Mit 12 Punkten Rückstand geht Max Verstappen als brandgefährlicher erster Verfolger von Lando Norris in den WM-Showdown der Formel 1 in Abu Dhabi. Wer ihm am Donnerstag in der großen Dreier-Pressekonferenz zuhört, dem wäre das nicht aufgefallen. Der Vierfach-Weltmeister gibt sich im verbalen Schlagabtausch vor dem Wochenende völlig unbedarft und kalt.
Während Norris und Oscar Piastri am Donnerstag sich bemühen, Abu Dhabi bloß als "noch ein Wochenende" darzustellen, fällt Verstappen das sehr, sehr einfach. Zwischen den Antworten der McLaren-Fahrer spielt er mit seinem Handy, hin und wieder scherzt er mit Sitznachbar Norris, seine Antworten sind kurz - und haben kaum etwas mit der WM zu tun.
"Der Pokal sieht gleich aus, davon hab' ich schon vier", lautet Verstappens lapidare Einschätzung der Lage schließlich nach über 20 Minuten über die WM-Trophäe, die in der Pressekonferenz neben den Top-3 aufgestellt war. "Ein fünfter wäre nett, aber ich kenne meine Unterschrift drauf. Sieht gleich aus."
Max Verstappen: GT3 und Simracing als WM-Vorbereitung vor Abu Dhabi
"Du willst natürlich immer gewinnen, aber ich habe schon alles erreicht, was ich je wollte, und alles weitere ist jetzt bloß ein Bonus, weil ich Spaß an der Formel 1 habe", erklärt Verstappen sein tiefenentspanntes Herangehen. Einst, vor Jahren, 2021, war er in seinem letzten Titel-Showdown deutlich nervöser gewesen, aber jetzt mit dem erfüllten Traum einer Weltmeisterschaft plus dreier weiterer in den darauffolgenden Jahren will er dem keine Besonderheit mehr beimessen.
Seine Vorbereitungs-Routine zwischen Katar und Abu Dhabi war entsprechend F1-arm, wenn man ihm Glauben schenken will: "Ich habe etwas Zeit mit meiner Tochter verbracht. Habe ein paar Dinge für mein GT3-Team aussortiert. Ein paar Dinge für mein Simracing-Team. Ziemlich simple Dinge, bevor ich hier angekommen bin."

In Abu Dhabi tritt er auch etwa ohne seine Eltern auf. Vater Jos fährt in Afrika eine historische Rallye, Mutter Sophie ist zuhause. Verstappen amüsiert sich eher darüber. "Ich schätze, es war nicht geplant, und ich habe auch nicht geplant, noch im WM-Kampf zu sein! Und jetzt stehen wir da. Nach Zandvoort haben wir alles abgesagt! Mama ist glücklich zuhause mit den Hunden. Im Fernsehen siehst du sowieso viel."
Beim Thema Eltern kann Verstappen ohnehin die von Norris und Piastri vorgetragenen Glückwünsche, Ticks und Sorgen nicht unterstreichen: "So sind wir nicht. Sie wissen, dass ich alles gebe, wenn ich im Auto sitze. Ich spreche mit ihnen über andere Dinge. Motivieren müssen sie mich nicht, so funktioniert das nicht. Aber sie unterstützen mich! Meine Mutter zündet vor jedem Rennwochenende eine Kerze an."
Max Verstappen zweifelt an Red-Bull-Chancen in Abu Dhabi
Eine magische Kerze wird Verstappen in Abu Dhabi für den Titel wohl brauchen, wenn man seinen eigenen Einschätzungen zu den Chancen von Red Bull zuhört: "Ich versuche Spaß zu haben und das Ergebnis zu maximieren, aber ich habe keine Ahnung, wo in der Hackordnung das ist. Realistisch gesehen sind wir nicht die Schnellsten."
"Aber viele Dinge können passieren, wie in Katar", weiß Verstappen. Dort gewann er nur dank eines kapitalen Strategie-Fehlers von McLaren. Aber er gewann. Und wenn Red Bull in der zweiten Saisonhälfte vielleicht nicht immer ein siegfähiges Auto hatte, so war die Teamleistung insgesamt fast immer gut genug um Verstappen in eine Position zu bringen, in welcher er von Fehlern der Konkurrenz profitieren konnte.
"Generell bin ich stolz auf die Saison, auf unser Comeback in der zweiten Hälfte", meint Verstappen. "Es war toll, in der zweiten Hälfte mit dem Team zusammenzuarbeiten. Wie wir die Wende geschafft haben. Nach diesen ganzen Debriefs nach den schwachen Leistungen wieder lachen zu können und diese Siege zu feiern war fantastisch."
"Alles andere ist bloß ein Bonus, und das macht es ganz einfach", lautet daher Verstappens Fazit. Er sieht sich immer noch als Außenseiter, der nichts zu verlieren hat: "Wir versuchen, ein gutes Wochenende abzuliefern. In der Hand haben wir es eigentlich nicht."



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