Oscar Piastri sah zeitweise in diesem Jahr wie der erste Anwärter auf den Formel-1-Weltmeistertitel aus. Doch das Bild hat sich inzwischen klar zugunsten seines Teamkollegen Lando Norris gewendet, der nach dem jüngsten Triumphzug in Mexiko und Brasilien nicht nur ein klares Punktepolster auf der Habenseite hat, sondern auch das Momentum auf seiner Seite weiß.
Für Piastri folgte seit dem Sieg in Zandvoort im WM-Kampf ein Rückschlag auf den nächsten. Ihren Ausgangspunkt nahm die Krise des McLaren-Fahrers beim Aserbaidschan-GP in Baku, als er zuerst im Qualifying in der Wand landete und dann im Rennen innerhalb einer halben Runde einen Fehlstart hinlegte, ehe er schließlich erneut in die Streckenbegrenzung krachte.
Oscar Piastri: Baku-Pleite hatte viele Gründe, Monza-Teamorder war einer davon
Im offiziellen Formel-1-Podcast 'Beyond the Grid' blickte der Australier nun auf jenen Grand Prix zurück, der so etwas wie den Startschuss zu seinem problembehafteten Herbst darstellte. Eine "Kombination mehrerer Dinge" habe zu dem verkorksten Wochenende geführt, so seine Analyse. Piastri gab zu, dass auch das vorangegangene Wochenende eine Rolle gespielt habe. In diesem hatte er unter anderem nach einer umstrittenen Teamanweisung seine Position an Norris abgeben müssen.
"Da war das Rennen zuvor in Monza, wo ich das Gefühl hatte, dass meine eigene Performance nicht sonderlich gut war. Und natürlich dann auch das, was mit den Boxenstopps passiert ist", zählte er auf. Damit gibt Piastri erstmals deutlich zu, dass Monza bei ihm gewisse Spuren hinterlassen hat, die sich bis in das Desaster-Wochenende von Baku weitergezogen haben.
Auf dem Baku City Circuit lief schon vor seinen Unfällen nicht alles nach Plan. So plagte sich Piastri im ersten Training mit einem Motorproblem ab und versuchte anschließend, die verlorene Trainingszeit auf andere Art wieder gutzumachen. "Ich überfuhr das Auto, ich war nicht glücklich mit meiner Fahrweise und vermutlich habe ich am Samstag versucht, das auszugleichen", erklärte Piastri. Das endete bekanntermaßen mit einem Unfall in Q3.
Die ohnehin schwierig zu fahrenden C6-Reifen, die in der Theorie zwar mehr Grip bieten, aber so weich sind, dass sie sich für die Formel-1-Fahrer häufig sehr instabil anfühlen, hätten einen weiteren Teil dazu beigetragen. "Es waren viele kleine Dinge, die zusammenspielten, dass meine Pace am Samstag nicht sehr gut war und ich es ein bisschen zu sehr erzwingen wollte", stellte er selbstkritisch fest.
Der katastrophale Auftritt am Rennsonntag sei eine Fortsetzung dieses Fehlers gewesen. In jenem Fall habe er versucht, die Startposition auszugleichen. Die Konsequenz: der schon eingangs erwähnte Unfall in Runde 1. "Es war das bitterste Wochenende, das ich jemals im Rennsport hatte, aber gleichzeitig eines der nützlichsten", ist er dennoch überzeugt. Denn er habe viele Lehren daraus gezogen.
War Baku der Startschuss für den WM-Niedergang?
Der weitere Verlauf der Formel-1-WM seit dem Baku-Rennen lässt aber Zweifel zu, wie 'hilfreich' das Rennwochenende tatsächlich war, denn in den letzten Monaten fand Piastri nicht mehr wirklich in seine Spur zurück und konnte seinen Titelrivalen Norris und Verstappen bei keinem einzigen Grand Prix mehr Punkte abnehmen. Die Fehlerkette aus Aserbaidschan wiederholte Piastri seitdem zwar nicht mehr, aber bei den Amerika-Rennen schlich sich ein anderes Problem ein, das noch viel gravierender ist. Denn seit dem USA-GP fehlt Piastri schlicht und ergreifend die Pace.
Nach schwachen Auftritten in Austin und Mexiko, bei denen er Lando Norris meilenweit hinterherfuhr, verlor er die WM-Führung. Am letzten Wochenende kam dann der bisher bitterste Schlag in Brasilien. Ein Unfall im Sprint und eine Strafe im Rennen ließen das Pendel vollends zugunsten von Norris ausschwingen, der nun die WM selbst in der Hand hat. Auch wenn Piastri alle verbleibenden Rennen und den letzten Sprint der Formel-1-Saison gewinnt, würde es dem Briten zum Titelgewinn reichen, wenn er dabei immer Zweiter wird.
Unter anderem auch über Oscar Piastri sprach auch F1-Experte Christian Danner in der neusten Ausgabe des AvD-Motorport-Magazins. Hier die komplette Folge:



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