Als der Anruf kam, musste er nicht lange überlegen - und in Miami saß Allan McNish auch schon am Audi-Kommandostand. Dabei hatte sich der Ex-Rennfahrer nach seinem Karriereende 2013 geschworen, niemals eine Managementfunktion zu übernehmen.
"Weil man dann mit Fahrern wie mir umgehen müsste, und ich wusste genau, wie schwierig ich war", erklärte er mit einem Schmunzeln. "Allerdings begleite ich dieses Projekt seit Tag eins - warum sollte ich da Nein sagen?" Seit McNish seinen Rennhelm an den Nagel hängte, ist er eng mit Audi Motorsport verbunden: als Koordinationsleiter für den Konzernmotorsport, als Teamchef von Audi Sport ABT Schaeffler in der Formel E und zuletzt als Leiter des Audi-Entwicklungsprogramms.
McNish: Binotto ist der Boss
Eine Aufgabe, die er auch in seiner Funktion als Renndirektor des Formel 1-Teams weiter innehat. Die Aufgaben zwischen ihm und Mattia Binotto sind klar aufgeteilt: "Mattia ist Teamchef und CEO, sprich: Er ist der Boss. Er verantwortet die Motorenentwicklung in Neuburg und alles in Hinwil - genau so, wie man es aufgrund seiner Erfahrung erwarten würde. Ich kümmere mich um alles Operative an der Rennstrecke und verantworte weiter das Fahrerentwicklungsprogramm sowie ein weiteres Projekt namens 'Legends', das aber noch Zukunftsmusik ist", sagt McNish.
Mattia Binotto unterstütze ihn in seiner Position, würde jedoch nicht direkt in seinen Aufgabenbereich eingreifen. Gleichzeitig räumte der 56-Jährige ein, dass es trotz seines Erfahrungsschatzes noch viel zu lernen gibt. Entsprechend verbrachte er bei seinem ersten Einsatz in Miami viel Zeit in der Beobachterrolle. "Ich musste erst einmal verstehen, wie die einzelnen Bereiche arbeiten und zusammenhängen. Da habe ich jetzt ein klareres Bild", so McNish.
Obendrauf kamen Marketing-Aufgaben hinzu, denn Audi hatte in Miami zahlreiche Gäste eingeladen und exklusive Events in der Innenstadt ausgerichtet. "Es ging also tatsächlich um viele Bereiche, nicht nur um die operativen Aufgaben als Renndirektor. Trotzdem war es gut. Ich lebe fürs Racing. Seit ich elf Jahre alt bin, bestimmt Motorsport mein Leben. Dafür stehe ich morgens auf", betont McNish und fügt hinzu: " Und wenn ich sage, dass ich fürs Racing lebe, dann meine ich auch: Ich gehe nicht glücklich nach Hause, wenn wir nicht gewonnen haben."
Audi hat im kompetitiven F1-Umfeld noch zu kämpfen
Davon ist Audi aktuell jedoch meilenweit entfernt. Zwar waren Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto in Miami in puncto Pace durchaus konkurrenzfähig - obwohl das Update-Paket deutlich kleiner ausfiel als bei der Konkurrenz - trotzdem reichte es wieder nicht für Punkte. Eine unglaubliche Pannenserie sorgte dafür, dass das Team am Ende leer ausging. "Natürlich müssen wir diese Dinge in den Griff bekommen, daran gibt es keinen Zweifel. Gleichzeitig ist die F1 ein extrem kompetitives Umfeld. Es ist nicht völlig überraschend, dass nicht sofort alles perfekt funktioniert", meint McNish.
Diese Lektion lernte der Schotte bereits als Aktiver: "In einer Karriere verliert man öfter, als man gewinnt - das ist Statistik, vielleicht mit Ausnahme von ein oder zwei Personen. Aber dieses Umfeld ist mein Leben. Die Alternative wäre es nicht", stellte er klar.
Während Lando Norris in Miami eine fast perfekte Performance abliefert und zeigt, warum er Weltmeister ist, erleben wir bei George Russell einen herben Dämpfer.



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