Seit dem 15. März 2026 ist Giancarlo Fisichella nicht mehr der letzte Italiener, der einen Formel 1-Grand-Prix gewinnen konnte. Doch beim historischen Premierensieg beim China GP ist es bei Kimi Antonelli längst nicht geblieben: Mittlerweile hat der 19-jährige Teenager vier weitere Siege hinzugefügt und kämpft 2026 um den Weltmeistertitel.

"Ich würde sagen: Endlich!", erklärte ein sichtlich begeisterter Giancarlo Fisichella angesprochen auf den neuen italienischen Shootingstar. "20 Jahre [Fisichella gewann den Malaysia GP 2006; Anm. der Red] sind einfach zu lange. Ich bin wirklich happy mit dem, was Kimi bisher zeigt. Er agiert unheimlich clever und ist verdammt schnell", meinte Fisichella. Dabei scheut er auch den statistischen Vergleich mit dem Mercedes-Youngster keineswegs.

Fisichella über Generationenwechsel in der F1

"Während ich in meinen 231 Grands Prix drei Rennen gewonnen habe, hat er in gerade einmal 35 Rennen schon fünf Siege eingefahren", bilanziert Giancarlo Fisichella" im offiziellen Podcast F1 Beyond the Grid mit einem breiten Grinsen. Dem heute 53-Jährigen ist vollkommen bewusst, dass seine F1-Karriere mit der von Antonelli kaum zu vergleichen ist - das beginnt schon beim Debüt. Fisichella war bei seinem ersten Grand Prix (Australien 1996) bereits 23 Jahre und 56 Tage alt. Antonelli war beim Einstand gerade einmal zarte 18 Jahre, 6 Monate und 19 Tage alt.

"Heutzutage ist es fast schon normal, einen Teenager mit 18 oder 19 Jahren im Auto zu sehen - so wie Kimi oder eben Max (Verstappen) vor ein paar Jahren. Die Jungs fahren schon mit 15 Jahren Formel-4-Rennen. Wenn sie dann in die Formel 1 kommen, sind sie meiner Meinung nach bereits bestens darauf vorbereitet. Zu meiner Zeit hatte man erst mit 18 Jahren überhaupt die Möglichkeit, in der Formel 3 oder einer ähnlichen Kategorie zu starten. Entsprechend sind sie uns heute drei oder vier Jahre voraus", analysiert Fisichella den Generationenwechsel.

Er selbst wurde in seiner Debütsaison beim chronisch klammen Hinterbänkler-Team Minardi nach dem Großen Preis von Großbritannien durch den mit reichlich Sponsorengeldern ausgestatteten Giovanni Lavaggi ersetzt und musste den Rest der Saison als Ferrari-Testfahrer überbrücken, ehe er 1997 bei Jordan eine neue F1-Chance erhielt. Kimi Antonelli hingegen wurde seit seinen Kart-Tagen von Toto Wolff und Mercedes gefördert und bekam direkt ein Spitzencockpit serviert. Diese Entscheidung wurde von vielen im Paddock kritisiert, als sich Antonelli während der Europarennen 2025 einige Fehler leistete.

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Fisichella hätte es wie Toto Wolff gemacht

Fisichella hätte es allerdings genauso gemacht: "Ich hätte ihn damals auch direkt in den Mercedes gesetzt." Der wichtigste Schlüsselfaktor in Antonellis Karriere ist Toto Wolff. "Nach Kimis Crash beim Training in Monza haben alle gefragt: Ist es nicht zu früh? Wäre es nicht besser, ihn erst in einem kleineren Team zu parken und ihn erst ein paar Jahre später zu Mercedes zu holen. Aber Toto hielt an ihm fest." Mittlerweile sind die kritischen Stimmen verstummt - nicht zuletzt wegen der mentalen Wandlung des Youngsters. Anders als noch im Vorjahr hat Antonelli gelernt, Rückschläge schnell abzuhaken.

In Silverstone bewies er zudem einen unbändigen Kampfgeist, als er trotz seines beschädigten Boliden bis zum Schluss um Platz zehn und damit den letzten WM-Punkt fightete. Weil ihm eine bittere Fünf-Sekunden-Zeitstrafe und die späte Safety-Car-Phase, hinter der das Rennen schließlich zu Ende ging, einen Strich durch die Rechnung machten, blieb er beim Mercedes-Heimspiel unbelohnt. Sein Vorsprung auf George Russell beträgt aktuell 25 Punkte.

"Ich denke, Kimi hat in diesem Jahr eine reelle Titelchance. Er muss einfach von Rennen zu Rennen denken, sich selbst nicht zu viel Druck aufladen und so fokussiert bleiben, wie er es zuletzt war. Dann kann er bis zum Finale ganz vorne mitmischen", sagte Fisico. "Kimi mag auf den ersten Blick mit seinem Gesicht noch wie ein Baby aussehen, aber sobald er ins Cockpit steigt und das Visier schließt, ist er ein völlig anderer Mensch."