2025 ist das Jahr der Kühlweste. In Miami wird es wieder heiß, und wieder steht die in diesem Jahr in der Formel 1 neu eingeführte Methode zur Fahrerkühlung zur Diskussion. Zwei Teams fuhren bislang damit Rennen - acht nicht. Denn die Art und Weise, wie die Regeln formuliert sind, unterbinden den Einsatz praktisch für mehrere Teams. Das wirft unter den Fahrern Fragen auf.

Fragen sind beim neuen Kühlsystem seit Saisonstart sowieso Standard. Hierfür kurz zur Technik: Es handelt sich um eine mit Schläuchen versehene Weste, welche der Fahrer unter dem Rennanzug trägt. Die Weste wird an ein separat im Auto verbautes System angeschlossen. Das sorgt dafür, dass Kühlflüssigkeit in der Weste zirkuliert.

Anschlüsse für das Kühlsystem
Der Kühlwesten-Anschluss im Rennanzug von Williams, Foto: Motorsport-Magazin.com

Wann wird das System verbaut? Verpflichtend dann, wenn die Rennleitung eine Hitzewarnung ausgibt. Aber: Es ist fünfeinhalb Kilogramm (fünf für das System, ein halbes für die Weste) schwer. Wenn also eine Hitzewarnung ausgegeben wird, wird automatisch das Mindestgewicht angehoben. Damit soll jedes Team Spielraum haben, um bei Bedarf freiwillig das System einzubauen.

Genau hier liegt das Problem. Denn bislang wurde nie eine Hitzewarnung ausgesprochen. Wer das System trotzdem fährt, der lädt dann fünfeinhalb Kilo freiwillig zu - und wer näher als fünfeinhalb Kilo am Gewichtslimit dran ist, der würde dadurch übergewichtig. Das will natürlich niemand.

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"Wenn wir die Weste nutzen, dann nur, wenn die FIA das Mindestgewicht anhebt", räumt Ferrari-Pilot Charles Leclerc indirekt ein, dass sein SF-25 nicht genügend Spielraum hat. Haas-Rookie Oliver Bearman wird klarer: "Leider können wir momentan nicht damit fahren, weil die FIA das Gewichts-Ding nicht ausruft."

Kühl-Vorteil in der Formel 1 gleich Wettbewerbs-Vorteil

Für die Fahrer ein langsam wachsender Quell an Frust, denn kühl zu bleiben ist natürlich ein Vorteil. "Ich habe es einmal getestet, und es war eigentlich richtig, richtig hilfreich", meint Leclerc. Bearman bestätigt: "Selbst wenn es nur 15 bis 20 Runden funktioniert, so kann das die Welt ausmachen. Jeddah zum Beispiel, das ist so ein heißes Rennen, und du siehst die Luftfeuchtigkeit nicht. Es hat 29 Grad, aber bei 60 bis 70 Prozent Luftfeuchtigkeit ist es unter all den Schichten richtig, richtig heiß."

Per Reglement gibt es die Hitzewarnung, wenn die Prognose 24 Stunden vorher über 31 Grad hinausgeht, oder wenn es der Rennleiter für richtig hält. In Jeddah gab es vorab keine Warnung. Jedoch kletterte die Temperatur während des Rennens dann schließlich gar auf fast 32 Grad Celsius, bei 74 Prozent Luftfeuchtigkeit. Mercedes und Williams fuhren daraufhin freiwillig mit den Kühlwesten. "Ich habe schon gesehen, wie wir 60 Grad im Cockpit hatten", so Mercedes-Pilot George Russell. "Wie eine Sauna."

"Die müssen offenbar genug Gewichtsmarge haben", stellt Bearman fest. Für ihn, dessen Haas das nicht hat, ist das ärgerlich: "Wenn nie die Hitzewarnung ausgerufen wird, und nur die Hälfte der Teams einen Vorteil hat, dann erscheint mir das ein bisschen unfair."

Formel 1 muss bei Kühlwesten-Frage noch nachschärfen

Infolgedessen erscheint es den Fahrern wie eine gute Idee, vielleicht das System der Hitzewarnung zu überdenken. "Vielleicht sollte die Hitzewarnung etwas heruntergesetzt werden", räumt Russell ein. "Saudi-Arabien war heiß. Bahrain war heiß. Vielleicht könnte es um ein paar Grad angepasst werden."

Sonst sind die Kühlwesten aber technisch noch immer ein kleiner Krampf. Als sie beim Bahrain-Test erstmals eingeführt waren, waren die Verkabelungen so platziert, dass die meisten sie in ihren Sitzen gar nicht nutzen konnten. Dieses Problem ist inzwischen gelöst, aber trotzdem ist das System noch ein teils schwieriger Fall.

So ist auch das kurzfristige Verbauen eine Herausforderung. Das war auf der Startaufstellung in Saudi-Arabien gut zu beobachten. Williams musste tief ins Cockpit und unter den Sitz. Bei Mercedes mussten die Mechaniker in den engen Zwischenräumen der Nase arbeiten.

Anschlüsse für das Kühlsystem
Williams-Mechaniker arbeiten auf der Startaufstellung in Jeddah an der Fahrer-Kühlung, Foto: Motorsport-Magazin.com

Leclerc, der es noch nie über eine Renndistanz fuhr, hat auch seine Zweifel basierend auf dem, was er von Kollegen hörte: "Mitten im Rennen hört es auf zu arbeiten, und dann wird die Flüssigkeit sehr warm. Ich weiß nicht, ob ich darauf Lust habe." Aktuell ist selbst bei einer Hitzewarnung die Nutzung freiwillig. Jeder muss das System verbauen. Wer die Weste nicht anziehen will, muss an ihrer Stelle ein halbes Kilo ins Cockpit zuladen.