Einen Monat müssen sich die Formel-1-Fans noch gedulden, bis die Lichter zum ersten Mal in der Saison 2026 auf Grün schalten. Beim Auftakt in Melbourne wird der amtierende Weltmeister Lando Norris erstmals in seiner Karriere mit der Nummer 1 aus der Garage rollen. Dass die australischen Fans ihn mit Jubelschreien empfangen werden, ist jedoch unwahrscheinlich. Ganz im Gegenteil: In der Heimat von WM-Verlierer Oscar Piastri ist die Bevölkerung überzeugt, dass sich McLaren gegen ihren Lokalhelden verschworen hat.
CEO Zak Brown übte im Rahmen der McLaren-Präsentation am Montag scharfe Kritik an den Verfechtern dieser Theorie: "Es kann frustrierend sein, wenn manche Leute, unabhängig von ihrer Staatszugehörigkeit, sehr uninformiert sind. Die Aussagen, die herumschwirren, sind einfach lächerlich." Das Team habe Fehler gemacht, räumte Brown ein, aber nicht nur bei Piastri: "Wir haben Oscar einige Punkte gekostet, aber wir haben auch Lando viele Punkte gekostet. Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du."
Australisches Parlament diskutiert Piastri-Benachteiligung - Brown: Ungebildet!
Die Verschwörungstheorie, dass die Papaya-Truppe Norris bevorzugen würde, kam im Laufe der letzten Saison auf. Mit teils fraglichen Strategien und Teamordern, bei denen Norris oft der Nutznießer war, zog McLaren die Häme der Fans auf sich. Auch Ex-F1-Chef Bernie Ecclestone sprang auf den Zug auf. Das Rennen in Singapur, als ein Teil des Teams mit dem Drittplatzierten Norris spontan den Sieg der Konstrukteurs-WM auf dem Podium feierte, während der damalige WM-Leader Piastri bei den verpflichtenden Medienrunden war, befeuerte die Theorie noch einmal. Die Bilder lösten eine Welle der Kritik in den sozialen Netzwerken aus. Ob die Vorwürfe Hand und Fuß hatten, könnt ihr hier nachlesen:
Nach dem Katar GP, bei dem McLaren die Strategie hochgradig verpatzte und Piastri einen fast sicheren Sieg kostete, wurde die Thematik sogar im australischen Parlament diskutiert. "Es war eine frustrierende Nacht für einige Australier. Glauben Sie, dass McLaren Oscar Piastri benachteiligt und ihn die Weltmeisterschaft kostet?", fragte Senator Matt Canavan das Transport-Komitee, das sich ein Lachen nicht verkneifen konnte. Anthony Chisholm, der stellvertretende Minister für regionale Angelegenheiten, antwortete: "Er musste dieses Jahr einige unfaire Entscheidungen einstecken."
"Es ist schade, dass Leute im Parlament, die meiner Meinung nach weit weg von einem Verständnis für die Formel 1 sind, solche Sachen von sich geben. Ich würde mich nicht trauen, etwas über ihre Arbeit zu sagen, weil ich mich nicht auskenne. Aber ich könnte sicher einige Kommentare abgeben", schoss der McLaren-Boss gegen die australischen Politiker. Schon beim Saisonfinale in Abu Dhabi wurde Brown auf die Parlaments-Diskussion angesprochen und sagte, die Politiker seien "uninformiert und ungebildet in unserem Sport."
Teamorder beim Saisonauftakt? So erklärt McLaren Melbourne-Kontroverse
Die ersten Samen der Verschwörungstheorie wurden beim Saisonstart 2025 in Melbourne gestreut. Bei feuchter Strecke wurde Piastri auf Platz zwei angewiesen, während der Überrundungen den in Führung liegenden Norris nicht anzugreifen. "Lass es mich erklären, damit es all diese Leute verstehen. Sie durften frei fahren. Aber es waren schwierige Bedingungen, wir hatten einen guten Vorsprung. Wir wussten nicht, ob wir auf diesen Reifen weiterfahren mussten oder nicht. Wir haben lediglich auf den Pause-Knopf gedrückt, nicht auf Stopp", erklärte Brown eindringlich.
Freies Fahren hieße nicht, dass es keinen Punkt im Rennen gebe, an dem man nicht taktisch überlegen müsse, so der CEO: "Es ging nicht um den Kampf zwischen Lando und Oscar. Wir wollten nicht beide Autos riskieren." Mit der Vorsicht sollte McLaren recht behalten. Einige Runden später rutschten sowohl Norris als auch Piastri auf der Strecke aus. Der Australier blieb vor Heimpublikum im Gras stecken und konnte am Ende nur Platz neun ins Ziel retten.
Heute würde es Brown wieder genau gleich machen. Das Unverständnis der Fans kann der US-Amerikaner nicht nachempfinden: "Für mich ergibt unsere Vorgehensweise absolut Sinn. Ich weiß nicht, warum Leute, nachdem wir es erklärt haben, nicht verstehen. Danach kannst du zurück zum Rennfahren gehen und genau das haben wir gemacht. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass manche Menschen informierter darüber sein müssen, wie ein Rennen funktioniert."
Die viel diskutierten "Papaya Rules" werden auch 2026 noch gelten, wie McLaren-Teamchef Andrea Stella klarstellte, wenn auch in einer abgewandelten Form. "Wir werden Rennen für Rennen entscheiden, wie wir Situationen handhaben. Denn genauso wie ein Rennauto entwickeln wir uns auch immer weiter. Viele Änderungen wird es nicht geben. Sie dürfen immer noch frei fahren und wir werden weiter strategisch und intelligent bleiben", versprach Brown.
In Melbourne wird es spannend – nicht nur wegen der Rennaction. Der Zoff um den Motorentrick von Mercedes könnte beim Saisonauftakt in Australien eskalieren! Oder verbietet die FIA ihn noch vorher? Alle Infos gibt es im Video!



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