Immer noch hat Christian Horner keinen neuen Job in der Formel 1. Gerüchte dazu sind aber alles andere als Mangelware, seit der erfolgreiche Langzeit-Teamchef im letzten Sommer Red Bull verlassen musste. Dazu nimmt Horner nun bei einem Auftritt bei der European Motor Show in Dublin zum ersten Mal öffentlich Stellung und stellt klar: Die F1 ist absolut das Ziel.

Finanziell könnte Horner es natürlich bleiben lassen. Auch in Sachen Statistik hat er sich längst als einer der Großen in der Geschichte verewigt. "Ich hatte 21 unglaubliche Jahre in der Formel 1, ein toller Lauf, viele Rennsiege, Weltmeisterschaften, habe mit ein paar tollen Fahrern, Ingenieuren und Partnern zusammengearbeitet - ich muss nicht zurückkommen", zitiert ihn der 'Independent'. "Ich könnte sofort meine Karriere beenden."

Doch wie so oft tun sich F1-Urgesteine schwer, loszulassen. "Ich vermisse den Sport, ich vermisse die Leute, ich vermisse das Team, das ich aufgebaut habe", erklärt Horner und stellt fest: "Es ist nicht so zu Ende gegangen, wie ich es gerne gehabt hätte."

Die acht Fahrer- und sechs Konstrukteurs-Titel mit Red Bull machen sich gut, doch das Ende dominierten Schlagzeilen über persönliches Fehlverhalten gegenüber einer Mitarbeiterin 2024 und schließlich ein dramatischer sportlicher Abschwung des Teams, der letztendlich 2025 das Aus besiegelte. Damit möchte man nicht abtreten.

Christian Horners hohe Formel-1-Ansprüche: Ich will ein Siegerteam

"Ich habe das Gefühl, dass ich mit der Formel 1 noch nicht fertig bin", unterstreicht Horner. Aber seine Ansprüche sind hoch: "Ich werde nicht für irgendwas zurückkommen. Ich werde nur für etwas zurückkommen, mit dem ich gewinnen kann."

"Ich will nicht zurück ins Fahrerlager, ehe ich etwas zu tun habe", verbietet sich Horner selbst in der Zwischenzeit Gastspiele. Seine Bedingungen sind aber nicht, dass es ein potenzielles WM-Team sein muss: "Ich würde nur für die richtige Chance zurückkehren, um mit tollen Leuten zu arbeiten, und in einem Umfeld, in dem Leute gewinnen wollen. Ich würde ein Partner sein wollen, nicht nur ein Angestellter."

Unzählige Gerüchte: Mehrere F1-Teams verrieten bereits Horner-Kontakt

Die letzte Anforderung ist im Formel-1-Umfeld schon lange bekannt. Horner hat keine Lust mehr, nur bezahlter Teamchef zu sein. Er will, wie etwa sein alter Rivale Toto Wolff, der von Beginn an nicht nur Mercedes-Teamchef war, sondern auch einer der Anteilseigner. Mit der gigantischen Wertsteigerung der F1-Teams machte sich dieses Arrangement für Wolff mehr als bezahlt.

So eine Anforderung eliminiert etwa Ferrari, wo es äußerst unrealistisch ist, dass der Automobil-Konzern Anteile an seiner legendären Sportabteilung abstoßen würde. Ferrari war trotzdem eines der Teams gewesen, mit denen Horner seit letztem Sommer permanent in Verbindung gebracht wurde.

Dazu kamen aber viele andere. Haas-Teamchef Ayao Komatsu gab zu Protokoll, dass Horner auf Gene Haas zugekommen sei, ein "informatives Gespräch" mit den Haas-Eignern gehabt habe und abgeblitzt sei. Auch Aston Martin suggerierte einen Horner-Anruf. Doch in der Favoritenrolle scheint seit Monaten Alpine.

Alpine-Berater Flavio Briatore ist ein alter Freund von Horner und genauso wichtig: Die 24 Prozent am Team haltende Investment-Gruppe Otro Capital ist seit Monaten offen für einen Verkauf ihrer Anteile und lässt sich Angebote unterbreiten. Alpine bestätigte erst vor kurzem, dass Horner Teil einer dieser Interessentengruppen sei.

Christian Horner zu Gerüchten: Ich sprach mit niemandem

Alpine erfüllt die Anteils-Forderung, aber auch die nach einem Sieger-Team? Gewonnen hat die Mittelfeld-Truppe aus Enstone seit Jahren nicht. Mit dem Wechsel zum Mercedes-Kundenteam werden allerdings die ersten Rennen 2026 wohl richtungsweisend für Briatores Mannschaft werden.

Briatore kommentierte die Horner-Gerüchte am Rande der Fahrzeug-Präsentation gegenüber 'The Race' vage: "Ich kenne Christian seit Jahren. Mit Christian spreche ich sowieso. Aber mit mir hat das alles nichts zu tun." Briatore ist kein Eigentümer, kann also auch nicht über Anteilsverkäufe sprechen. Solche Verhandlungen liegen bei Otro Capital (sie halten 24 Prozent) und bei dem Renault-Konzern (76 Prozent).

Horner spielt die ganzen Gerüchte indessen herunter: "Faszinierend. Ich bin am achten Juli bei Red Bull ausgeschieden und heute ist das erste Mal, dass ich tatsächlich mit jemandem spreche." Medien-Auftritte gab es von ihm tatsächlich bis zu diesem öffentlichen Antritt bei der Motor Show in Dublin keine.

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"Ich denke, ich wurde zu jedem einzelnen Formel-1-Team geschrieben, vom Ende des Feldes, zum Mittelfeld, bis zur Spitze", kommentiert Horner. "Es scheint ein Appetit da zu sein für die Frage, was ich tun werde. Nun, die Realität ist, dass ich bis zum Frühjahr sowieso nichts tun kann. Es ehrt mich, dass ich mit allen diesen verschiedenen Teams in Verbindung gebracht werde."

Damit bestätigt Horner indirekt eine von Red Bull auferlegte Sperrfrist, die er noch absitzen muss, bevor er seinen ersten echten Zug machen darf. Bis dahin wird sich die Formel 1 weiter gedulden müssen.