Bei Peugeot herrscht riesengroßer Frust nach dem Qualifying zu den 24 Stunden von Le Mans (13.-14. Juni 2026). Die beiden Hypercars verpassten am Mittwochabend den Einzug ins heutige Hyperpole-Qualifying (20:00-22:00) und schieden vor heimischem Publikum sang- und klanglos aus. Eine böse Klatsche für den französischen Autobauer, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum seit dem ersten Start in Le Mans begeht.
Die Rückstände der beiden Peugeot 9X8 waren dramatisch: Der frühere Formel-1-Pilot Stoffel Vandoorne landete mit 1,8 Sekunden Abstand zu Spitzenreiter Ferdinand Habsburg (Alpine) auf Platz 16. Markenkollege Malthe Jakobsen belegte mit einem Rückstand von mehr als 2,5 Sekunden den 18. und damit letzten Rang im Hypercar-Feld. Den Vorjahressieger-Ferrari von AF Corse auf P17 erwischte es ebenfalls. Im Qualifying galt es, einen Platz unter den Top-15 zu erreichen, um sich für die Hyperpole zu qualifizieren.
Peugeot verliert zwei Zehntel pro Kilometer in Le Mans
"Natürlich ist es extrem frustrierend, wenn man mit einem Auto, das in Imola und Spa um die Pole Position kämpfen konnte, bei unserem Heimrennen plötzlich zwei Zehntelsekunden pro Kilometer auf die Spitze verliert", sagte der neue Peugeot-Teamchef Emmanuel Esnault. Zur Erinnerung: Beim vorangegangenen WEC-Rennen in Spa hatte der junge Däne Jakobsen dem Peugeot-Werksteam die erste Pole Position in der Langstrecken-WM beschert.

Jetzt in Le Mans, dem mit Abstand wichtigsten Rennen des Jahres, erfolgte der nächste Rückschlag für die Peugeot-Mannschaft. Esnaults Erklärung, wie es für die Peugeot-Hypercars derart bergab gehen konnte, fiel kurz aus und sprach trotzdem Bände: "Wir sind in der Langstrecken-Weltmeisterschaft..."
Ein indirekter und für Insider dennoch deutlicher Hinweis auf die Balance of Performance, mit der man bei Peugeot alles andere als glücklich sein dürfte. Die BoP-Daten werden der Öffentlichkeit inzwischen verheimlicht. Aus unterschiedlichen Quellen haben wir allerdings erfahren, dass Peugeot nach den starken Auftritten in Imola und vor allem Spa mit der Pole mehr Gewicht ins Auto packen musste und zudem einen gewissen Leistungsverlust erfahren hat.
Peugeot-Teamchef: "So wollen wir keine Rennen fahren"
Ob die Peugeot in einem bestimmten Bereich des 13,626 Kilometer langen Circuit de la Sarthe Zeit verloren hätten? Esnault auch hier vielsagend: "Im Grunde betrifft es die gesamte Runde. Dabei ist es dasselbe Paket, dieselben Leute und dasselbe Auto wie bei den vergangenen beiden Rennen." Nur die BoP dürfte sich von Spa zu Le Mans verändert haben...
Esnault wollte die Qualifying-Performance mit Blick auf das lange Rennen nicht überbewerten, machte aber auch keine Freudensprünge: "Die Situation ähnelt der des vergangenen Jahres, auch, wenn der Rückstand kleiner als im vergangenen Jahr war. Natürlich können wir damit nicht zufrieden sein. Wenn man Rennfahrer ist und eine Marke wie Peugeot mit ihrer großen Motorsportgeschichte repräsentiert, dann ist das nicht die Art und Weise, wie wir Rennen fahren wollen."
Esnault wünscht sich Alfred-Hitchcock-Bedingungen
2025 belegte der bestplatzierte Peugeot 9X8 nur den elften Platz und die Franzosen kassierten eine weitere Pleite beim prestigeträchtigen Heimspiel. Diesmal hätte man vom Start aus den letzten Positionen "nichts zu verlieren", meinte Esnault, und fügte an: "Der wichtigste Punkt ist jetzt, von den hinteren Startplätzen aus zunächst einmal zu überleben. Zu überleben und opportunistisch zu sein. Wie immer müssen wir versuchen, alles bestmöglich umzusetzen und operativ fehlerfrei zu arbeiten."
Was Peugeot nach aktueller Einschätzung helfen würde, wäre vermutlich ein wetterbedingt chaotischer Rennverlauf mit Regenschauern. Danach sieht es allerdings nicht aus - ganz im Gegenteil: Das Rennen soll ab Samstag komplett trocken über die Bühne gehen bei Temperaturen von bis zu 30 Grad. Welche Wetterbedingungen sich Esnault wünschen würde? "Da müsste wohl Alfred Hitchcock helfen..."
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