Aus seinem letzten Formel-1-Rennen für Red Bull kann Yuki Tsunoda nichts außer einen Strafpunkt und einen wertlosen 14. Platz mitnehmen. Sein Rennen war von Beginn an eigentlich vor allem auf eines ausgerichtet: Hilfsdienst für Max Verstappen zu leisten. Doch dabei brachte Tsunoda praktisch gar nichts zustande. Auch die Red-Bull-Führung ist wenig beeindruckt.
Tsunoda war vom zehnten Startplatz mit harten Reifen ins Rennen geschickt worden. Eine unmissverständliche Absichtserklärung, ihn möglichst lang draußen zu lassen, so dass er den auf die gewöhnliche Medium-Start-Taktik vertrauenden WM-Führenden Lando Norris nach dessen Boxenstopp im Weg stehen könnte. Wie das einst Sergio Perez 2021 gegen Lewis Hamilton tat.
Perez hatte im berüchtigten F1-Finale 2021 Hamilton für über eine Runde radikal blockiert, ihm gute acht Sekunden gekostet und Verstappen dadurch wieder ans Heck seines damaligen Titelrivalen gebracht. Ähnliches erwartete Red Bull nun 2025 von Tsunoda, als Norris in Runde 17 stoppte und schließlich in Runde 22 zu Tsunoda aufschloss.
Tsunoda wollte schon am Funk nichts mehr von seinem Team hören und forderte Stille von seinem Renningenieur, der ihm davor wiederholt die Aufgabe und den Abstand zum auf seinen neuen Reifen schnell aufholenden Norris ins Gedächtnis gerufen hatte: "Da war dieses permanente Feedback am Funk, bla-bla-bla-bla-bla, ich konnte ihren Stress hören. Aber ich wusste, was zu tun war, wir haben es besprochen."
Was Tsunoda dann tat, war aber von sehr geringem Mehrwert. In Runde 22 war Norris schon in Sichtweite, aber auf den Geraden noch nicht im DRS-Bereich. Tsunoda nahm aber im letzten Sektor - wo Überholen in den engen 90-Grad-Kurven fast unmöglich ist - noch kein Tempo raus. Das erlaubte es Norris, durch den ersten Sektor auf unter eine Sekunde ranzufahren.
Lando Norris von Yuki Tsunoda völlig unbeeindruckt: Bin schnell durch
Und dann hatte der McLaren auf der langen Geraden nach der Schikane schon DRS und damit leichtes Spiel. "Wir hatten das schon in unserem Skript, aber ich bin schnell durch", maß der letztendlich zum Weltmeister gekrönte Norris während des Rennens der Angelegenheit sehr wenig Bedeutung bei.
Am schlimmsten war für ihn, dass Tsunoda ihn achtlos in einem verzweifelten Versuch von der Strecke drückte. Das realisierte Norris erst nach dem Rennen: "Verrückt, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Verdammt, fünf Zentimeter näher und dann ist es vorbei!" Für sein spätes zweites Zucken kassierte Tsunoda fünf Strafsekunden, die seine letzten Punkte-Hoffnungen beerdigten.
"Hat alles auch nicht so funktioniert", lautet die trockene Beurteilung der Szene von Red Bulls Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko im Nachgang gegenüber Motorsport-Magazin.com. Norris verlor keine einzige Zehntel an Zeit.
Damit war ein weiterer Unsicherheitsfaktor auf seinem Weg zum Titel verschwunden. Wäre er hinter Tsunoda steckengeblieben, so hätte Charles Leclerc im Ferrari aufgeschlossen. Und womöglich den dritten Platz an sich reißen können. Dann hätte Verstappen mit dem Sieg die WM geholt.
So verteidigt Yuki Tsunoda seine schwache Abu-Dhabi-Defensive
Tsunoda verteidigt seine schwache Defensiv-Leistung nach dem Rennen. In Runde 22 sei Norris im letzten Sektor noch zu weit weg gewesen für eine effektive Blockade: "Ich denke, er hat in Kurve 9 massives Management betrieben. Dort war die Lücke dann noch bei acht, neun Zehntel und er hat um fünf Zehntel pro Runde aufgeholt."
"Ich dachte, ich würde noch eine Runde durchhalten können, aber er konnte die Performance in den ersten fünf Kurven maximieren und hat die Lücke in einem Aufwasch geschlossen", so Tsunoda. "Ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied gemacht hätte, wenn ich vorher massiv rausnehme. Dann überholt er mich wahrscheinlich in Kurve 1."
Tsunodas einziger echter Versuch eines Hilfsdienstes war dann das wiederholte Zucken auf der Geraden, als Norris schon unaufhaltsam mit DRS-Überschuss heranstürmte. Unverhältnismäßig für die Stewards, eine 5-Sekunden-Strafe wert? "Jeder macht das, keine Ahnung was die sich da wie immer denken", mault Tsunoda. "Muss ich mir noch einmal anschauen."
Dass seine Formel-1-Karriere jetzt auf unbestimmte Zeit vorbei ist, hat Tsunoda noch nicht ganz verarbeitet. Er ist überzeugt, er habe bis zum Schluss "alles gegeben", und verweist auf Pech: "Ich will es nicht zu sehr strapazieren, aber besonders in der zweiten Saisonhälfte hatte ich kein Glück, und vieles nicht in meiner Hand. Oft habe ich meine Pace gezeigt und die war gut, aber selbst beim letzten Rennen mit dieser Strafe..." Mehr zu der Strafe gibt es hier:



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