Am Mittwoch nach dem Heimrennen in Silverstone gab es bei Red Bull den großen Knall. Wie der Rennstall in einer Pressemitteilung verkündete, muss Teamchef Christian Horner gehen. Damit verabschiedet sich der dienstälteste Teamchef der Formel 1. Horner leitete Red Bull Racing seit Übernahme des Jaguar-Teams durch den Energydrink-Giganten in der Saison 2005.
Bei Red Bull übernimmt jetzt Laurent Mekies die Leitung. Der Franzose steigt vom Schwesterteam Racing Bulls auf, welches der ehemalige Ferrari- und FIA-Mann seit Anfang 2024 leitet. Die vakante Stelle in Faenza wird von Alan Permane, dem bisherigen Renndirektor ausgefüllt.
"Wir würden uns gerne bei Christian Horner für seine herausragende Arbeit über die letzten 20 Jahre bedanken", lässt Red Bulls zuständiger Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in einem knappen Statement wissen. "Mit seinem unermüdlichen Einsatz, seiner Expertise und seinem innovativen Denken war er ein Schlüssel im Etablieren von Red Bull Racing als eines der erfolgreichsten und attraktivsten Teams der Formel 1. Danke für alles, Christian, und du wirst für immer ein wichtiger Teil unserer Geschichte bleiben."
Horners Entlassung kommt für viele nicht überraschend. In der Konstrukteurs-WM ist Red Bull Racing in dieser Saison auf Platz vier abgerutscht. Max Verstappen hat zur Halbzeit allenfalls noch Außenseiterchancen auf die Titelverteidigung.
Verstappen-Gerüchte bringen Horner endgültig in Gefahr
Die sportliche Talfahrt heizte zuletzt auch immer wieder Gerüchte über einen möglichen Wechsel von Verstappen zu Mercedes an. Eigentlich ist der amtierende Formel-1-Weltmeister noch bis einschließlich 2028 an Red Bull gebunden, doch zuletzt gab sich der Niederländer auffallend wenig Mühe, Gerüchte über einen Wechsel zur Saison 2026 zu dementieren. Die Gerüchte wurden von Mercedes-Teamchef Toto Wolff höchstpersönlich befeuert.
Der Abstieg von Red Bull Racing gepaart mit dem drohenden Verstappen-Abschied ist für die Konzernbosse nun Grund genug, Horner als Teamchef zu entlassen. Der Abschied kommt nach turbulenten anderthalb Jahren, in denen Horner immer wieder zur Diskussion stand.
Eine Affäre rund um den Teamchef vor dem Saisonstart 2024 führte zu öffentlichem Druck und internen Machtkämpfen. Weil sich die thailändischen Red-Bull-Bosse hinter Horner stellten, stand auch Motorsportberater Dr. Helmut Marko zur Diskussion. "Der Anfang vom Ende", titelte das Motorsport-Magazin in seiner Print-Ausgabe.
Sportlicher Niedergang & Grabenkämpfe mit Verstappen werden zu viel
Die internen Grabenkämpfe gingen mit dem sportlichen Niedergang 2024 einher. Nach der dominantesten Formel-1-Saison der Geschichte startete der Rennstall noch furios in die Saison 2024. Nach und nach geriet das Team aber immer weiter ins Hintertreffen. Verstappen rettete seinen Vorsprung noch über die Linie, in der Konstrukteurs-WM fiel man aber auf den dritten Platz zurück.
Immer wieder goss vor allem Jos Verstappen, der Vater von Max Verstappen, Öl ins Feuer. Der Niederländer stellte sich öffentlich gegen Teamchef Christian Horner, während Max Verstappen so gut wie möglich versuchte, sich aus allem herauszuhalten. Nur als Dr. Marko beim Saudi-Arabien-GP vor einer Suspendierung stand, stellte sich Max Verstappen öffentlich hinter seinen Förderer und Entdecker.
Chalerm Yoovidhya, der thailändische Bullen-Boss, der nach dem Tod von Dietrich Mateschitz das Sagen im Konzern hat, versuchte die Wogen immer wieder zu glätten. Weil sich Horner zuletzt mehrfach gegen Umstrukturierungen gewehrt haben soll, verlor Yoovidhya nun offenbar die Geduld.
Beim Österreich GP vor anderthalb Wochen kam es zum Gipfeltreffen mit Yoovidhya, Mark Mateschitz und Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Die anhaltende Talfahrt sowie die andauernden Gerüchte um Verstappen haben nun zum Rauswurf geführt.
Die Chancen auf einen Verbleib von Max Verstappen beim Rennstall dürften damit gestiegen sein. Nach einem Jahr der Abwärtsspirale gibt es somit nun eine direkte personelle Reaktion. Verstappen soll zuletzt die Geduld verloren haben, auch weil wichtiges Personal wie Stardesigner Adrian Newey das Team verließen.
Unter Horner holte Red Bull in 20 Jahren insgesamt acht Fahrerweltmeisterschaften. Viermal konnte Sebastian Vettel die WM gewinnen, viermal Max Verstappen. Dazu errang der Rennstall sechs Konstrukteurs-Titel. Der heute 51-jährige Horner hält noch immer den Titel des jüngsten Formel-1-Teamchefs. Bei seinem Dienstantritt war er gerade einmal 31 Jahre jung.



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