Die Formel 1 fährt in Singapur erstmals verpflichtend mit Klimaanlagen. Seit dieser Saison müssen die Teams solche Systeme einsatzbereit haben. Bislang wurde der sogenannte Hitze-Index, bei dem der Einsatz verpflichtend ist, noch bei keinem Rennen überschritten.

Für Singapur hat der offizielle Meteorologiedienst der FIA erstmals die Überschreitung gemeldet. Das muss schon vor dem Wochenende passieren, weil Umbauarbeiten an den Autos nötig sind und das Mindestgewicht entsprechend angepasst wird.

Der Grenzwert für das Hitze-Risiko liegt bei einem sogenannten Hitze-Index von 31,0 °C. In diesen Index fließt nicht nur die Temperatur ein, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, die in Singapur extrem hoch ist. Beim Nachtrennen werden noch immer Umgebungstemperaturen von knapp 30 °C bei gut und gerne 80 Prozent Luftfeuchtigkeit erreicht.

Formel-1-Klimaanlage besteht aus zwei Einheiten

Die Formel-1-Klimaanlage, im Reglement als 'Driver Cooling System' bezeichnet, besteht aus zwei Teilen: Eine Einheit ist im Auto verbaut und kühlt eine Flüssigkeit. Bei Mercedes sitzt diese Einheit zum Beispiel hinter der Pedaliere im Cockpit, bei Williams unter dem Sitz. Die zweite Einheit trägt der Fahrer: Durch ein feuerfestes Unterhemd verlaufen Schläuche, durch die die gekühlte Flüssigkeit läuft.

Neue Kühlwesten der Formel 1 (Rückseite)
Kühlschläuche sind direkt am feuerfesten Unterhemd angebracht, Foto: Chillout Motorsports

Für die Fahrzeugeinheit erlaubt das Reglement zwei unterschiedliche technische Lösungen. Ein Strom-betriebenes Gerät muss bei einer Umgebungstemperatur von 40 °C kontinuierlich mindestens 200 Watt Wärme ableiten können. Ein System, das gespeicherte Wärmeenergie nutzt, muss über eine Reserve von mindestens 1,1 MJ verfügen, berechnet bei einer Endspeichertemperatur unter 10 °C.

Durch den verpflichtenden Einsatz der Klimageräte steigt das Mindestgewicht an diesem Wochenende in Trainings und Qualifying um 2 Kilogramm, im Rennen sogar um 5 Kilogramm. Nach dem Grand Prix muss nach dem F1-Reglement somit jedes Auto mindestens 805 Kilogramm auf die Waage bringen.

Mercedes und Williams hatten Formel-1-Klima schon im Einatz

Während der Einbau der Anlage im Auto verpflichtend ist, ist noch unklar, ob sie auch alle Fahrer nutzen werden. Denn die Kühlweste empfinden einige Piloten als unbequem. Wer sich gegen den Einsatz entscheidet, muss ein Zusatzgewicht von 0,5 Kilogramm einkalkulieren. Mercedes arbeitet an einer eigenen Kühlweste, um den Fahrern mehr Komfort zu bieten.

Mercedes und Williams fuhren in dieser Saison schon freiwillig mit Klimaanlage. In Saudi-Arabien setzten beide Teams ihre Lösungen ein, obwohl der Hitze-Index nicht getriggert wurde. Viele Teams können das nicht ohne sportlichen Nachteil, weil sie mit Klimaanlage das Mindestgewicht von 800 Kilogramm sonst nicht erreichen würden.

Anschlüsse für das Kühlsystem
Williams fuhr schon in Saudi-Arabien mit Kühlsystem: Hier sind die Anschlüsse der Weste zu sehen, Foto: Motorsport-Magazin.com

Formel-1-Fahrer verlieren bis zu 5 Kilogramm

Singapur zählt für die Piloten zu den anstrengendsten Rennen der Formel 1. Auf dem langsamen Kurs, auf dem es kaum Verschnaufpausen gibt, dauert der Grand Prix oftmals zwei Stunden. Die Grenze für Formel-1-Rennen liegt bei zwei Stunden Fahrzeit.

Deshalb bereiten sich die Fahrer gezielt auf das Rennen in Singapur vor und trainieren sogar in der Sauna. Gewichtsverluste von bis zu fünf Kilogramm durch Dehydrierung sind im Rennen möglich. Demgegenüber steht eine Trinkflasche im Auto, die nur etwa einen Liter fassen kann. Die Fahrer versuchen, den Flüssigkeitsverlust durch die Zunahme von Elektrolyten möglichst gut zu kompensieren.

Zu einem großen Thema wurde die Hitze-Gefahr beim Katar GP 2023. Bei hohen Temperaturen und extremer Luftfeuchtigkeit klagten fast alle Fahrer über die körperliche Belastung. Logan Sargeant musste sogar aufgeben.

Heiß wird es übrigens auch im WM-Kampf. Warum in Singapur eine Vorentscheidung fällt, wie die restliche Saison verläuft, erfahrt ihr im Video:

McLaren-Angst vor Verstappen? Sind Piastri und Norris WM-reif? (38:51 Min.)