Das Qualifying von McLaren bei der Formel 1 in Baku war am Ende eines für die Tonne. In Q3 lieferten Oscar Piastri und Lando Norris eine desolate Vorstellung ab. Piastri warf das Auto ganz weg, doch sein WM-Rivale Norris konnte nach eigenem Versagen fast überhaupt nicht davon profitieren. Trotzig reagiert er daraufhin auf Fragen nach einer verpassten Chance.
Auf beiden Seiten der Garage nehmen die Fahrer zuerst einmal die Schuld für das Versagen in Q3 auf sich. Auf dem Papier hätte der McLaren sicherlich die Pace gehabt, um mit Max Verstappen im Pole-Kampf mitzuspielen. Doch Piastri patzte in einem von sechs roten Flaggen gezeichneten Qualifying zuerst - indem er die sechste und letzte rote Flagge auslöste, als er sich in Kurve 3 verbremste und heftig in die TecPro-Absperrung einschlug.
"Letztendlich wollte ich in Kurve 3 etwas zu viel", akzeptiert Piastri die Verantwortung und wischt mögliche Ausreden nach einem durch Wind und Nieselregen gezeichneten Qualifying beiseite. "Da war ein bisschen Regen, ja, ich weiß nicht, ob das eine Rolle gespielt hat, ob ein Windstoß kam, keine Ahnung. Ich bin keiner, der die Schuld woanders sucht. Dabei bleibe ich, sofern ich nicht etwas zu sehen bekomme, das mir etwas anderes zeigt."
Lando Norris verbaut sich letzten Qualifying-Schuss selbst taktisch
Piastris Crash bedeutete, dass Norris wie alle seine direkten Konkurrenten jetzt nur eine Chance hatte, um auf Pole zu fahren. Im Angesicht der nicht enden wollenden gelben Flaggen und Abbrüche entschloss sich Norris daraufhin, beim Neustart so schnell als möglich rauszufahren. "Meine Entscheidung, ja", bestätigt er später. "Wir dachten, wir hätten die bessere Wahl getroffen. Und das wäre es gewesen, wenn es nicht genieselt hätte."
Norris' Runde war ein Desaster. Ohne Grip riss er schon eine halbe Sekunde Rückstand auf, ehe er in Kurve 15 zusätzlich noch an der TecPro-Barriere entlangschrammte. Mit über einer Sekunde Rückstand kreuzte er als blasser Siebter den Zielstrich. Damit steht er in der Startaufstellung nur zwei Plätze vor Bruchpilot Piastri.
Verpasste Chance also? "Nein, ich tat, was ich konnte", reagiert Norris doch etwas patzig auf Nachfragen. "Wäre ich als Erster raus und hinter mir wäre Gelb gekommen, würdet ihr mich jetzt nicht fragen. Manchmal läuft es, manchmal nicht." So fühlt er sich schließlich dazu genötigt, sein Ergebnis zu verteidigen: "Ich verdiene P7, also starte ich von P7. Besser P7 als ein Unfall. Ich weiß nicht - ich wäre gerne immer Erster, und tat alles, was ging, aber der letzte Versuch war nicht gut genug."
McLaren im windigen Baku-Qualifying nicht fahrbar genug
Letztendlich war der McLaren in Baku für beide Fahrer nicht das erhoffte perfekte Auto. Norris beklagt, dass der starke Wind am Samstag dem sonst eher gutmütigen MCL39 unverhältnismäßig zusetzte: "Da willst du ein Auto, dass berechenbar ist und dir entgegenkommt, und damit hatten wir heute wohl Probleme."
Piastri ortete zumindest auf seiner Seite relativ zu einem schwierigen Freitag einen Schritt nach vorn: "Es war einfach ein bisschen zu schwierig, alles rauszuholen. Aber das Potenzial war da. Ob das gestern auch der Fall war, ist fraglich. Heute war ich viel zufriedener, bis ich in Kurve 3 etwas zu viel wollte."
Ein dominantes Auto ist der McLaren in Baku aber nicht. So orientieren sich beide Fahrer eher am Podium und rechnen mit einem klaren Sieg von Max Verstappen und Red Bull. "Sie können locker in Monza gewinnen, und locker hier", meint Norris. Spannender wird da wohl letztendlich wieder das interne Duell der beiden.
Piastri hat den Vorteil, dass er zumindest eine Handvoll Runden mit vollen Tanks am Freitag gefahren war. Norris hatte einen großen Teil von FP2 wegen eines Unfalls verpasst: "Ich muss mir Oscars Longrun anschauen, wie das Auto sich verhält, was die Probleme sein werden. Wird eine lange Nacht. Aber die Pace ist immer passabel. Augen nach vorn, so viel überholen wie möglich."
Die Konstrukteurs-WM beachten die beiden erst einmal gar nicht. Um neun Punkte müssten sie ihren Vorsprung auf Ferrari ausbauen. Zwar hat es die Scuderia tatsächlich geschafft, ein noch schlechteres Qualifying zu fahren und mit beiden Autos noch weiter hinten zu stehen, aber für beide Teams ist es jetzt ein langer Weg.



diese Formel 1 Nachricht