Red Bull setzt Christian Horner vor die Tür - und sucht sich konzerninternen Ersatz. Nach Horners sofortiger Entlassung am Mittwoch zieht Laurent Mekies in Milton Keynes ins Chef-Büro ein. Mekies war seit 2024 eigentlich Teamchef des Schwesterteams Racing Bulls gewesen. Hat aber in seiner bereits langen Formel-1-Karriere einen durchaus illustren Lebenslauf hinter sich, inklusive Ferrari.

Der heute 48-jährige Mekies begann seine Motorsport-Karriere im Jahr 2000 in der Formel 3, landete aber schon ein Jahr später bei Asiatech, dem Nachfolger des F1-Projekts von Peugeut und Lieferant der Formel-1-Teams Arrows und später Minardi. Dann sperrte Asiatech zu - und Minardi bot Mekies einen Job auf Chassis-Seite an. Ab 2003 fungierte er bei Minardi, dem direkten Vorgänger der Racing Bulls, als Ingenieur, bald auch als Renningenieur.

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Auch nachdem Red Bull das Team 2005 kaufte und in Toro Rosso umbenannte, stieg Mekies in der Ingenieurs-Hierarchie immer weiter auf. Mit Toro Rosso erlebte er unter anderem den Sensationssieg von Sebastian Vettel 2008 in Monza. Dann verließ er auf der Suche nach einer neuen Herausforderung den Red-Bull-Kosmos. Um ein F1-Regelhüter zu werden. Nach 2014 wurde er beim Automobil-Weltverband FIA als Direktor für Sicherheit engagiert. Dort arbeitete er unter anderem intensiv an der Einführung des Cockpit-Schutzes Halo, und war stellvertretender F1-Rennleiter unter Charlie Whiting.

2018 klopfte Ferrari an und wollte ihn als Sportdirektor - quasi zweiter Mann im operativen Geschäft unter dem Teamchef. Mekies hielt die Position durch die ganze Ära von Teamchef Mattia Binotto, und blieb auch anfangs unter Fred Vasseur als stellvertretender Teamchef an Bord. Dann jedoch bekam er die Chance, zu seiner alten F1-Heimat Faenza zurückzukehren und dort den Langzeit-Teamchef Franz Tost zu ersetzen.

Christian Horner (Red Bull), Pierre Wache und Laurent Mekies (Racing Bulls) im F1-Paddock in Montreal (Kanada); Portrait
Christian Horner, Red-Bull-Technikchef Pierre Wache und Mekies im Gespräch, Foto: Imago / IPA Sports

Ab 2024 bildete Mekies bei den Racing Bulls dann eine Doppelspitze mit CEO Peter Bayer. Bayer als geschäftlicher Leiter, Mekies als Mann für das Rennteam. Zusammen strukturierten sie das davor für mehrere Jahre als AlphaTauri bekannte Team um, und zeichneten sich auch für Reorganisationen etwa im Technik-Bereich verantwortlich.

Mit Mekies holt Red Bull nun also einen Mann ins Hauptteam, der so ziemlich alle Aspekte der Formel 1 bereits kennt. Er war Ingenieur, er musste als Sportdirektor das Regelbuch in- und auswendig kennen, er sah auch die andere Seite mit der FIA von innen, und in den letzten eineinhalb Jahren sammelte er neben Bayer bei den Racing Bulls Erfahrungen im Management. Ihn intern also ins Hauptteam zu holen war ganz klar die simpelste Lösung, um Christian Horner zu ersetzen.

Alan Permane: Ex-Alpine-Mann folgt Laurent Mekies bei den Racing Bulls

Mekies hinterlässt zugleich bei den Racing Bulls eine Lücke. Die wird vom bisherigen Sportdirektor Alan Permane aufgefüllt. Permane ist ein richtiges F1-Urgestein. Er begann 1989 in Enstone bei Benetton, dem heutigen Alpine, als Ingenieur. Ab den 90ern arbeitete er als Renningenieur, und stieg dann im Ingenieurswesen immer weiter auf.

Racing-Bulls-Teamchef Laurent Mekies im Gespräch mit Rennleiter Alan Permane
Mekies im Gespräch mit Permane, Foto: IMAGO / HochZwei

2013 wurde ein Funkspruch von Permane, nunmehr sportlicher Leiter des zu dem Zeitpunkt als Lotus bekannten Enstone-Teams, kurz berühmt. Als der damalige Lotus-Fahrer Kimi Räikkönen sich bei einer Teamorder sperrte, griff der genervte Permane selbst wieder zum Funk: "Kimi, get out of the fucking way!"

Permane blieb bis 2023 als Sportdirektor in Enstone und überstand dort mehrere Umstrukturierungen. Erst dann verließ er das nun als Alpine firmierende Team, um bei den Racing Bulls in Faenza Rennleiter und die operative Nummer zwei unter Mekies zu werden. Mit Mekies' Abgang rückt Permane erstmals in seiner 36-jährigen Formel-1-Karriere in die Teamchef-Rolle auf.