Für den Grand Prix von Singapur wurde erstmals in der Geschichte der Formel 1 eine offizielle Hitzewarnung ausgesprochen. Da die Temperatur am Marina Bay Street Circuit die kritische Marke von 31,0 °C überschreiten soll, schreibt das Reglement nun den verpflichtenden Einbau von Klimaanlagen in den Boliden vor - die Fahrer dürfen jedoch selbst entscheiden, ob sie das Kühlsystem tatsächlich nutzen wollen.

Das neue "Driver Cooling System" muss bereits seit Saisonbeginn 2025 einsatzbereit sein und besteht aus zwei Komponenten: einer im Auto verbauten Einheit, die eine spezielle Flüssigkeit herunterkühlt, sowie einem feuerfesten Unterhemd, durch das die gekühlte Flüssigkeit zirkuliert. Die Maßnahme soll die Piloten vor der extremen Hitze schützen - doch nicht alle Fahrer scheinen von der Neuerung überzeugt zu sein.

Das sagen die F1-Piloten zur Kühlweste

Die Meinungen zum Kühlshirt sind gespalten. Lewis Hamilton klagt über das kratzige, unbequeme Oberteil und ist sich unsicher, ob er das System am Wochenende einsetzen wird. Altmeister Fernando Alonso stimmt den Komfort-Bedenken zu, ist aber überzeugt von der Wirkung.

"Ich denke, ich werde es am Sonntag verwenden. Ich habe die Kühlweste bisher nur im Training ausprobiert, aber sie hat von der ersten bis zur letzten Minute einwandfrei funktioniert. Nur der Komfort fehlt ein wenig", so der zweifache Champion.

Sein Teamkollege Lance Stroll probiert das Kühlsystem in Singapur zum ersten Mal aus und hofft auf eine Abkühlung. Ähnlich äußert sich Haas-Rookie Oliver Bearman. "Wenn ich abwägen muss, ob ich lieber überhitze oder ein wenig Komfort einbüßen muss, dann nehme ich den Komfortverlust in Kauf", so Bearman, der sich bereits im Mai zur Kühlthematik geäußert hat.

Die Schläuche im Kühlshirt sind sperrig und können sich nicht optimal an die Körperform anpassen. Auch der Knotenpunkt der Schläuche an der Körperseite macht den Piloten zu schaffen. In der perfekt angepassten Sitzschale kann es dadurch zu Platzmangel kommen.

Dennoch ist Sauber-Pilot Nico Hülkenberg ein klarer Verfechter des Kühlsystems für Singapur. Der Deutsche erinnert sich an den Saudi-Arabien GP zurück: "Nach dem Rennen in Dschiddah war ich Toast, es war so unglaublich heiß. Alex [Albon] hat die Kühlung damals verwendet und ich saß neben ihm im Flugzeug. Er war frisch wie eh und je. Ich werde die Kühlung also sicher verwenden", sagt Hülkenberg, für den auch der vermeintlich fehlende Komfort kein Problem darstellt.

Kühlsystem: Praktischer Nutzen oder unnötige Hilfe?

Zwei komplett andere Ansätze zum verpflichtenden Kühlsystem in den Boliden vertreten Carlos Sainz und Liam Lawson. Beide haben wenige Bedenken bezüglich des Komforts oder der Funktionalität. Für Lawson treten noch andere Faktoren in den Vordergrund.

"Die zwei Variablen, Hitze und Luftfeuchtigkeit, die in Singapur zusammenkommen, könnten mich dazu verleiten, die Weste zu nützen. Ich bin bereits zehnmal in Singapur gefahren und wenn sie nicht funktioniert, wäre es für mich auch kein Problem. Ich fahre mein Rennen und springe so frisch wie jedes Jahr aus dem Boliden. Wenn es funktioniert, umso besser, dann leide ich ein bisschen weniger", sagt Sainz.

Eine gegensätzliche, aber klare Meinung vertritt hingegen Liam Lawson. Für ihn kommt die Verwendung des Kühlsystems nicht infrage. "Wir trainieren so hart, um diese Rennen fahren zu können. Ich finde, wir sollten sie daher auch ohne Hilfe bestreiten, egal wie hart sie sind", meint Lawson. "Ich habe es in anderen Rennserien gesehen, dass die Wirkung einer kaputten Kühlweste genau das Gegenteil bewirken kann. Dann ist es noch heißer als ohne das System."

Singapur gilt als eine der härtesten Rennstrecken in der Formel 1 - körperlich wie mental. Letzte Saison wurde am Wochenende des Singapur Grand Prix eine Lufttemperatur von 30 - 31 °C gemessen. Dieses Wochenende soll es noch heißer werden. Ob sich das neue Kühlsystem bereits in Singapur durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Bei einer Lufttemperatur von mindestens 31 °C und einer Luftfeuchtigkeit von durchschnittlich 80% könnte die Kühlweste aber den Unterschied im Cockpit machen.

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