Vor eineinhalb Wochen finalisierten Red Bull und Christian Horner die endgültige Trennung. Ein Arrangement, welches dem gefeuerten Langzeit-Teamchef die Möglichkeit geben soll, zumindest zeitnah in die Formel 1 zurückzukehren. Was eine Gerüchtewelle nach sich zieht. In Singapur reißt die gleich zwei Teams mit. Eines wegen seiner Offenheit, und das andere wegen eines verwehrten Dementis.
Im Prinzip beginnt die Geschichte per Ausschlussverfahren. McLaren, Ferrari, Mercedes, Williams und Sauber haben an und für sich aktuell gefestigte Management-Konstrukte, in denen für Horner kein Platz sein dürfte. Newcomer Cadillac lehnte ihn durch CEO Dan Towriss im August schon öffentlich ab: "Es gab keine Gespräche mit Christian Horner und es sind auch keine geplant." Damit bleiben drei Teams übrig. Mit drei sehr unterschiedlichen Szenarien.
Die Alpine-Gerüchte kennt man inzwischen zuhauf. Horner kann gut mit Berater und Strippenzieher Flavio Briatore, mit Steve Nielsen hat das Team aktuell einen gerade erst neu geholten "Managing Director", aber mit Horner als Speerspitze neben Briatore, womöglich mit Team-Anteilen ausgestattet, scheint sich ein logischer Platz finden zu lassen. Am Singapur-Wochenende erfuhren nun aber Theorien rund um Aston Martin und Haas plötzlich durch Aussagen der aktuellen Teamchefs neue Brisanz.
Ayao Komatsu bestätigt: Christian Horner klopft bei Gene Haas und Co.
So war vor Tagen die Story durch einen (durchaus eher Horner-nahen) Teil des britischen Boulevards gegeistert, dass er an Haas Interesse haben könnte. Wie immer spielt sein bekannter Wunsch nach Team-Anteilen mit hinein. Etwas, das ihm bei Red Bull stets verwehrt geblieben war.
Haas ist das kleinste Team im F1-Feld, fest in den Händen des US-Unternehmers Gene Haas. Und an der Strecke eigentlich fest in den Händen von Ayao Komatsu. Der Ingenieur hatte den Teamchef-Job Anfang 2024 von Günther Steiner übernommen und leitet Haas' sämtliche F1-Geschicke. Entsprechend wurde er am Donnerstag in Singapur mit den Horner-Spekulationen konfrontiert.
Komatsu blieb überraschend ehrlich: "Ja. Es stimmt, dass er auf uns zugekommen ist. Dann hatten ein paar Leute von uns ein, sagen wir mal, informatives Gespräch. Das war es dann. Mehr läuft nicht." Laut Komatsu ist Horner bei Gene Haas und Konsorten abgeblitzt: "Mehr habe ich nicht zu sagen. Schreibt, was ihr wollt. Ich heize diese Geschichte nicht weiter an."
Aston-Martin-Teamchef Andy Cowell umschifft alle Horner-Nachfragen
Die Gerüchtewelle schwappt stattdessen weiter zu Aston Martin. Ein Team, das definitiv kein Problem mit dem Verkauf von Anteilen hat, wenn es dadurch große Namen anlockt. Mit Team-Anteilen köderte Eigentümer Lawrence Stroll erst im Vorjahr den Star-Designer Adrian Newey.
Die Aston-Martin-Lage ist eine prekäre. Das Team hat eine äußerst hohe Fluktuation im Top-Management. Nachdem Stroll das Team kaufte, konzipierte er mit Otmar Szafnauer und Andrew Green die massiven neuen Infrastruktur-Projekte, doch recht schnell baute Stroll ganz oben um. 2023, als man kurz an der Spitze des Feldes um Podien kämpfte, saß Mike Krack als Teamchef am Kommandostand, Dan Fallows war Cheftechniker. Dann ging es rückwärts, und daraufhin wurde Krack zum streckenseitigen Einsatzleiter herabgestuft und Fallows ganz entfernt.
Stattdessen baut Stroll jetzt auf ein All-Star-Ensemble. Ex-Mercedes-Motorenchef Andy Cowell ist Teamchef. Adrian Newey ist 'Managing Technical Partner'. Ex-Ferrari-Designer Enrico Cardile ist 'Chief Technical Officer'. Wo genau würde Horner hineinpassen? Motorsport-CEO? Doppelspitze mit Cowell? Nächste Personal-Rochade?
Jedenfalls schafft es Cowell am Donnerstag vor dem Singapur-GP auch bei mehreren klaren Nachfragen nicht, das Thema Horner unmissverständlich zu beerdigen. Stattdessen umschifft er die Antwort: "Christians Resümee spricht für sich. Er ist ein toller Mitbewerber. Ich schätze, es hängt an Christian, oder? Wir haben ein starkes Setup, und wir machen damit weiter."
Also nein? Alles nur Höflichkeitsfloskeln? "Ich verweise auf das, was ich gesagt habe. Wir haben einen Plan, wir machen damit weiter. Und ich schätze, Christian muss für sich festlegen, wo er in Zukunft eine Rolle spielen will." Mit dem Nachsatz: "Wer weiß, was passieren wird." Einer wird es wohl gerne wissen wollen - Fernando Alonso. Der immer noch fest von seiner Pace, auch im fortgeschrittenen F1-Alter, überzeugt ist:



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