Der Sachsenring ist in der MotoGP die Domäne von Marc Marquez. Doch nicht nur aufgrund seiner monumentalen Statistik ist der Ducati-Star beim Grand Prix von Deutschland am Wochenende der große Favorit. In der Weltmeisterschaft ist er nach seiner langen Verletzungspause in kürzester Zeit wieder zu einem ernstzunehmenden Titelanwärter geworden. Die Konkurrenz hingegen strauchelt dieser Tage. Jorge Martin unzufrieden, Marco Bezzecchi und Pedro Acosta angeschlagen. Ai Ogura und Fabio Di Giannantonio befinden sich wiederum im Aufwind, doch die wollen mit der Favoritenrolle genauso wenig zu tun haben.
"Es stimmt natürlich. Wenn du auf einer Rennstrecke wie dieser etwas erreichst, dann sagen sie: "alles klar, es ist ja auch seine Strecke". Aber wenn du nichts erreichst, ist es ein Desaster. Aber damit komme ich klar", weiß Marc Marquez die hohe Erwartungshaltung einzuordnen. Bereits neun Siege konnte er auf dem Sachsenring in der MotoGP feiern, über alle drei Klassen hinweg sogar 12. Damit ist er der unangefochtene Rekordsieger auf dem Traditionskurs in Hohenstein-Ernstthal.
Marc Marquez' Körper nach MotoGP-Unfällen auf dem Weg zu alter Stärke
Der 33-Jährige liegt vor dem elften Saisonrennen in der Gesamtwertung auf Platz fünf, nur noch 40 Punkte hinter dem WM-Leader Jorge Martin. Vor drei Rennen sah das noch ganz anders aus. Nach Mugello fehlten 102 Punkte auf den damaligen WM-Führenden Marco Bezzecchi. "Drei Fahrer sind im Moment sehr gut und sehr schnell. Martin, Bezzecchi und Di Giannantonio. Ich werde mit meinem Mindset weitermachen. Vor drei Rennen war ich schon erledigt, aber ich bin wieder im Spiel."
Der Trend spricht klar für Marquez, doch obwohl er seit Mugello einen Sprint und zwei Grands Prix gewinnen konnte, ist sein Selbstvertrauen nach seinen Verletzungen in den letzten zwölf Monaten noch nicht wieder vollständig hergestellt. "In Assen brauchte ich ein anderes Mindset", erklärt er seine Herangehensweise beim letzten WM-Lauf in den Niederlanden, den er ohne Aussichten auf den Sieg als Siebter beendete.
Für die maximale Attacke fühlt sich Marquez physisch noch nicht bereit. Das hat auch in Bezug auf seine Parade-Rennstrecke Sachsenring mit seinen zehn Links- und nur drei Rechtskurven einen entscheidenden Einfluss. "In Linkskurven fahre ich normalerweise besser. Im ersten Teil der Saison war es so, dass ich selbst in den Linkskurven nicht gut war. Jetzt fühle ich mich in Linkskurven langsam besser und besser", so der siebenfache MotoGP-Champion.
MotoGP WM-Leader Jorge Martin mit Performance unzufrieden
Das gute Gefühl sucht auch die Konkurrenz, die von Marquez starkgeredet wird. Jorge Martin übernahm in Assen erstmals seit seinem Titelgewinn beim Finale 2024 in Barcelona wieder die WM-Führung. Doch in Assen verhalf ihm dazu vor allem der schwere Unfall von Aprilia-Teamkollege Marco Bezzecchi. Dass er auf dem Sachsenring bereits eine Pole und einen GP-Sieg sowie zwei Sprint-Erfolge feierte, lässt ihn ebenfalls nicht euphorisch auf die bevorstehende Herausforderung blicken.
"Ich konnte im letzten Rennen sehen, dass mir sehr viel Speed gefehlt hat. Klar, ich habe gut angefangen, aber die Trackhouse-Jungs waren viel schneller als ich. Also muss ich meine Performance verbessern", gibt sich der 28-jährige Tabellenführer nach Platz drei in Assen selbstkritisch. Und auf den Platz an der Sonne gibt er zum jetzigen Zeitpunkt im Jahr ohnehin nichts. "Es ist mir eigentlich egal, ob ich jetzt Erster, Zweiter oder Dritter bin. Die Weltmeisterschaft ist noch komplett offen und alle sind sehr stark. Da weißt du nie."
Marco Bezzecchi kämpft noch mit Verletzung von MotoGP-Sturz in Assen
Immerhin zählt er momentan zu den Favoriten, die ohne körperliche Beschwerden an den Sachsenring reisen. Marco Bezzecchi hat seinen Highspeed-Abflug von Assen immer noch nicht vollständig verdaut. "Das war ein sehr, sehr hässlicher Unfall und ein sehr harter Schlag für meinen ganzen Körper. Ich hatte zuhause keine einfache Woche. Es war gut, ein paar Tage zuhause zu verbringen, aber mein körperlicher Zustand war übel. Ich habe mir zum Glück nichts gebrochen, aber mein Körper hat nur wehgetan", so der 27-jährige Italiener.
Zu Saisonbeginn war er mit vier Siegen aus fünf Rennen der Mann der Stunde. Auch beim Heimspiel in Mugello räumte er mit Triumphen am Samstag und Sonntag noch ab. Doch aus den letzten drei Rennwochenenden nahm er nur 13 WM-Punkte mit. In der WM steht er nun mit 186 Zählern an zweiter Stelle, sieben Punkte hinter Martin. "Ich würde gerne mit einem guten Resultat in die Sommerpause gehen, aber realistisch gesehen muss mein Ziel ein anderes sein", sagt er mit Blick auf seine körperliche Verfassung. "Mein Ansatz wird dieses Wochenende ein anderer sein. Ich muss es mir über die Tage einteilen und meine Energie in den Trainings für die Rennen aufsparen.
Erfolgreiche Operation: Pedro Acosta hofft auf Neustart
In einer ähnlichen Situation befindet sich auch KTM-Erfolgsgarant Pedro Acosta. Der Spanier beendete zuletzt zwei Grands Prix und einen Sprint nicht. Technische Defekte und gesundheitliche Probleme warfen ihn nach einem starken Saisonstart zurück. Zwischen Assen und Sachsenring musste er sich wegen Nervenproblemen in der rechten Hand unters Messer legen.
"Wir brauchen ein gutes Wochenende, um sagen zu können, dass es eine akzeptable erste Saisonhälfte war", mahnt Acosta, der im WM-Kampf mit 133 Punkten momentan zum Kreis der Außenseiter zählt. "Die letzten beiden Wochenenden waren wegen technischer Probleme und meinem körperlichen Problem richtig hart. Es braucht jetzt einen Neustart auf einer Strecke, die normalerweise recht in Ordnung ist für KTM."
Underdogs Trackhouse und Fabio Di Giannantonio staplen am Sachsenring tief
Zu den Außenseitern gehören auch die Trackhouse-Fahrer und VR46-Protegé Fabio Di Giannantonio. In Assen räumte Trackhouse-Aprilia mit dem Sprint-Sieg von Augusto Fernandez und dem Premieren-Erfolg von Ai Ogura auf ganzer Linie ab. Doch der Japaner übt sich nach seinem Durchbruch fast in noch größerem Understatement als sonst schon. "Unser Ziel für dieses Wochenende sind die Top-6. Der Sachsenring war immer schwierig für mich. Letztes Jahr habe ich mich hier ziemlich schwergetan. Deshalb, Top-6."
"Nach diesem Wochenende müssen wir natürlich optimistich sein, aber mit den Füßen am Boden", gibt sich auch Fernandez bescheiden. "Uns muss klar sein, dass dieses Wochenende schwieriger sein wird als Assen. Die Rennstrecke hier ist ganz anders und vielleicht wird Ducati hier etwas stärker sein als wir. [...] Marc und Ducati werden hier sicherlich die Referenz sein, so wie wir das in Assen waren, sind jetzt Ducati und Marc hier an der Reihe."
Unter den Titelfavoriten ist Fabio Di Giannantonio bisher die Konstanz in Person. Erst einen Sieg feierte er dieses Jahr, als er das Chaos-Rennen in Barcelona gewann. Mit 177 Punkten liegt er auf Platz drei der Gesamtwertung. Für den zukünftigen KTM-Pilot geht es weniger um die großen Einzelerfolge als darum, das Momentum beizubehalten. "Wir kämpfen gegen die Besten in diesem Game und versuchen, selbst dazuzugehören", sagt der Italiener. "Wir feiern all die guten Momente, aber wir versuchen auch zu verstehen und zu lernen, wenn wir einen schlechten Job gemacht haben."


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