1. Warum blockierte Max Verstappen das Formel-1-Feld nicht?

Es war das heiße Thema vor dem Rennen: Würde Max Verstappen versuchen, von Pole aus das Feld einzubremsen und damit Lando Norris in Bedrängnis bringen? Nur wegzufahren und zu gewinnen brachte Verstappen schließlich herzlich wenig. Das zeigte das Rennen: Verstappen fuhr weg, und Norris konnte mit Platz drei das Minimum einfahren, um erstmals Formel-1-Weltmeister zu werden.

Mehrere Faktoren hielten Verstappen davor ab. Als "ziemlich clever" benennt Red Bull hier McLarens Entscheidung, WM-Außenseiter Oscar Piastri auf dem harten Reifen loszuschicken. Dem Medium-bereiften Verstappen war es anfangs schon zu gefährlich, Tempo rauszunehmen und Piastris strategische Position zu verbessern, indem er seine Reifen schonen (oder gar Verstappen überholen) konnte. "Auf den Punkt gebracht waren Mercedes und Ferrari zu langsam", meint Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko.

Nur Charles Leclerc konnte anfangs Druck aufbauen, aber das war auch nicht von Dauer. "Charles fuhr sich das Herz raus, um auf das Podium zu kommen, das war beeindruckend", merkt Verstappen diesbezüglich sogar an. Als Verstappen, Norris und Leclerc stoppten und Piastri draußenblieb, musste der Red Bull - obwohl direkt vor Norris liegend - erst recht das Tempo anziehen, damit Piastri nicht eine Boxenstopp-Lücke im Falle eines Safety Cars behielt. Den Sieg durfte Red Bull schließlich nicht riskieren.

2. Verpasste Red Bull eine Chance beim Stopp von Oscar Piastri?

Der verzweifelte Piastri harrte bis Runde 41 von 58 auf dem Hard draußen aus, in der Hoffnung, dass irgendetwas seinen Mini-Chancen auf die WM entgegenkommen würde. Erst nachdem Verstappen ihn überholte und Leclerc und Norris bereits einen zweiten Stopp absolviert hatten, kam Piastri endlich zum Reifenwechsel.

Das schien eine letzte Red-Bull-Tür zu öffnen: Verstappen könnte zu einem zweiten Stopp kommen, vor Piastri bleiben, und dann das Feld aufhalten und Norris zurück in Leclercs Fänge treiben. "Wir hätten einen riesigen Vorsprung hergegeben", hält Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies dagegen. "Ohne dafür einen Vorteil zu erhalten."

Norris ist F1-Champion! Red Bull verpatzt Verstappen-Strategie? (10:01 Min.)

Verstappen sieht nach dem Rennen den Sinn hinter dem ganzen Blockier-Gerede nicht: "Dieses neue Layout hier macht es noch schwieriger, das relativ zu 2016 zu machen." Damals hatte Lewis Hamilton es erfolgreich gegen Nico Rosberg getan, aber in der 2016er-Konfiguration hatte die Strecke zwei harte Schikanen und die Autos kämpften mit stark überhitzenden Reifen. Verstappen und Red Bull glauben kaum, dass man das Feld 2025 dauerhaft hätte effektiv blockieren können.

3. Warum konnte Yuki Tsunoda Lando Norris nicht aufhalten?

Genauso im Nichts verlief Red Bulls Hoffnung auf eine Blockade durch Yuki Tsunoda. Der war auf harten Reifen von P10 gestartet und hätte eigentlich Lando Norris nach dessen erstem Stopp blockieren sollen - wie das einst Sergio Perez 2021 gegen Lewis Hamilton tat. Doch für Tsunoda war es eine Katastrophe. Lando Norris fuhr in Runde 23 in sein DRS und ging sofort vorbei. Tsunoda kassierte lediglich eine Strafe, weil er Norris dabei auch noch von der Strecke drängte.

Tsunoda rechtfertigt sich nach dem Rennen. Norris habe ihn einfach zu einem ungünstigen Zeitpunkt eingeholt. In Runde 22 war der McLaren noch zu weit weg, als dass Tsunoda im letzten Sektor rausnehmen wollte. Dann wäre er in seinen Augen so langsam geworden, dass er ein leichtes Opfer gewesen wäre: "Dann überholt er mich wahrscheinlich in Kurve 1."

4. Warum wurde Norris nicht für das Überholen abseits der Strecke bestraft?

Tsunodas Abdrängen in Runde 23 zog wie angesprochen eine Strafe nach sich. Aber hatte sich dabei nicht auch Norris eines Vergehens schuldig gemacht, indem er durchgezogen und Tsunoda außerhalb der weißen Linien überholt hatte? Nein, denn die FIA-Stewards bedenken sehr wohl, dass Norris nur wegen Tsunodas Fehlverhalten dort gelandet war. Hätte sich Tsunoda korrekt verhalten, wäre Norris ohne Probleme innerhalb der Strecke vorbeigegangen.

5. Wofür wurde Liam Lawson bestraft?

Tsunoda-Norris war ein hochkarätiger Zwischenfall - eine Reihe an anderen Rennsituationen waren der Bildregie im Angesicht des WM-Dreikampfes an der Spitze aber nicht einmal eine Wiederholung wert, obwohl sie eine Serie an Strafen nach sich zogen. Zuerst Liam Lawson, der 5 Sekunden und einen Strafpunkt kassierte.

Nachdem sich Oliver Bearman in der Schikane mit leichtem Kontakt daneben-, aber nicht vorbeigebremst hatte, versuchte er hin zu Kurve 9 einen weiteren Angriff. Lawson driftete nach links, immer weiter, auch als Bearman schon neben ihm war, und drückte ihn fast in die Leitplanke.

6. Wofür wurde Lance Stroll nach dem Rennen bestraft?

Rund ging es auf dem Zeitenmonitor nach dem Rennen, während sich Norris schon als Weltmeister feierte, denn im Kampf um die letzten Punkte war es rundgegangen. Lance Stroll flog erst einmal raus und beschenkte Nico Hülkenberg. Stroll hatte ebenfalls auf dem Weg hin zu Kurve 9 die Richtung gewechselt, direkt vor Carlos Sainz, mehrmals. Reaktive Bewegungen auf der Geraden oder in der Bremszone sind aber verboten, die Regeln verlangen vom Verteidiger das Wählen und Halten einer Linie. Macht 5 Sekunden und einen Strafpunkt.

7. Wofür wurde Oliver Bearman nach dem Rennen bestraft?

Stroll musste sich nicht lang über den verlorenen Punkt ärgern, denn nur Sekunden später folgte eine weitere Ermittlung gegen Oliver Bearman. Auch Bearman hatte in den Augen der Stewards ein paar Mal zu oft im Zweikampf - ausgerechnet gegen Stroll - die Richtung hin zu Kurve 9 gewechselt. Auch hier wurden es 5 Sekunden und ein Strafpunkt. Bearman flog dadurch aus den Punkten, Nico Hülkenberg rückte bis auf P9 auf, Stroll rutschte wieder auf P10 vor.

Bitter für Bearman: Mit dem einen Strafpunkt ist er wieder bei 10 angekommen. Zur Erinnerung: Bei 12 gibt es eine Sperre, und Strafpunkte bleiben vom Moment des Aussprechens ein Kalenderjahr auf der Lizenz des Fahrers. Für Haas ist die Aktion debattierbar. "Ich dachte, das war sehr hart", beschwert sich Teamchef Ayao Komatsu. Stroll war noch ziemlich weit weg, und generell gibt es eigentlich keine Strafen für Richtungswechsel bei noch ausreichender Distanz. Das gilt eigentlich nicht als reaktives Verteidigen, sondern als "Windschatten-Brechen".

8. Wie kam Lewis Hamilton in die Punkte?

Nach seiner Horror-Serie ist ein achter Platz für Lewis Hamilton in Abu Dhabi ein schon fast versöhnliches Ergebnis. Hamilton war auf Soft gestartet, um eine aggressive Zweistopp-Strategie mit frühem Undercut zu fahren. Schon in Runde 8 kam er zum ersten Stopp, in freier Fahrt machte er in kurzer Zeit dann massiv Zeit gut. So viel, dass er in Runde 14 sogar schon den eigentlich auf P6 fahrenden George Russell an die Box zwang.

Den Rest des Mittelfeldes hatte Hamilton dadurch überholt, musste aber noch einmal zum Stopp in Runde 31. Dadurch hatte er dann aber deutlich frischere Reifen als mehrere der einstoppenden Kontrahenten und konnte Colapinto, Gasly, Hadjar, Sainz, Bortoleto und Bearman alle im Schluss-Sprint überholen.

9. Wie kam Nico Hülkenberg in die Punkte?

Nico Hülkenberg trat mit der gleichen Strategie wie Hamilton an. Er stoppte sogar noch eine Runde früher und war anfangs nach dem ersten Stopp direkt hinter dem Ferrari, blieb aber im Mittelstint 11 Runden länger draußen. Das kostete Zeit und machte seine Arbeit im Schluss-Sprint deutlich härter. "Ein paar Runden früher wäre ganz nützlich gewesen", rekapituliert Hülkenberg. So brauchte er das Strafen-Rodeo von Bearman und Stroll, um noch von P11 auf P9 vorzurücken.

10. Warum wurde gegen Hülkenberg am Start ermittelt?

Die Regie ignorierte auch eine Serie an Zwischenfällen am Start. Der Großteil davon waren Ermittlungen bezüglich des Abkürzens der Schikane in Kurve 9, aber Hülkenberg und Pierre Gasly kamen wegen einer Kollision auf die Liste. Was war hier also passiert? Sie waren nebeneinander aus der Haarnadel gekommen, und Gasly driftete auf der Geraden entlang immer weiter nach links, während Hülkenberg seine Linie hielt - bis zum unvermeidlichen Kontakt, Hülkenbergs Vorder- gegen Gaslys Hinterrad. Wie durch ein Wunder blieb es ohne Folgen, Strafe gab es keine.

11. Wer öffnete als letzter Formel-1-Fahrer der Geschichte DRS?

Mit Abu Dhabi 2025 verabschiedet sich die Formel 1 von der kontroversen Überholhilfe DRS. Wer durfte also als letzter Fahrer den Flügel flachstellen? Die Ehre wurde mit Kimi Antonelli ausgerechnet dem jüngsten Fahrer zuteil. In Runde 58 aktivierte er hinter Yuki Tsunoda hin zu Kurve 9 DRS. Mit dem Schließen des Flügels am Kurveneingang ist auch das Kapitel DRS für die Formel 1 erst einmal auf Dauer geschlossen.