Wer in der Formel 1 Teamchef sein will, der muss ein gefestigter Charakter sein. Denn der Druck ist immens. In den letzten Jahren kam außerdem Auswechseln in Mode. Mit Christian Horners Aus steht jetzt fest: 9 Teams haben seit 2022 mindestens einmal getauscht. Manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg. Motorsport-Magazin.com dreht eine Runde auf dem Karussell.
Eins steht fest: In der modernen Formel 1 hat das Format des Privatteams mit Eigentümer als Teamchef keinen Platz mehr. Dienstältester Mann am Ruder ist mit Horners Abgang jetzt Toto Wolff, der 2013 bei Mercedes Motorsport-Chef wurde und offiziell auch als Teamchef des F1-Teams fungiert. Der Rest folgt mittlerweile dem Fußballtrainer-Prinzip.
Red Bull: Christian Horner muss endgültig gehen
2025 - Laurent Mekies statt Christian Horner
Vor Wolff war Horner der dienstälteste Teamchef der Formel 1 gewesen. Er hatte Red Bull praktisch aufgebaut und war quasi Alleinherrscher in Milton Keynes. Als solcher übersah er aber auch den Zerfall des Teams in den letzten zwei Jahren. So muss er weichen, Ex-Racing-Bulls-Teamchef Laurent Mekies übernimmt als CEO. Wahrscheinlich wird das Team mittelfristig Horners riesigen Aufgabenbereich auf weitere Personen verteilen.
McLaren: Andrea Stella wird zum F1-Goldgriff
2022 - Andrea Stella statt Andreas Seidl
McLaren hat nur einmal getauscht. Zu Saisonende 2022 nahm Andreas Seidl ein Angebot an, Audis F1-Projekt zu leiten. McLarens Sportchef Zak Brown ließ ihn ziehen, weil er vollstes Vertrauen in Andrea Stella hatte. Er hatte Stella, davor Einsatzleiter des F1-Teams, schon ein paar Jahre davor den Teamchef-Posten offeriert. Da hatte Stella ihn abgelehnt, Brown daraufhin Seidl geholt. Nun fühlte Stella sich mit ein paar Jahren mehr Erfahrung im Management unter Seidl bereit. Im folgenden Winter adaptierte er das technische Management des Teams, stellte die Führung neu auf, 2023 stieg McLaren in die Spitzengruppe auf. 2024 führt Stella McLaren zur Konstrukteurs-WM.
Ferrari: Wackelt jetzt auch Fred Vasseur?
2022 - Fred Vasseur statt Mattia Binotto
Mattia Binotto hatte Ferrari zwischen 2019 und 2022 komplett reorganisiert, doch im Titelrennen fiel das Team auf die Nase. Der Konzern verlor die Geduld, sägte an Binottos Stuhl und griff nach dem damaligen Sauber-Teamchef Fred Vasseur. Vasseur tauschte die sportliche Führung in Maranello aus, lockte Lewis Hamilton an, musste auf technischer Ebene Abgänge wegstecken. 2025 startete das Team nach einer WM-Challenge im Vorjahr schwach in die neue Saison. Prompt kursieren in italienischen Medien Gerüchte, wonach Vasseurs Vertrag nicht verlängert werden könnte.
Haas: Techniker Ayao Komatsu statt Netflix-Star Günther Steiner
2024 - Ayao Komatsu statt Günther Steiner
Günther Steiner hatte für Teameigentümer Gene Haas seit dem F1-Einstieg 2016 alles besorgt, und war in der Netflix-Serie 'Drive to Survive' ein kleiner Star geworden. Auf der Strecke hatte Haas aber permanente und oft lange Durchhänger. Daraufhin bekam Chefingenieur Ayao Komatsu 2024 das Ruder in die Hand gedrückt. Komatsu, ausgestattet mit Freibrief vom Chef, baute das Team komplett um. Technisch und sportlich ist die Führung komplett neu, die Team-Kultur ist neu, die Fahrer sind komplett neu, Toyota kam als Partner an Bord. Seither ist Haas im Aufwind, fast immer Punktekandidat, Updates sind häufiger, operativ schwächelt das Team jedoch immer noch.
Williams: James Vowles von Mercedes weggelockt
2022 - James Vowles statt Jost Capito
2020 hatte Dorilton Capital das ehemalige Familienteam gekauft und den Ex-VW-Sportchef Jost Capito an die Spitze gesetzt. Capitos Amtszeit war im Hintergrund von internen Kontroversen und Zweifel am Management-Stil begleitet. Letztendlich trennte man sich 2022. Als Nachfolger wurde Mercedes-Chefstratege James Vowles verpflichtet.
Vowles fand ein teils desolates Team vor, das etwa Ersatzteile noch mit Excel-Listen dokumentierte. Er holte einen neuen Cheftechniker, investierte Doriltons Geld groß, und überzeugte in einem sechs Monate langen Prozess mit Carlos Sainz einen Top-Fahrer zum Einstieg. 2025 holte Williams bislang 59 Punkte, doch das starke Auto legte teils massive operative Defizite offen, die in den schlechten Jahren untergingen. Vowles genießt aber ohne Zweifel volles Vertrauen.
Aston Martin: Wer kann ein Top-Team in der Formel 1 leiten?
2022 - Mike Krack statt Otmar Szafnauer
Nachdem Lawrence Stroll die brachliegende Mini-Mannschaft von Force India gekauft hatte, steckte er groß Geld in die Mannschaft. Mit dem langjährigen Teamchef Otmar Szafnauer war er sich nicht einig, Szafnauer musste Anfang 2022 gehen. Seinen Posten übernahm Mike Krack, vormals Leiter von BMW Motorsport. Krack übersah eine Reorganisation mit neuer Führung und der Ankunft von Fernando Alonso, wodurch man 2023 kurz zum Top-Team aufstieg. Dann aber 2024 wieder absackte.
2025 - Andy Cowell statt Mike Krack
Konsequenz war: Krack wurde zum Leiter der streckenseitigen Operationen degradiert. Der ehemalige Mercedes-Motorenchef Andy Cowell, ursprünglich als CEO geholt, übernahm als Teamchef. Mit Cowell an der Spitze soll die zweite komplette Umorganisation stattfinden, zeitgleich zur Ankunft von Design-Legende Adrian Newey als "Managing Technical Partner". Diese Reorganisation hat gerade erst einmal begonnen. Holprig, unter anderem wurde der neue Technik-Chef in einen Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Ferrari verwickelt.
Racing Bulls: Abhängung von der Red-Bull-Richtung
2024 - Laurent Mekies statt Franz Tost
Seit Jahren war das zweite Red-Bull-Team unter der Führung von Franz Tost gefahren. Bis sich Tost nach 2023 in den Ruhestand verabschiedete. Die Racing Bulls bekamen nun - um auch kommerziell eigenständiger zu sein - einen CEO mit Peter Bayer, und den ehemaligen Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies als Teamchef. Dieses neue Management organisierte zum einen eine neue Team-Identität, zum anderen eine neue sportliche und technische Leitung.
2025 - Alan Permane statt Laurent Mekies
Permane war Teil der sportlichen Umorganisation gewesen. Als Rennleiter ist er der Mann, der jetzt aufrücken muss, nachdem Mekies vom Konzern an die Spitze des Hauptteams berufen wurde.
Sauber: Stockender Vorlauf zum Audi-Einstieg
2022 - Alessandro Alunni Bravi statt Fred Vasseur
Vasseur war lange der große Boss bei Sauber gewesen. Als er zu Ferrari ging, stand zeitgleich aber schon fest, dass Sauber 2026 Audi-Werksteam werden würde. Der von McLaren kommende Andreas Seidl war aber CEO, nie Teamchef. Die Rolle wurde auf Alessandro Alunni Bravi, dem Juristen des Teams, abgeladen. In dieser Zwischenperiode blieb das Rennteam zurück - und fiel auch immer weiter zurück.
2024 - Mattia Binotto statt Alessandro Alunni Bravi
2025 - Jonathan Wheatley statt Mattia Binotto
2024 räumte Audi das Management nach internen Querelen komplett auf. Man bevorzugte einen klaren Schnitt. Ex-Ferrari-Teamchef Mattia Binotto wurde neuer Projektleiter. Interimistisch auch Teamchef, denn der von Red Bull abgeworbene ehemalige Sportdirektor Jonathan Wheatley musste bis April 2025 eine Sperrfrist absitzen. Binotto begann die Strukturen zu festigen und neue Leute für das zurückgebliebene operative Geschäft zu holen. Auch betrieb er die Verpflichtung von Gabriel Bortoleto als Rookie neben Nico Hülkenberg. Mit Wheatley bemüht er sich jetzt eine Top-Team-Mentalität zu installieren.
Alpine: Die absolute F1-Teamchef-Hölle
2022 - Otmar Szafnauer statt Marcin Budkowski
2023 - Bruno Famin statt Otmar Szafnauer
2024 - Oliver Oakes statt Bruno Famin
2025 - Flavio Briatore statt Oliver Oakes
2025 - Steve Nielsen statt Flavio Briatore
Wo beginnt man am besten? Es ist eine chaotische Aneinanderreihung. Marcin Budkowski stand 2021 einer unklaren Führung nach der Entlassung von Cyril Abiteboul vor. Otmar Szafnauer kam daraufhin von Aston Martin, doch was er für das Team forderte, war nicht das, was sich die Konzernspitze von Renault vorstellen konnte. Obendrauf wurde Szafnauer das Gesicht des Verlustes von Nachwuchs-Star Oscar Piastri. Er musste gehen. Alpine-Sportchef Bruno Famin übernahm erst interimistisch, dann auf Vollzeit-Basis.
Unter Famin war der Saisonstart ein Desaster. Daraufhin wurde die komplette Technik-Führung ausgetauscht. Zeitgleich holte der Konzernchef Luca de Meo aber Ex-Teamchef Flavio Briatore als Berater aus dem Exil. Famin musste im Sommer seinen Posten räumen, während Briatore den F2-Teamchef Oliver Oakes an Bord holte. Mit Oakes' Unterstützung folgten im Winter Adaptionen des letzten Managements.
Dann reichte Oakes inmitten mehrerer Kontroversen seinen Rücktritt ein. Briatore übernahm interimistisch den Posten, während sein Konzern-Fürsprecher Luca de Meo im Juli Renault verließ. Für 1. September ist die Ankunft von Steve Nielsen als de-facto-Teamchef unter Briatore geplant.



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