Die Zeit von Renault als Motorhersteller in der Formel 1 ist seit Jahresbeginn endgültig vorbei. Alpine, das Team des Konzerns, ist 2026 nur mehr Mercedes-Kunde. Dafür wurde seit 2024 schrittweise die Motorenschmiede im französischen Viry-Chatillon abgedreht. Eine stets kontroverse Angelegenheit, die jetzt in einer Konfrontation mit der örtlichen Politik ausartet.
Renault hatte 2024 die Entscheidung getroffen, das in der Turbo-Hybrid-Ära größtenteils erfolglose F1-Motorenprojekt komplett einzustellen. Im September 2024 wurde diese Entscheidung finalisiert, was sofort zu Ärger mit dem Betriebsrat im Werk in Viry führte. Zur Erinnerung: F1-seitig arbeiteten in Viry nur Motor-Ingenieure. Das Rennteam ist im britischen Enstone beheimatet.
Während Enstone von den Verwerfungen also größtenteils nicht betroffen war, läuteten in Viry die Alarmglocken. Die Angst ging um, dass 500 Arbeitsplätze innerhalb von zwei Jahren komplett abgebaut werden würden.
Renaults geplantes Alpine-Kompetenzzentrum: Nur ein Lippenbekenntnis?
Renault versuchte die Sorgen zu beruhigen. Zum einen mit dem sogenannten "Hypertech Alpine"-Kompetenzzentrum, welches explizit dazu da sein sollte, das Know-how an anderen Stellen im Konzern zu nutzen. Ob das nun das WEC-Projekt war, das Dakar-Projekt von Dacia oder die Entwicklung eines Wasserstoff-Sportwagens. Zum anderen wollte man eine "F1 Monitoring Unit" aufsetzen, in der eine kleine Rumpfbelegschaft die Formel 1 zumindest weiter beobachten sollte.
Doch die Sorgen hielten sich beharrlich, dass das alles bloß Lippenbekenntnisse wären und Renault letztendlich immer ein Einstampfen des Standortes plane. Diese Sorgen werden nun laut dem Bürgermeister von Viry-Chatillon, Jean-Marie Vilain, erst recht akut. Vilain schlägt am 9. Februar mit einer Presseaussendung lautstark Alarm.
Denn die Stadt hatte sich mit Renault in einem Begleitausschuss arrangiert, und laut Vilain sei beim Versuch, den erneut einzuberufen, nun übermittelt worden, dass Renault "von seinen Zusagen gegenüber des Alpine-Standortes abrückt." Das soll am 12. Februar bekanntgegeben werden.
Dem voran gingen in den letzten Wochen bereits Gerüchte im Umfeld der Langstrecken-WM, wonach Alpine 2026 das Hypercar-Team abdrehen könnte. Der Verlust eines weiteren großen Motorsport-Projektes würde dann natürlich die Auslastung von Viry deutlich reduzieren.
Viry-Bürgermeister schießt scharf gegen Renault: Lügen, Verrat!
Bürgermeister Vilain platzt deshalb in seiner "Lügen und Verrat der Renault-Gruppe" betitelten Presseaussendung der Kragen: "Das ist schlichtweg skandalös. Es werden hier sämtliche Verpflichtungen ignoriert, welche der Stadt sowie den Mitarbeitern bei den beiden vorherigen Sitzungen des Begleitausschusses gegeben wurden und die auch bekräftigt worden waren."
Vilain hebt hervor, dass Alpine in der WEC und Dacia bei der Dakar zuletzt durchaus positive Ergebnisse hatten einfahren können, und dass der Konzern 2025 auch Umsatz-Zuwüchse hatte verbuchen können. Auf der anderen Seite aber gilt es zu bedenken, dass 2025 Francois Provost als CEO vom bekennenden Motorsport-Fan Luca de Meo übernommen hatte.
Vilains Forderungen sind klar: "Ich appelliere an die Führungskräfte der Renault-Gruppe, die eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten, ebenso wie an ein Eingreifen des Staates, der als Hauptaktionär der Gruppe die Pflicht hat, für die Einhaltung des gegebenen Wortes und den Schutz der Arbeitnehmer zu sorgen."
Ansonsten gibt sich Vilain bereit, mit den betroffenen Alpine-Mitarbeitern zusammen "alle möglichen Maßnahmen gegen diesen Verrat zu ergreifen, damit der Alpine-Standort Viry-Chatillon das Kompetenzzentrum bleibt, das er stets war, und weiterhin zum Stolz unserer Stadt und zum Ansehen unseres Landes beiträgt." Renault äußerte sich zu der Angelegenheit bisweilen nicht.



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