BMW hat das 6-Stunden-Rennen der WEC in Sao Paulo gewonnen und seinen zweiten Sieg in der Langstrecken-WM gefeiert. Beim vierten Saisonrennen auf dem brasilianischen Formel-1-Kurs setzten sich Kevin Magnussen, Raffaele Marciello und Dries Vanthoor im #15 BMW M Hybrid V8 durch.
Für Ex-F1-Fahrer Kevin Magnussen und seine Teamkollegen war es der erste Triumph in der WEC, nachdem zuvor in Spa das Schwesterauto um Rene Rast, Sheldon van der Linde und Robin Frijns den Debütsieg für die Münchner eingesackt hatte. Das #20 BMW-Trio, das vor vier Wochen den zweiten Platz bei den 24 Stunden von Le Mans belegte, holte Platz sechs in Sao Paulo - nach Start von P16 und auch dank einer Off-Set-Strategie.
Kevin Magnussen ebnet Weg für zweiten BMW-Sieg in WEC
Schlussfahrer Dries Vanthoor überquerte den Zielstrich nach 243 Runden mit 2,254 Sekunden Vorsprung vor James Calado im #51 Ferrari. Pole-Setter Will Stevens (#12 Cadillac) komplettierte das Podium in einem Rennen, das von unterschiedlichen Strategien und zahlreichen Strafen geprägt war. Für die einzige kurze Unterbrechung sorgte eine frühe Full-Course-Yellow-Phase wegen herumliegender Teile auf der Strecke, ansonsten konnte munter Vollgas gegeben werden.
Der #15 BMW mit Startfahrer Magnussen hatte das Rennen bei der Cadillac-Doppelpole vom vierten Startplatz aufgenommen und zügig zwei Positionen gutgemacht. Die Vorentscheidung um den Rennsieg fiel schon während der ersten Boxenstopps nach einer Stunde: Der Polesetter-Cadillac mit der Startnummer #12 verlor wegen einer klemmenden Radmutter rund 20 Sekunden und damit die Führung. Der ebenfalls pfeilschnelle Schwester-Cadillac büßte ebenfalls Zeit ein, weil Earl Bamber seinen Boxenplatz nicht sauber angesteuert hatte.
Damit geriet der in Sachen Performance wohl größte Gegner für BMW frühzeitig ins Hintertreffen. Später kassierten die beiden Jota-Caddys obendrein je eine 5-Sekunden-Zeitstrafe in Folge von Kollisionen. Norman Nato im #12 Cadillac drehte sich zudem auf seiner Outlap nach einer durch Phil Hanson (#83 AF-Corse-Ferrari) verursachten Kollision.
Stevens führte die #12 schließlich zu Platz drei, direkt dahinter landete Jack Aitken im Schwester-Caddy. Kurz vor dem Rennende ordnete Jota-Cadillac einen internen Platztausch an, um dem vermeintlich schnelleren Aitken die Chance zum Angriff auf den Ferrari zu bieten. Weil das nicht funktionierte, wurde die ursprüngliche Ordnung wieder hergestellt.
Ferrari erobert Podium auf Angst-Strecke Interlagos
BMW-Schlussfahrer Vanthoor übernahm in Runde 201 die Führung, nachdem der #35 Alpine und der #51 Ferrari ihre Boxenstopps absolviert hatten. Der Belgier verlor den ersten Platz zwar noch einmal an Alpine-Pilot Charles Milesi, doch der musste wenig später einen zusätzlichen Stopp einlegen. Der #35 Alpine mit Ferdinand Habsburg sammelte zwar zahlreiche Führungsrunden ab der Rennhalbzeit, war aber von Beginn an auf einer alternativen Strategie unterwegs. Startfahrer Habsburg hatte sich nach einem schwachen Start - von Startplatz fünf zurück auf P11 - für einen extrem frühen Stopp entschieden, der den weiteren Verlauf der Crew prägte.
Ab Runde 213, rund 45 Minuten vor dem Rennende, war der Weg nach einem weiteren Stopp der #35 wegen eines Plattfußes endgültig frei für BMW-Ass Vanthoor. Der Zweitplatzierte Calado im #51 Ferrari kam zu keiner Zeit in Schlagdistanz, doch die Italiener dürften nach ihrem ersten Podesterfolg in Brasilien dennoch zufrieden sein: Interlagos galt bisher als Angst-Strecke für den Ferrari 499P.
Antonio Giovinazzi ebnete den Weg zum Podium mit einem starken Start von P11 und hatte später Glück, dass eine Kollision mit einem GT3-Auto folgenlos blieb. Selbst Teile einer Werbebande, die sich an der Frontpartie der #51 nach einem Mauerkuss von Calado breitmachten, warfen die Ferrari-Crew nicht zurück.
Robert Kubica lachender Dritter bei Ferrari-BMW-Kollision
Ansonsten hielten sich Calado und Co. schadlos, während der #50 Schwester-Ferrari eine frühe Durchfahrtstrafe (Speeding unter Full Course Yellow) kassierte, zehn Minuten vor Schluss wegen einer Kollision mit BMW-Fahrer Frijns drei Plätze verlor und nur den achten Platz belegte.
Der dritte Ferrari im Bunde, der gelbe #83 499P von AF Corse, mischte zu Beginn ordentlich vorne mit, fiel aber nach Hansons Kollision mit dem Cadillac sowie einer späten 10-Sekunden-Strafe (Kollision mit GT3-Aston-Martin) zunächst zurück. Schlussfahrer Robert Kubica war beim Kontakt zwischen der #50 und dem BMW der lachende Dritte und bekam den fünften Platz praktisch auf dem Silbertablett serviert.
Die beiden Aston Martin Valkyrie belegten die die Plätze sieben und neun, während Milesi im #35 Alpine die Top-10 komplettierte. Der Schwester-Alpine ging als Elfter leer aus. Peugeot und Genesis um Andre Lotterer spielten wegen mangelnder Pace und zahlreichen Strafen keinerlei Rolle. Ein befürchteter Regenschauer gegen Rennende blieb aus, nur vereinzelte Tropfen sorgten für ein wenig wetterbedingten Aufruhr.
Le-Mans-Sieger Toyota geht komplett unter
Toyota ging vier Wochen nach dem Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans komplett unter. Die Le-Mans-Sieger Conway, Kobayashi und De Vries belegten Platz zwölf im #7 TR010 Hybrid und kassierten auf dem Weg dorthin eine frühe Durchfahrtstrafe (Speeding). Kurios: Startfahrer Conway crashte auf dem Weg in die Startaufstellung und musste im Grid die Front wechseln lassen. Wegen eines Regenschauers in der Nacht präsentierte sich die Strecke zunächst feucht, aber zügig abtrocknend.
Der Schwester-Toyota verlor zwölf Runden in der Box wegen eines Wechsels von Aufhängungsteilen. Vorausgegangen war eine Kollision zwischen Brendon Hartley und Andre Lotterers Genesis (10-Sekunden-Zeitstrafe). Toyota fuhr wie im Vorjahr chancenlos hinterher und kam bereits im Qualifying nicht über die Startplätze 14 und 17 hinaus.
Das fünfte von geplanten acht Rennen - hinter Katar und Bahrain steht weiter ein Fragezeichen - in der WEC-Saison 2026 steigt am 06. September auf dem Formel-1-Kurs in Austin, Texas.
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