Die Formel 1 hat 2026 sechs Starts hinter sich. Vier Grands Prix und zwei Sprints. Die Formel 1 hat 2026 auch schon sechs Audi-Ausfälle zu verzeichnen. Dreimal konnte der R26 nicht starten, zweimal gab er vor der Ziellinie auf und einmal wurde er nachträglich disqualifiziert. Auf zufriedenstellende Erklärungen verzichtet das Team. "Technische Probleme" ist die vage Antwort auf jeden Defekt. Eine Informationspolitik, die Christian Danner gar nicht gefällt.

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Die Audi-Ausfälle und ihre offiziellen Gründe im Überblick

Grand PrixFahrerAusfalloffizieller Grund
Australien - RennenHülkenbergDefekt vor Starttechnisches Problem
China - SprintHülkenbergDefekt in Runde 13keine Erklärung
China - RennenBortoletoDefekt vor Starttechnisches Problem
Miami - SprintHülkenbergDefekt vor Starttechnisches Problem
Miami - SprintBortoletoDisqualifikationzu hoher Ansaugluftdruck des Motors
Miami - RennenHülkenbergDefekt in Runde 7technisches Problem

"Das stößt mir persönlich schon sehr sauer auf. Keiner sagt, was Sache ist. Das Ganze wird als technischer Vorfall verkleidet. Das finde ich unsympathisch", kritisierte der Formel-1-Experte im AvD Motorsport-Magazin. Zu Zeiten von Ron Dennis und Co. sei so eine Heimlichtuerei normal gewesen, doch das habe sich in den letzten Jahren geändert. Teamchefs wie Zak Brown oder Toto Wolff verraten auch nicht im Detail, wo genau die Probleme liegen, aber: "Da ist schon ein gerüttelt Maß an Informationsehrlichkeit vorhanden. Das fehlt mir bei Audi."

Technik-Probleme in der Danner-Analyse: Wo hackt es bei Audi?

Aber egal, wie vage die offiziellen Erklärungen sind: Audi kann nicht vertuschen, dass es eine lange Problemliste gibt. Als genauer Beobachter der Szene und vor allem als deutscher Motorsport-Enthusiast legt Danner ein besonderes Augenmerk auf die Formel-1-Neueinsteiger. Er hat eine Vermutung, in welchen Bereichen sich die größten Baustellen verstecken.

"Es ist entweder die Hydraulik oder das Getriebe", mutmaßt der Experte. Das würde vor allem die Starts betreffen, die eine bekannte Schwachstelle des R26 sind. Bei jedem Start, den Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto absolvierten, verloren sie Plätze. Die einzige Ausnahme war Bortoleto beim Rennen in Miami, als er der Letzte in der Startaufstellung war und somit nicht noch weiter nach hinten fallen konnte.

"Ich bin immer dann besonders schlecht gestartet, wenn der erste Gang zu lang war. Ich kann mir vorstellen, dass das ein banales Problem in dem Getriebe ist", vermutet der ehemalige Formel-1-Pilot. Unterstützt wird seine These dadurch, dass sich die beiden Audi-Piloten schon mehrmals über eine ruckelige Gangschaltung beschwerten. Hülkenberg musste in Miami in Runde sieben abstellen, weil sein R26 im ersten Gang stecken blieb.

"Das Seamless-Shift-Getriebe, also eines mit weichen Schaltvorgängen, bei denen die Hinterachse nicht belastet wird, ist vielleicht noch nicht in Perfektion beherrscht", so Danner. Dass es an dieser Stelle Probleme gibt, wundert ihn aber nicht. Schließlich haben die anderen Teams einen Jahrzehnte langen Entwicklungsvorsprung, während Audi sich in seinem ersten F1-Jahr erst finden muss. "Ferrari oder Mercedes, die bauen seit zwölf Jahren solche Getriebe. Das ist eine ganz spezielle Technologie, die zu meistern ist. Das heißt nicht, dass sie [Audi, Anm. d. Red.] das nicht können", legt der Experte nach.

Kann Audi das Hydraulik-Problem beheben? Danner: Wird dauern!

Dann ist da noch die Hydraulik. Schon länger wird im Fahrerlager spekuliert, dass Audis Zuverlässigkeitsprobleme darauf zurückzuführen sind. Für Christian Danner war klar, dass es sich um ein Problem in diesem Bereich handelt, als Hülkenbergs R26 auf dem Weg zur Sprint-Aufstellung in Miami plötzlich am Heck brannte: "Für mich war das Hydraulikflüssigkeit auf dem Auspuff, wie es eigentlich immer ist. Irgendein Öl, und da es der Motor nicht war, tippe ich auf Hydraulikflüssigkeit, ohne es zu wissen."

Nico Hülkenbergs Audi brennt aus dem Auspuff
Der R26 mit der Nummer 27 brannte in Miami spektakulär, Foto: IMAGO / Action Plus

Als eigenes Werksteam müssen die Ingolstädter seit diesem Jahr ihr ganzes System zum ersten Mal selbst bauen. Über die Hydraulik wird im Auto von Bremsen über Lenkung bis hin zum Getriebe viel gesteuert oder umgesetzt. Eine Fehlentwicklung könnte Probleme in fast allen Bereichen des R26 verursachen.

"Man kann da was ändern, aber ganz leicht ist es nicht. Das könnte schon eine Zeit dauern", zweifelt der Experte. "Aber das heißt nicht, dass man das nicht lösen kann. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass Audi das hinkriegen wird. Aber im Moment sind sie noch nicht so weit."