BMW hat sich die Pole Position für die 94. Auflage der 24 Stunden von Le Mans gesichert - allerdings erst im Nachgang! Wenige Minuten nach dem Ende des Hyperpole-Qualifyings wurde dem vermeintlichen Pole-Setter - Cadillac-Pilot Jack Aitken - die schnellste Rundenzeit gestrichen und der Brite mit seinem #38 Jota-Cadillac vom ersten bis auf den zehnten Platz zurückgeworfen.
Es herrschte pure Verwirrung in der Abenddämmerung von Le Mans: Aitken und seine Teamkollegen Earl Bamber und Sebastien Bourdais hatten sogar schon auf dem Podium gejubelt, bis das Team die Hiobsbotschaft erreichte. Aitken wurde die schnellste Runde gestrichen, weil er zum Start der Session nicht die Anweisungen des Rennleiters beachtet hatte: Er bog in der Boxengasse aus der Working Lane in die Fast Lane ein, bevor es ihm erlaubt war...
Qualifying in Le Mans: Krimi verkommt zur Farce
Damit verkam ein echter Krimi um die Pole zur Farce: Aitken hatte sich zuvor mit wahnsinnigen fünf Tausendstelsekunden Vorsprung (!) im letzten Moment den ersten Platz geschnappt und BMW-Fahrer Dries Vanthoor auf die zweite Position verdrängt. Nach der Hängepartie kann nun BMW-Rakete Vanthoor mit seinen Teamkollegen Kevin Magnussen sowie Raffaele Marciello jubeln. Für Cadillac wäre es ansonsten die zweite Pole in Folge bei den 24h Le Mans gewesen.
Aitken und Vanthoor fuhren eindeutig in ihrer eigenen Liga: Der jetzt Zweit- statt Drittplatzierte Will Stevens im zweiten Jota-Cadillac mit der #12 (Stevens, Nato, Deletraz) hatte 0,514 Sekunden Rückstand. Antonio Felix da Costa im #35 Alpine (Habsburg, Milesi, Felix da Costa) folgte an dritter Stelle, dahinter belegte Robin Frijns im zweiten BMW M Hybrid V8 Platz vier. Der Niederländer teilt sich die #20 mit den beiden DTM-Champions Rene Rast und Sheldon van der Linde.
Genesis gelingt Überraschung bei Debüt in Le Mans
Hinter dem Fünftplatzierten Filipe Albuquerque im #101 Wayne-Taylor-Cadillac sorgte Genesis Magma Racing-Pilot Paul-Loup Chatin mit P6 für eine echte Überraschung: Der neue Hersteller in der WEC schaffte es mit beiden Autos in die Hyperpole 2 und konnte sich über die Startplätze sechs und neun durch Chatin sowie Andre Lotterer freuen.
Damit belegten ausschließlich Prototypen der Kategorie LMDh mit Einheitshybrid die Plätze in den Top-7. Das bestplatzierte LMH-Hypercar war auf P8 der #009 Aston Martin Valkyrie in den Händen von Roman de Angelis.
Vorjahressieger Ferrari chancenlos
Mit dem #51 Weltmeister-Ferrari und James Calado schaffte nur einer der drei Renner aus Maranello den Sprung in die Hyperpole 2 und dort auf Platz acht. Markenkollege Antonio Fuoco im #50 Werks-Ferrari war bereits in der 20-minütigen Hyperpole 1 rausgeflogen und belegte den zwölften Platz. Der Vorjahressieger-Ferrari um Robert Kubica hatte es unterdessen nicht einmal in die heutige Hyperpole-Session geschafft, schied im Qualifying am Mittwoch vorzeitig aus und nimmt den 17. Platz in der Startaufstellung ein.
Die beiden Toyota TR010 Hybrid schieden bereits in der Hyperpole 1 aus und belegten die Plätze 14 und 15 in den Händen der Japaner Kamui Kobayashi und Ryo Hirakawa - ihr Rückstand betrug mehr als 1,2 Sekunden. Die LMH-Hypercars von Toyota teilen sich die hinteren Startplätze mit 'Leidensgenosse' Peugeot: Beide 9X8 fuhren im Qualifying am Mittwoch chancenlos hinterher und verpassten den Hyperpole-Einzug; ausgerechnet am 100. Geburtstag seit dem ersten Le-Mans-Start der Franzosen.
LMGT3-Klasse: Aston Martin wieder auf Pole - Logan Sargeant rausgekickt
In der LMGT3-Kategorie setzte sich Mattia Drudi im #27 Aston Martin Vantage GT3 von The Heart of Racing durch und eroberte seine zweite Le-Mans-Pole in Folge. Nachdem dem Aston-Werksfahrer im finalen Hyperpole-Qualifying die erste schnelle Runde wegen Track Limits aberkannt worden war, legte er mit seinem zweiten Run nach und schrieb eine 3:52.433 an. Drudis Vorsprung auf den Zweitplatzierten Alessio Rovera im #21 AF-Corse-Ferrari betrug 0,979 Sekunden. Jose Maria Lopez führte den #87 Akkodis-Lexus zu P3, gefolgt von Jack Hawksworth im zweiten GT3-Lexus.
Die beiden BMW M4 GT3 Evo von WRT belegten durch Sean Gelael und Parker Thompson die Plätze fünf und sechs. Der bestplatzierte Porsche 911 GT3 R von Vorjahressieger Manthey hatte sich für die Hyperpole 2 qualifiziert, kam aber nicht über P9 hinaus. Der zweite Neunelfer war bereits in der Hyperpole 1 ausgeschieden und musste sich mit dem 15. Platz begnügen.
Der frühere Formel-1-Fahrer Logan Sargeant verpasste den Sprung in die Hyperpole 2 knapp und bescherte dem #88 Ford Mustang GT3 von Proton den elften Startplatz. Der US-Amerikaner wurde ausgerechnet von Teamkollege Seb Priaulx im zweiten Proton-Mustang rausgeworfen, nachdem der britische Ford-Werksfahrer in letzter Minute in die Top-10 vorgedrungen war.
Hinter Sargerant belegten die beiden Mercedes-AMG GT3 von Iron Lynx mit Julian Hanses respektive Rui Andrade am Steuer die Plätze zwölf und 13. Der dritte Iron-Lynx-AMG schied bereits im Qualifying am Mittwoch aus.
In der LMP2-Kategorie ging die Pole Position an Toyota-Nachwuchshoffnung Esteban Masson in der #29 von Panis Racing. Job van Uitert im #28 LMP2 von IDEC Sport und der frühere Formel-1-Fahrer Jack Doohan (#24 Nielsen Racing) fuhren auf die Plätze zwei und drei.
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