Dieses Wochenende sind alle Augen auf McLaren gerichtet. Der britische Traditionsrennstall kann bereits in Baku - sieben Rennen vor Saisonende - den Konstrukteurstitel verteidigen. Für den zehnten Konstrukteurstitel in der Teamgeschichte muss McLaren neun Punkte mehr als Ferrari holen. Läuft es am Sonntag jedoch wie am Freitag in den Trainingssessions, wird die Titelverteidigung wohl auf das nächste Formel 1-Rennen aufgeschoben.

In FP2 führten Lewis Hamilton und Charles Leclerc die Zeitenliste an, während die Mechaniker von McLaren einiges zu tun bekamen. Zur Halbzeit des Trainings streifte Lando Norris zunächst in Kurve 2 leicht die Wand. Anschließend touchierte er nach einem Quersteher ausgangs von Kurve 4 die Mauer und beschädigte dabei die Hinterradaufhängung. Mit einer sichtlich verbogenen Lenkung konnte er sich gerade noch an die Box retten. Die Mechaniker begutachteten sofort den Schaden, doch für Norris war das Training vorbei. Ein kostspieliger Fehler, wie er selbst nach der Session eingestand.

"Ich trete gegen einige gute Leute an. Entsprechend muss ich pushen und die Grenzen ausloten. Bis zu dem Moment [Mauerkontakt, Anm. der Red.] fühlte ich mich gut", sagte der Brite. Allerdings konnte er keinen Longrun auf den weichen Reifen fahren. "Es ist ärgerlich, aber es ist wie es ist. Ich muss das einfach wieder wettmachen", betonte Norris mit Blick auf das dritte Freie Training am Samstag. Die Session hat McLaren bitter nötig, denn laut Norris ist die Strecke im Vergleich zum Vorjahr viel schneller geworden Zusätzlich hat Pirelli die weichsten Mischungen - C4 (Hard), C5 (Medium) und C6 (Soft) - nach Aserbaidschan gebracht.

"Wir verwenden nicht so oft die weichere Reifenmischung, daher liegen wir sicherlich zurück, was das Learning angeht", ist sich Norris bewusst. Auch WM-Leader Oscar Piastri leistete sich im FP2 einen Patzer – er schlug ausgangs von Kurve 15 in der Tec-Pro-Barriere an. Anders als bei Norris blieb sein Wagen dabei unbeschädigt. Allerdings hängt das Damoklesschwert einer Untersuchung über seinem Kopf. Die Stewards werfen ihm vor, unter Gelb nicht ordnungsgemäß verlangsamt zu haben.

Durch den Einschlag von Norris und den Mauerkontakt von Piastri lässt sich schwer einschätzen, wie stark McLaren im Vergleich zur Konkurrenz ist. Das McLaren-Duo fuhr zwar in FP1 die schnellsten Runden, allerdings verlief auch diese Session nicht problemfrei. An Piastris MCL39 gab es ein Problem mit der Power Unit, das während der Session noch behoben werden konnte.

Norris rechnet in Baku auf jeden Fall mit harter Konkurrenz. "Ferrari war im Vorjahr hier mit Abstand der Schnellste, auch wenn Oscar gewonnen hat. Red Bull ist freitags nie gut, aber dann schlafen sie sich aus, wachen am Samstag auf und sind wieder schnell", so Norris.

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