764 Kilometer – diese Distanz hat das erste Formel-1-Auto von Neueinsteiger Cadillac nach den Testfahrten in Barcelona bereits zurückgelegt. Oder besser gesagt erst, denn im Vergleich mit der Konkurrenz ist das ein mickriger Wert. Nur Aston Martin, die so gut wie ausschließlich am Freitag auf der Strecke waren, und Williams, die gar nicht am Test teilnahmen, absolvierten weniger Runden. Laut Teamchef Graeme Lowdon verlief der Shakedown nach Plan, Valtteri Bottas war etwas ehrlicher.

"Wir sind in der Problemlösungsphase", sagte der ehemalige Mercedes-Pilot. "Wir haben immer noch einen weiten Weg vor uns und müssen uns um viele Probleme kümmern." Schon der erste Testtag verlief durchwachsen für den US-Rennstall. Bottas fuhr am Montag nur 33 Runden, sein Teamkollege Sergio Perez gar nur elf. Im Vergleich: Haas spulte in der gleichen Zeit insgesamt 154 Läufe um den Circuit de Barcelona-Catalunya ab, Mercedes 149, Red Bull Racing 107.

Über die nächsten Tage war keine Verbesserung zu erkennen. Am Donnerstag absolvierte Perez 66 Runden, Bottas am Freitag 54. Insgesamt fuhr der Cadillac nur 164 Runden über drei Tage. Über die Gründe kann nur spekulieren werden, das Team hielt sich bedeckt. Es dürfte nicht an der Zuverlässigkeit des Motors liegen. Cadillac bezieht seine Power Unit von Ferrari, die am Freitag die Bestzeit der Testwoche aufstellten und generell eine gute Figur machten. Es gab keine Meldung darüber, dass ein Cadillac-Bolide auf der Strecke ausrollte und mit Fremdhilfe in die Garage zurückgebracht werden musste.

Cadillac-Teamchef: Performance war nicht der Fokus!

Auf der finalen Zeitenliste des Shakedowns findet sich Cadillac am Ende des Klassements wieder. Mit Rundenzeiten im Bereich von 1:21-Minuten reihen sich Bottas und Perez auf Platz 18 und 19 ein. Ihnen fehlen über vier Sekunden auf Lewis Hamiltons Bestzeit.

Die Aussagekraft dieser Zeiten ist jedoch zu hinterfragen. Performance war nicht der Fokus des US-Rennstalls an den drei Testtagen. "Wir haben verschiedene Programme und Parameter ausprobiert. Wir wollten sicherstellen, dass wir eine stabile Basis haben", erklärte Teamchef Graeme Lowdon. Erst in Bahrain wolle man sehen, wie schnell die Autos sein können.

Dass der komplette Neueinstieg in die Formel 1 kein Spaziergang werden würde, war dem Team bewusst. "Wir erklimmen den Berg Schritt für Schritt. Mit jedem Lauf werden wir besser und kommen als Team mehr zusammen. Mit jedem Run lösen wir Probleme und gehen vorwärts", schilderte Bottas. Der Shakedown an sich war ein Meilenstein für Cadillac. Es war das erste Mal, dass das Auto über eine längere Zeit auf der Strecke unterwegs war. Davor fuhr Sergio Perez zwar für einen Filmtag in Silverstone, allerdings mit einer Begrenzung von 200 Kilometer und mit speziellen Reifen.

Die Testfahrten in Barcelona waren der erste richtige Test des noch unbenannten Autos, das am 8. Februar während des Super Bowls präsentiert wird. Das Ergebnis stimmt den Teamchef trotz wenig präsentabler Leistungen positiv. "Wir sind sehr zufrieden. Wir haben ununterbrochen an den üblichen Problemen, die an einem neuen Auto auftreten, gearbeitet. Man muss sich vor Augen halten, dass das erst der vierte Tag ist, an dem dieses Team ein Formel-1-Auto betreibt. Mit jedem Tag glätten wir unsere Prozedere", erinnerte Lowdon.

Es gäbe noch viel Arbeit, aber die Neueinsteiger reisen mit einem guten Gefühl zu den Testfahrten in Bahrain (11. bis 13. Februar). Bis dahin wird es noch einmal hektisch für die gesamte Mannschaft. Bottas reiste direkt im Anschluss an den Barcelona-Test in die Fabrik nahe des Indianapolis Motor Speedways, wo der Simulator des Teams steht. "Wir haben jetzt endlich viele neue Daten zum Auto, die müssen wir analysieren und vielleicht auch ein paar neue Teile für Bahrain entwickeln", verriet der Finne.

Cadillac ist ganz neu im Formel-1-Zirkus. Alle wichtigen Informationen zum Neueinsteiger und seinem holprigen Weg in die Königsklasse erklärt euch Christian im Video!

F1 2026: So funktioniert Cadillac - Anti-Audi-Konzept erklärt (22:34 Min.)