaysia erst das zweite Paket ein.

Wolff erregte bereits im Frühsommer Aufmerksamkeit, als er öffentlich anzweifelte, wie Ferrari sein straffes Entwicklungstempo innerhalb der Grenze fahren könne. Mercedes hat bisher 32 externe Auto-Updates offiziell bei der FIA deklariert. Sechs Teams haben mehr, die drei anderen Top-Teams sind die einzigen über 40. Red Bull führt mit 49.

Für Russell, der eigentlich gern mit der Kühlweste fährt, verlangt das nach einem Umdenken: "Mir scheint, dass da die FIA einschreiten muss und sagen sollte: 'Hier habt ihr mehr Raum dafür in der Budget-Obergrenze'. Oder eine externe Firma wird beauftragt, ein Einheitssystem für alle zu entwickeln, und du zahlst denen einfach Geld. Denn wir sollten das alle tragen."

Absolut essenziell sollte das System für das Durchstehen eines Formel-1-Rennens selbst bei extremen Bedingungen wie in Sepang oder Singapur allerdings nicht sein. Vor 2025 gab es schließlich gar keine Kühlsysteme in Formel-1-Autos. Die Idee wurde erst wegen eines extremen Einzelfalls in Katar 2023 konzipiert. Dort hatten extreme Temperaturen zusammen mit extremer Luftfeuchtigkeit, einer großen Anzahl von Highspeed-Kurven und eine durch Pflichtstopps ausgelöste ungewöhnlich hohe Rennpace mehrere Fahrer nahe des Kollaps getrieben.