Abgesehen von Aston Martin und Cadillac, die am Ende des Felds ihr eigenes Rennen um Spitzenposition 18 fahren, ist Audi eines der gebeutelteren Teams in der bisherigen Formel-1-Saison. Ein technisches Problem jagt das nächste, die Problemliste ist lang. Motor, Getriebe, Starts, Zuverlässigkeit, Fahrbarkeit und personelle Rocharden machen die ersten Wochen des F1-Debütanten holprig. In Kanada kommt nun das nächste Update-Paket an den R26. Verschaffen die neuen Teile die nötige Verbesserung?

"Wir haben ein bisschen Krimskrams, nichts Großes, aber etwas Fine-Tuning hier und da", hüllte sich Nico Hülkenberg am Donnerstag in Montreal in Schweigen, was genaue Details zum Update-Paket angeht. Entgegen dem Trend brachte das deutsche Team in Miami keine großen Erneuerungen, nur zwei aerodynamische Anpassungen. "Seit Miami haben wir hinter den Kulissen an einigen Dingen auch an der Power Unit gearbeitet. Ich freue mich schon, das morgen auszuprobieren", meinte Hülkenberg.

"Ich glaube, es ist ein Schritt vorwärts, aber es kommt auch darauf an, was die anderen bringen", gab Gabriel Bortoleto zu bedenken. "Wenn jeder ein paar Schritte macht, dann stehen wir mehr oder weniger an der gleichen Stelle. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die Teile, die wir dieses Wochenende mitbringen, eine positive Veränderung sind." Es ist zu erwarten, dass Teams, die in Miami kein großes Paket am Start hatten, ihre Chance in Montreal nutzen. Darunter fällt auch Klassenprimus Mercedes.

Getriebe-Chaos bei Audi: Was sie uns verschweigen! (05:37 Min.)

Bortoleto kritisiert Audis Exekution: Brauchen nur ein sauberes Wochenende

Dabei seien Chassis und Motor nicht die größten Schrauben, an denen gedreht werden muss. Das sei die Rennexekution, ist Bortoleto überzeugt: "Dort können wir uns am meisten verbessern, mehr als mit jedem Update. Wir haben bisher noch nicht geschafft, ein sauberes Wochenende zu absolvieren." Nur in Australien sei das ansatzweise passiert, beim Saisonauftakt holte der Brasilianer die bisher einzigen zwei Punkte für Audi.

Beim letzten Auftritt in Miami brannte Hülkenbergs R26 zweimal ab, Bortoleto wurde wegen eines zu hohen Ansaugluftdrucks des Motors vom Sprint disqualifiziert. Ein bitteres Wochenende sowohl für beide Audi-Piloten. "Wenn wir ein sauberes Wochenende haben, dann können wir um gute Positionen kämpfen", ist Bortoleto überzeugt.

"Wir müssen verstehen, was bisher schieflief und versuchen, dort im Team anzusetzen. Ob es bessere Prozesse sind oder bessere Teile. Aber unser voller Fokus ist auf Verbesserung", führte er fort. Für Kanada sieht er noch keinen großen Sprung: "Wir werden dort sein, wo wir seit Jahresbeginn praktisch immer sein: im Kampf um den Einzug in die Top-10 und Punkte. Die anderen werden Updates bringen und für uns wird es das nächste Wochenende werden, an dem wir herausfinden müssen, wo in der Hackordnung wir uns befinden."

Hülkenberg auf Jagd nach ersten Punkten: Am liebsten am Samstag!

Auch Hülkenberg ist nicht davon überzeugt, dass die Updates nicht das Allheilmittel sind. "Es ist eine Vielzahl an Dingen. Unsere Fahrbarkeit ist auf jeden Fall ein Punkt und etwas, das wir seit Jahresbeginn stark verbessert haben. Wir arbeiten daran, aber es ist ein langwieriges Thema. Es gibt keine einfachen Lösungen dafür", hatte der Deutsche keine guten Nachrichten für Audi-Fans.

Schon seit längerem macht Audi, die sonst nicht besonders bekannt für ihre Transparenz mit Problemen sind, keinen Hehl daraus, dass der erste, eigens gebaute F1-Motor hinterherhinkt. "Wir haben definitiv nicht die stärkste PU da draußen", betonte Hülkenberg in Montreal. Auch das Getriebeproblem bei Audi, verantwortlich für die schlechten Starts und eine ruckelige Gangschaltung, ist bekannt. "Wir haben ein Defizit, das wissen wir. Es sind viele Dinge, die harmonisch zusammenspielen müssen, um gut zu sein. Sonst bist du in mancher Situation sehr machtlos."

Das Auto brauche auch mehr Downforce und Balance, aber diese Sachen stehen weiter unten auf der Liste. "Es ist ein laufender Prozess und wir müssen die Probleme Schritt für Schritt durchgehen", so Hülkenberg, der noch immer auf der Jagd nach seinen ersten Punkten ist. In der WM-Wertung ist er derzeit auf dem letzten Platz. "Das will ich natürlich nicht", lachte er auf die Situation angesprochen. "Natürlich willst du mehr. Aber ich bin hier für die Reise, um zu arbeiten und zu helfen. Idealerweise möchte ich sie am Samstag haben."

Audi hat nur eine Trainingsstunde, um die Updates auszuprobieren. Dann geht es am Sprint-Wochenende ins erste Qualifying - mit einer Energie-Ausnahme! Die Details dazu gibt es hier: