Formel 1 in Abu Dhabi: Die Gewinner
Lando Norris
Die letzte Hürde war ja fast schon einfach. Fast. Lando Norris musste nur einen dritten Platz über die Linie bringen und viel Konkurrenz von hinten gab es in Abu Dhabi ja nicht. Aber es wäre nicht so, als ob sich nicht Gelegenheiten geboten hätten. Gelegenheiten für einen Fehler, der das WM-Schiff noch zum Kentern hätte bringen können. Und eine zu vorsichtige Fahrweise war auch nicht erlaubt. Man denke nur an den Verkehr von langsameren Autos, den er nach seinem ersten Stopp überholen musste. Und vor allem an Yuki Tsunoda, der schlecht und trotzdem illegal verteidigte. Da hätte schon etwas schiefgehen können, aber Norris hat alles richtig gemacht. Wie so meistens in den Monaten seit dem Ende der Sommerpause. Lando Norris hat in diesem Jahr eine bemerkenswerte Transformation durchgemacht und den Zweiflern gezeigt, dass er ein verdienter Formel-1-Weltmeister ist.
Esteban Ocon
Dieses Ergebnis direkt vor der Winterpause wird Esteban Ocon richtig guttun . Denn in den letzten Monaten blieben nur selten und meist nur mickrige Punkte für den Haas-Piloten übrig, dem im Eiltempo der Rang von Oliver Bearman abgelaufen wurde, und dessen Erklärungen für seine Performance-Flaute nicht selten in Form seines ehrlichen Teamchefs Ayao Komatsu als Fahrer-Defizite entlarvt wurden. Umso wichtiger ist es, dass Ocon auch mal wieder ein Lebenszeichen von sich gibt und zeigt, dass er an einem Wochenende der schnellere und bessere Fahrer seines Teams sein kann. P7 war sein bestes Ergebnis seit dem Monaco-GP. Während Ocon diesen einfuhr, rieb sich Oliver Bearman im Mittelfeld-Kampf auf. Wobei: Zumindest Punkte hätte sich der Brite schon verdient gehabt, die Strafe kurz vor Rennende erscheint sehr pingelig.
Fernando Alonso & Aston Martin
Für Aston Martin fällt der Abschluss in der Ground-Effect-Ära versöhnlich aus. Eine Regelperiode, in der das Team aus Silverstone (fast) alle Höhen und Tiefen der Königsklasse durchgemacht hat, sich aber gegen Ende immer weiter in einem Abwärtsstrudel befand. Die letzten beiden Wochenenden waren der Gegenentwurf dazu, denn Fernando Alonso sorgte nun sowohl in Katar als auch in Abu Dhabi für ein reges Punktesammeln und sicherte sich damit auf dem letzten Drücker sogar noch einen Platz in den ersten Zehn der Fahrer-WM der Formel 1. Nebenbei bemerkt konnte auch Stroll seinen ersten Zähler seit Zandvoort einfahren und damit Yuki Tsunoda überholen. In der Konstrukteurs-WM sicherte Aston Martin damit immerhin P7 ab.
Formel 1 in Abu Dhabi: Die Verlierer
Max Verstappen & Oscar Piastri
Max Verstappen konnte an diesem Wochenende noch so oft wiederholen oder zumindest durch die Blume andeuten, dass ihn der WM-Titel relativ kalt lässt, so richtig kauft man das dem vierfachen Weltmeister nicht ab. Auch nach dem Rennen hielt die Maske noch, aber nicht ganz bis zum Ende der Pressekonferenz. Denn als Verstappen zu den verlorenen Punkten in Barcelona befragt wurde, wurde er giftig. So reagiert kaum jemand, der gerade nur die Freude über einen Rennsieg im Kopf hat. 72. Karriere-Erfolg hin oder her, am Ende ist er mit WM-Chancen und -Ambitionen nach Abu Dhabi angereist und ohne Titel abgereist. Genauso natürlich wie Oscar Piastri, der im Rennen praktisch nur mehr ein Griff in der McLaren-Zange gegen Verstappen war. Die WM haben beide anderswo verloren, aber in Abu Dhabi ist ihre Niederlage eben endgültig geworden.
Mercedes
George Russell hat an diesem Formel-1-Wochenende darüber geredet, der mögliche Nutznießer im WM-Dreikampf zu sein. Aber da hatte er wohl nicht auf der Rechnung, wie schlecht der Mercedes im Rennen tatsächlich laufen würde. Auf die gesamte Distanz war er sogar meilenweit gegen Ferrari unterlegen und Russell hatte eigentlich Glück, dass auf dem Yas Marina Circuit auch das Mittelfeld stark von den vorderen Positionen abreißen lassen musste. So fuhr er einsam auf P5 ins Ziel. Bei Kimi Antonelli lief das Rennen noch düsterer. Nach einer schlechten Startposition ging es bei ihm überhaupt nicht nach vorne. Den Kampf um die Punkte konnte er sich maximal auf den Bildschirmen rund um die Strecke anschauen. Ein Abschied, bezeichnend für Mercedes in der Ground-Effect-Ära. Eine Regel-Generation, die das Team aus Brackley nie verstanden hat.
Yas Marina Circuit
Bei allem Trubel im Vorfeld über die WM-Entscheidung und den emotionalen Szenen rund um Lando Norris nach dem Rennen dürfen wir nicht die Hauptsache vergessen. Das Rennen an sich. Denn das war in Abu Dhabi zum wiederholten Male eine Schlafmützenpartie. Nicht zum ersten Mal bot der Yas Marina Circuit einen Grand Prix, der eines Saisonfinales einfach nicht würdig war. Die Langeweile an der Spitze wurde höchstens durch etwas Action im Mittelfeld aufgehellt, aber das war es dann auch schon. Andere Strecken, die regelmäßig langweilige Rennen bieten, haben zumindest Flow, viele schnelle Kurven und/oder bieten Spektakel auf eine Runde. Abu Dhabi besticht mit nichts davon, sondern nur mit einem Sonnenuntergang.
Saison vorbei und ihr habt immer noch nicht genug von der Formel 1? In unserem Video findet ihr alle Informationen rund um das Saison-Finale in Abu Dhabi. Ein weiterer Vorteil: Dem Start der nächsten Formel-1-Saison kommt ihr damit auch um zehn Minuten näher:



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