In den letzten etwa fünf Wochen ging es mit den Formel-1-Titelambitionen von George Russell steil bergab. Der Mercedes-Pilot musste nicht nur in Miami eine krachende Niederlage einstecken, sondern danach auch noch zwei Nuller verdauen, während sein scheinbar unbesiegbarer Teamkollege Kimi Antonelli von einem Triumph zum nächsten eilt.
Das geht sogar so weit, dass Russell inzwischen gar nicht mehr an die Weltmeisterschaft denken will. Für den Defekt in Kanada und die Strafen in Monaco kann er nichts, aber dass er gleichzeitig seit dem F1-Saisonrestart im Mai auch pacemäßig klar schwächer aussieht, macht ihm dann doch zu denken. Am Donnerstag vor dem Barcelona-Wochenende erklärte Russell, dass er sich "in einem Kampf mit sich selbst" befindet.
Toto Wolff: Liegt nicht am Auto, sondern am Setup
Mercedes-Teamchef Toto Wolff klärte am Freitag im Rahmen des Barcelona-GPs auf, wo seiner Ansicht nach der Hund begraben liegt. Er glaubt, dass sich Russell in der jüngsten Zeit mit dem Setup etwas verzettelt hat. "Bei George ist es ziemlich einfach auszumachen, seit wann es schwieriger wurde und, dass es nicht am Auto liegt, sondern an den Einstellungen", ist Wolff überzeugt.
Er geht davon aus, dass das Miami-Wochenende den WM-Kandidaten aus der Spur geworfen hat. "In Miami lief es bei Kimi sehr gut - wie letztes Jahr – und George hatte das Gefühl, dass er das Auto mechanisch und elektronisch mehr in die Richtung von Kimi abstellen musste", so Wolff. Erfolg brachte das keinen, denn Russell blieb bis zum Ende des ersten US-Wochenendes der Saison weit hinter seinem Teamkollegen zurück, der bereits 2025 auf dem Miami Autodrom klar der schnellere Mercedes-Pilot war.
Trotzdem behielt George Russell diese Setup-Richtung in der Folge bei. "Er hat es behalten, denn Kimi war offensichtlich sehr schnell, und ich denke, dass ihn das irregeführt hat", ist sich Wolff sicher. In der Folge holte Russell zwar in Kanada die Sprint-Pole und die Pole und führte das Rennen lange an, aber auch auf seiner Paradestrecke musste er dafür im Qualifying auf einen Trick zurückgreifen und sah im Rennen und im Sprint nur ebenbürtig aus. Beim Formel-1-Wochenende in Monaco war er anschließend wieder klar im Hintertreffen, während Andrea Kimi Antonelli den Takt vorgab.
Experimente beendet: George Russell kehrt zu altem Setup zurück
Dass Russell überhaupt die Notwendigkeit sah, das Setup seines Teamkollegen zu übernehmen, spricht Bände über aktuelle die Gemengelage im Team. Allerdings zeigt es auch, dass Imitation nicht die Lösung ist. Jedenfalls nicht, wenn der Fahrstil nicht passt. "Er musste wahrscheinlich seinen Fahrstil umstellen, was sich aber nicht in Rundenzeit ummünzte", urteilt Wolff.
Diese Experimente sind nun aber vorbei. "Er hat sich rekalibriert. Neu aufgestellt und ging zurück zu dem, was für ihn funktioniert", gab sich der Österreicher von seinem Fahrer überzeugt. Einen ersten Hinweis darauf, dass diese Rückkehr zur bekannten Abstimmung Früchte trägt, glaubt Wolff schon im ersten Training am Freitag erkannt zu haben. Dieses fand allerdings in Abwesenheit von Antonelli statt, der durch Frederik Vesti ersetzt worden war.
Besser vergleichbar ist da schon FP2 am Nachmittag. Dort war Russell klar schneller als Antonelli (P2 vs. P5). Beide Mercedes-Fahrer hatten dabei aber stark mit ihrem Fahrzeug zu kämpfen und klagten über hohen Reifenverschleiß (womit sie aber mitnichten alleine dastanden). Für das restliche Formel-1-Wochenende in Barcelona können wir also noch einige Setup-Arbeiten am Mercedes erwarten.
George Russell benötigt in Barcelona unbedingt wieder ein Erfolgserlebnis. In der Fahrer-WM ist er inzwischen auf den dritten Platz zurückgefallen:



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