Das Teamorder-Gespenst schwebt über McLaren, und egal, was Team und Fahrer vor dem Finale der Formel 1 in Abu Dhabi sagen, sie werden es nicht los. Auch, weil es offensichtlich ist, dass Oscar Piastri auf WM-Rang drei mit 16 Punkten Rückstand relativ zu Lando Norris ein krasser Außenseiter im Titelkampf ist. So räumt McLaren am Freitag endlich auch ein: Ja, es gibt Szenarien, in denen ein Fahrer zur Seite fahren muss.
Wenn, dann wird sich das aber erst im Wochenende - wahrscheinlich sogar erst im Rennen - ergeben, so McLaren-Sportchef Zak Brown: "Wir haben zwei Fahrer. Du hattest es mehrmals schon, dass drei Fahrer mit Chancen starten, und der Dritte gewinnt den Titel. Wir werden waren, wie das Rennen abläuft." 2007 gewann der eingangs drittplatzierte Kimi Räikkönen den Titel, 2010 der eingangs drittplatzierte Sebastian Vettel.
"Aktuell sehe ich es so, dass alle drei Fahrer die gleiche Chance haben, den Grand Prix zu gewinnen, und solange sich das nicht ändert, werden wir wie üblich verfahren", kündigt Brown an. Doch gerade im letzten Stint im Rennen können sich dann Szenarien entwickeln, wenn Max Verstappen kurz vor Schluss eindeutig auf Kurs zum Sieg wäre.
Wäre Verstappen beispielsweise als Erster enteilt und Piastri abgeschlagener Dritter vor Norris, dann könnte McLaren Norris' Fahrer-Titel per Platztausch retten. Lässt man die beiden aber bis ins Ziel frei fahren und Norris käme nicht vorbei, dann war es das, und McLaren hätte zum zweiten Jahr in Folge den prestigeträchtigen Fahrertitel an Verstappen verloren, obwohl man Konstrukteurs-Weltmeister wurde. Alle WM-Szenarien gibt es hier:
McLaren verschließt sich nicht vor Stallorder-Realität in Abu Dhabi
"Wir sind pragmatisch und realistisch", meint Brown. "Unsere Stallorder dreht sich darum, beiden die Chance zu geben, den Titel zu holen. Aber wenn das Rennen sich so entwickelt, dass es eindeutig wird, dass es beide so nicht können, dann werden tun, was im besten Interesse des Teams ist, um die Fahrer-Weltmeisterschaft zu gewinnen."
"Da geht es um den Hausverstand", sieht Brown darin keine Abkehr von den seit Wochen gepredigten Prinzipien. Das hatte zuletzt darin gegipfelt, dass Brown selbst angekündigt hatte, dass ein Verstappen-Titel für ihn dem Verrat an den eigenen Team-Prinzipien von Fairness und Ausgeglichenheit vorzuziehen wäre.
So ganz radikal klingt Brown am Freitag in Abu Dhabi nicht mehr: "Wir werfen keine Fahrer-WM wegen der Plätze sechs und sieben weg, oder drei und vier, oder vier und fünf, wenn einer unserer Fahrer keine Chance mehr hat. Das haben wir alles mit den Fahrern geklärt. Sie kennen den Spielplan."
Würde Oscar Piastri so einer Teamorder Folge leisten?
Brown weigert sich zwar, bei seinen Antworten explizit auf Piastri Bezug zu nehmen, aber natürlich ist anhand des Punktestandes offensichtlich, dass im Falle einer Teamorder eigentlich nur Piastri der Benachteiligte sein wird. Nach immer weiter um sich greifenden Gerüchten über interne Bevorzugung von Norris lässt das Fahrerlager da die Frage nicht los, ob Piastri wirklich erneut zur Seite fahren würde, so wie er das noch vor Monaten in Monza getan hatte.
"Ich habe diese Gerüchte gesehen, und einige dieser Kommentare sind sehr schlecht informiert", wehrt Brown erst einmal die Spekulationen um eine interne Benachteiligung ab. Die hatten sogar mit Berufung auf einen nicht genannten Insider in großen australischen Medien um sich gegriffen. Haltlos seien sie, so Brown: "Das ist eben Sport. Die Leute dürfen ihre Meinungen haben. Ich kann nicht überall herumgehen und jeden korrigieren. Aber du siehst da draußen einiges an Nonsens."
Für Brown steht außer Frage, was seine Fahrer bei einer Teamorder tun würden: "Unsere Fahrer haben sich immer den Wünschen des Teams gefügt. So wie wir als Team auch auf die Wünsche der Fahrer eingegangen sind." Was Norris übrigens über die Teamorder-Sache denkt, gibt es hier:



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