Viele Formel-1-Fans fühlten sich nach dem Rennen in Großbritannien um ein spannendes Finish betrogen. Anstatt, dass das Safety Car nochmal an die Box zurückkehrte, endete das Rennen unter neutralisierten Bedingungen. Grund war eine etwas misslungene Informationspolitik der Rennleitung und das FIA-Regelwerk. Denn die Unfallstelle selbst war eigentlich schon wieder frei.

Doch beinahe stolperte man offenbar über das Abu-Dhabi-Szenario von 2021. Denn nachdem sich wie im Reglement vorgesehen die überrundeten Formel-1-Fahrer zurückrunden durften, muss noch eine Runde zugewartet werden, ehe das Rennen wieder freigegeben werden kann. In Silverstone war das damit das Ende der letzten Rennrunde gewesen. So wurde eine ursprüngliche Information aus der vorletzten Runde, dass das Safety Car rein käme, schnell revidiert. Ein Software-Fehler soll zu dieser Information geführt haben.

Christian Danner lobt Rennleitung: Fehler sofort repariert

Formel-1-Experte Christian Danner glaubt nicht so recht daran. "Die Erklärung, die da von der FIA kam, dass es ein Software-Problem sei, das glaube ich ehrlich gesagt nicht", stellte er im AvD Motorsport-Magazin klar. "Es könnte aber genauso gut gewesen sein, dass einfach ein Finger zu schnell [auf dem Knopf] drauf war", vermutet der ehemalige Rennfahrer. Das sei aber halb so wild, ist er überzeugt: "Das kann passieren. Man hat ja relativ schnell gemerkt, dass das so nicht geht."

"Wie sie letztendlich damit umgegangen sind, fand ich, überraschend professionell und auch richtig 'switched on'", stellt Danner der Rennleitung ein insgesamt positives Zeugnis aus. "Da waren alle sieben Sinne da und sie waren hellwach. Auch wenn das etwas falsch gelaufen ist, dann wurde es sofort repariert."

Letztendlich lief auf den letzten Runden alles gemäß dem Wortlaut des Reglements ab, auch wenn das bedeutete, dass es keinen Sprint auf der letzten oder den letzten zwei Runden mehr gab. "Man versucht natürlich, das Rennen nochmal unter grün zu beenden, wenn es irgendwie geht", so Danner, nur sei das eben nicht mehr möglich gewesen. "In Amerika hätten sie das Rennen drei Runden vorher abgebrochen und neu gestartet", ist er sicher.

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In der US-amerikanischen NASCAR ist solch ein Vorgehen sogar im Reglement festgeschrieben. Dort wird ein Rennen, bei dem es kurz vor Schluss noch ein 'Caution' gibt, einfach je nach Dauer der Gelbphase nach Belieben verlängert und es gibt ein 'Green-White-Checkered'. Darunter versteht man einen zweiründigen Sprint ins Ziel. Falls es auf der vorletzten Runde nochmal zu einer Safety-Car-Phase kommt, wiederholt sich das Prozedere. Nur falls es auf der letzten Runde ein Safety Car ausgerufen wird, endet das Rennen unter Gelb.

In der IndyCar gibt es kein derartiges festgelegtes Reglement, allerdings handhabt dort die Rennleitung späte Safety-Car-Phasen, bei denen die Gefahr besteht, dass das Rennen unter Gelb endet, gerne auf die von Danner beschriebene Weise. In diesem Jahr gab es beispielsweise beim Indianapolis 500 einen Fall, dass das Rennen nach einem späten Unfall abgebrochen wurde, um noch ein Finish unter grüner Flagge zu ermöglichen.

Hat die Rennleitung auf Carlos Sainz vergessen? Danner widerspricht

Auch in einer anderen Aktion rund um das späte Safety Car spricht Danner die Rennleitung von Schuld frei. Diese hatte nämlich Carlos Sainz nicht zurückrunden lassen, da er zum relevanten Messzeitpunkt unter dem Safety Car gerade seinen Boxenstopp absolvierte und dadurch aufgrund des Layouts der Boxengasse die Start-Ziel-Linie vor den Führenden überquert hatte – also offiziell noch auf der Führungsrunde.

Im Detail könnt ihr hier nachlesen, wie es dazu kommen konnte:

"Das hat mit der Rennleitung nichts zu tun, weil die haben das richtig gemacht. Man muss schon nach dem gehen, was da auf dem Computer steht", weiß Danner. Sainz erhielt anschließend eine Strafe, da er sich eigenwillig doch zurückgerundet hatte. Der Williams-Fahrer wurde kurzerhand eine Runde zurückgereicht. Über dieses Strafmaß sagte Danner: "Das war doch total nett eigentlich. Das fand ich, hatte eigentlich einen menschlich guten [Ton], aber auch einen leichten Schuss Humor drin", lachte er.