Christian Danner ist 'Der' Motorsport-Experte in Deutschland. Mehr als 20 Jahre kommentierte er bei RTL die Formel 1, 2024 ist er beim Comeback des Kölner Privatsenders wieder mit dabei. Aber nicht nur dort: Danner analysiert auch im neuen AvD-Motorsport-Magazin, das in diesem Jahr an den Start geht. Die jüngeren Zuschauer kennen vor allem den Experten, doch was steckt hinter der Expertise? Der Ex-Formel-1-Pilot lässt mit Motorsport-Magazin.com die wilden Zeiten seiner Karriere und die schönste Zeit der Formel 1 aufleben.

Die Faszination Motorsport erklärt Christian Danner ganz einfach: "Es ist das grundsätzliche Bestreben aller Beteiligten, nicht nur des Fahrers, schneller zu sein als der andere. Das klingt vielleicht jetzt ein bisschen komischer oder einfach", fügt er hinzu, "ist aber ein faszinierendes Thema, weil jeder Mechaniker, jeder Ingenieur, jeder Team Principal und natürlich letztendlich auch jeder Sponsor, der da involviert ist, diesen unglaublichen Drive hat, schneller zu sein. Und das ist toll, wenn man das natürlich aus Fahrerperspektive ein bisschen zu verantworten hat. Das hat mich immer fasziniert und das hat auch nie nachgelassen."

Danner selbst hat eine beeindruckende Karrierelaufbahn als Rennfahrer hinter sich. Am Beginn seiner Karriere startete er im Renault-5-Cup, bevor er am Beginn der 80er in die Formel 2 aufstieg. Bevor es ihn in die Formel 1 zog, startete er bei der Formel-3000-Europameisterschaft und beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Christian Danner 1986 auf der Rennstrecke in Ungarn, Foto: Sutton
Christian Danner 1986 auf der Rennstrecke in Ungarn, Foto: Sutton

Warum jede andere Sportart für Christian Danner keine Option gewesen wäre? Warum unbedingt der Motorsport? Er hat darauf eine klare Antwort: "Es ist einfach das schneller sein innerhalb natürlich gesetzter Regeln. Aber wie schaffe ich das? Wie kann ich mich innerhalb der Regeln weiter verbessern? Und wie kann ich die Motivation, die Energie vor allem auch aufbringen, doch noch ein bisschen besser, ein bisschen schneller zu fahren?", fährt er fort. " Auch wenn ich nicht der Erste bin, dann will ich zumindest der Beste sein innerhalb des Rahmens, der mir gesetzt und gesteckt ist", erklärt Danner im Video-Interview, das ihr vollständig hier anschauen könnt:

Christian Danner: Selbst die besten F1-Autos waren kriminell!: (23:14 Min.)

Der Bayer war damals gemeinsam mit Rennfahrergrößen wie Ayrton Senna, Alain Prost und Nelson Piquet auf der Strecke. Er selbst musste mit technisch unterlegenem Material antreten und konnte nicht um Podien mitfahren. Dennoch waren für ihn die 80er die beste Ära, um in der Formel 1 zu fahren: "Die Zeit war erstens natürlich objektiv großartig. Sie war unreguliert. Wir haben uns sehr viel Freiheiten genommen, indem wir das, auf was wir Lust hatten, gemacht haben, ohne dass einer nachgefragt hat. Es gab sehr viel Freiräume, die es heute nicht mehr gibt. Jeder merkt ja heutzutage alles und überall und jeder ist greifbar und sichtbar. Das war damals nicht so."

Aber auch die technische Komponente war für Danner ein Pluspunkt: "Das reine Fahren war insofern natürlich auch toll, weil die Autos unglaublich schwierig zu fahren waren. Mir kam es erst vor kurzem wieder, als ich On-Board-Videos gesehen habe - selbst die besten Autos waren echt kriminell."

Christian Danner: Selbst die besten F1-Autos waren kriminell!: (23:14 Min.)

Lifestyle und Autos: 80er die beste Formel-1-Ära

Ob aktuelle Rennfahrer gern mit ihm getauscht hätten? "Es gibt viele aktuelle Kollegen, die sagen, ja, also in den 1980ern Formel-1-Fahrer, das wäre ich gerne gewesen", verrät er uns. Auf unsere Nachfrage, des Lifestyles oder der Autos wegen, meint er charmant: "Ich glaube beides."

Die Grid Girls, die in der Startaufstellung und bei Siegerehrungen weltweit ihre Auftritte hatten, waren eine Attraktion. "Sie waren sehr präsent und auch, ich sag mal, sehr charmant und auch immer wieder gerne bereit zur Kommunikation", so der MSM-Experte. "Also ich hatte gegen die Grid Girls nichts einzuwenden. Da konnte man schon mal hinschauen", meint Christian Danner, der die jungen Damen gerne wieder in der Formel 1 sehen würde. "Das gehört dazu und ist auch überhaupt nicht diskriminierend. Die fanden es super, weil man in der Startaufstellung steht, es war toll, hinterher ist man wieder heimgegangen, alles war toll."

Christian Danner vor dem Start mit zwei jungen Damen, Foto: Sutton
Christian Danner vor dem Start mit zwei jungen Damen, Foto: Sutton

Die großen Erfolge blieben in der Königsklasse mangels konkurrenzfähigen Materials aus. Bei 35 Grands Prix für Zakspeed, Osella, Arrows und Rial reichte es aber immerhin für vier WM-Punkte - in einer Zeit, als Punkte noch nicht inflationäre vergeben wurden. Nur die ersten Sechs bekamen Zähler.

Von seinen Qualitäten als Fahrer ist Danner überzeugt, aber im Vergleich mit den Größten des Sports gibt er zu: "Ich kann ganz klar sagen, in meiner Zeit war ich als Fahrer gut genug für ein paar Grand Prix-Siege mit dem richtigen Auto. Aber einen Senna? Keine Chance. Einen Prost? Keine Chance. Einen Mansell? Keine Chance. Einen Piquet? Der war oft unkonzentriert, aber in seinen Prime Days auch keine Chance. Dem jungen Rennfahrer Danner fiel das noch schwer einzusehen: "Danach kann man das aber sehr wohl sagen. Da muss man ehrlich sein und so ehrlich bin ich."

Dennoch blickt er auf eine tolle Karriere zurück: "Ich habe so viele schöne Rennen gehabt. Ich würde mal sagen, eines meiner besten Rennen war sicher der Sieg beim Grand Prix de Pau in der Formel-3000." Neben den schönen Erinnerungen an diese Zeit, ist der Motorsport natürlich trotzdem kein ungefährlicher Sport. Unglaublich viel Zeit, Geld und Anstrengung fließen in die Vorbereitungen, bevor es dann heißt …

It's lights out and away we go!

Was geht einem Rennfahrer kurz bevor die Lichter ausgehen durch den Kopf? Hat man Respekt, dass vielleicht doch was passieren könnte, wenn 22 Verrückte gleich auf die erste Kurve zuschießen? "Das ist von Fall zu Fall sehr verschieden", schildert Danner. " Ich war immer froh, wenn ich endlich im Auto festgeschnallt war und losfahren konnte. Ich war einfach nur glücklich, dass ich jetzt hier einen Grand Prix fahren konnte", erinnert sich der Rennfahrer zurück.

Christian Danner 1987 beim Grand Prix von Frankreich, Foto: Sutton
Christian Danner 1987 beim Grand Prix von Frankreich, Foto: Sutton

Christian Danner hatte "mehr Glück als Verstand", wie er selbst sagt und war nur ein einziges Mal in einen richtig ordentlichen Unfall verwickelt. "Da hat sich einer gedreht und hat dann die Bremse gelöst und ist mir dann direkt vor das Auto gefahren. Da hat es schon ordentlich gekracht. Da habe ich mir das Genick gebrochen. Ein Haarriss zwar nur, aber das war langwierig, bis das alles funktioniert hat. Da hast du dann fast Lähmungserscheinungen. Das war ziemlich unangenehm." Den Unfall erlitt er bei einem Tourenwagenrennen.

Danner noch heute im Cockpit - und bei MSM

Der ehemalige Rennfahrer denkt aber nicht daran das Cockpit zu meiden. "Solange man fit genug ist und ich sag mal auch bereit ist, mit Rennautos umzugehen, kann man diesen Sport relativ lange machen. Und das gilt auch für mich", erklärt Danner bestimmt. "Ich bin sehr, sehr gerne die Tourenwagenlegenden gefahren. Das werde ich auch mit großer Wahrscheinlichkeit wieder machen. Das macht einfach einen wahnsinnigen Spaß", blickt er in die Zukunft.

In naher Zukunft findet auch schon der Saisonauftakt der Formel 1 in Bahrain statt, wie ihr in unserem Rennkalender nachsehen könnt. Und ihr könnt euch freuen: Das AvD Motorsport Magazin mit Christian Danner gibt es ab sofort nach jedem Formel-1-Wochenende auf unserem YouTube-Hauptkanal.