Oscar Piastri und Lando Norris gehen beide mit Titelchancen in das letzte Formel-1-Rennen der Saison. Genauso wie Max Verstappen. Natürlich kommen die McLaren-Fahrer deshalb vor dem Abu-Dhabi-GP nicht um das leidige Thema des Jahres umhin, nämlich um die Teamorder. Bisher war der Fahrplan bei McLaren ja klar: Es darf gekämpft werden, solange noch beide WM-Chancen haben, aber im letzten Saisonrennen gestaltet sich die Lage natürlich komplizierter.

Denn während es sich im Bezug auf Rennen noch leicht anhand der Punkte abmessen lässt, wann jemand aus dem Titelkampf ist, kann sich die Ausgangslage innerhalb eines Grands Prix jede Runde ändern. Entsprechend sensibel ist das Thema auch. Doch beide Fahrer betonen, dass es vor dem Wochenende noch nicht besprochen worden sei.

Lando Norris über McLaren-Teamorder: "Kommt auf Oscar an"

Dabei geht es natürlich vor allem um Norris, der 16 Punkte vorne ist und damit in fast jedem denkbaren Szenario der Profiteur einer Stallregie wäre. Er spielte den Ball an Piastri zurück: "Ich würde es lieben. Aber ich denke nicht, dass ich darum fragen würde. Denn es kommt auf Oscar an, ob er es erlauben würde."

Der Brite versteckt sich hinter dem Team: "Es liegt nicht unbedingt in meiner Macht und es wäre dieselbe Frage, wenn es andersherum wäre." Seine Entscheidung wäre klar, behauptet er: "Persönlich würde ich es tun, einfach weil ich das Gefühl habe, dass ich immer so bin. Aber es liegt nicht an mir."

Norris: Die Teamorder-Frage wäre nicht fair

Im Rennen wäre beispielweise ein Szenario denkbar, in dem Verstappen führt, Piastri auf P3 liegt und Norris auf der vierten Position. In diesem Fall wäre der Niederländer auf WM-Kurs. Für den Titeltriumph von Norris müssten die McLaren-Fahrer die Positionen tauschen. Doch auch falls das nicht passiert, hätte der WM-Führende seiner eigenen Aussage nach kein Problem damit. "Ich will nicht darum fragen und ich denke, dass es nicht unbedingt eine faire Frage ist. Gleichzeitig, wenn es dann so ausgeht und Max gewinnt, dann ist das eben so. Dann hat er es sich mehr verdient als wir."

Piastri wich den Fragen nach einer Teamorder mit Bezug darauf aus, dass es noch nicht Thema gewesen sei. "Ich habe nicht wirklich eine Antwort, bis ich weiß, was man von mir erwartet", so seine Aussage. Der Australier will natürlich selbst seinen ersten WM-Titel einfahren, auch wenn er aus seiner Außenseiter-Position ins Wochenende geht.

Abgesehen von den Teamorders war natürlich der allgemeine Gemütszustand von Lando Norris vor dem Formel-1-Saisonfinale noch ein Thema. Der Brite betonte: "In Bezug auf die Positionen habe ich natürlich das meiste zu verlieren, weil ich an der Spitze bin." Doch er nehme es locker, wie er ausführt: "Ich versuche dort bis zum Ende zu bleiben. Aber falls es nicht für mich läuft, dann versuche ich es eben nächstes Jahr wieder. Es tut dann vielleicht ein bisschen weh, aber so ist das Leben."

"Ich sehe meine Mentalität so, dass ich nichts zu verlieren habe, denn es ist nur ein Rennen. Ein Rennen um eine Meisterschaft, aber in 30 Jahren werde ich wahrscheinlich nicht mehr so viel daran denken", spielte Norris die Situation herunter. Wie es tief in seinem Kopf tatsächlich aussieht, weiß wohl nur er selbst.

Dass sich allen Versuchen der Normalisierung zum Trotz ein titelentscheidendes Saisonfinale für einen Fahrer anders anfühlt als ein gewöhnliches Rennen, berichtete heute auch Fernando Alonso. Mehr zu den Aussagen von Alonso in Abu Dhabi, könnt ihr hier nachlesen: