Die rapide Aufholjagd von Max Verstappen hat in den letzten Rennen der Formel 1 2025 viele Fragen bei McLaren aufgeworfen. Zahlreiche Experten forderten eine harte interne Ansage - mit dem Ernennen einer Nummer 1. McLaren hat das bis heute ignoriert, und wird es weiter tun. Denn für das Team sind die Prinzipien am Ende wichtiger als der Fahrer-Titel.

Die absolute Gleichberechtigung erlaubte es in den letzten Wochen jedenfalls Lando Norris, 34 Punkte Rückstand auf Oscar Piastri in eine Führung umzumünzen. Zugleich hat es eben auch Max Verstappen erlaubt, vier Rennen vor Schluss bis auf 36 Punkte aufzuschließen. Und dennoch bleiben Motorsport-Chef Zak Brown und Teamchef Andrea Stella unbeeindruckt.

Verspielt McLaren Titel? Danner: Müssen Piastri zur Nr.1 machen (18:27 Min.)

Zumindest die reelle Gefahr eingestehen müssen sie. Dennoch ist Brown bereit, es auf einen Verstappen-Titel ankommen zu lassen, wie er gegenüber dem F1-Podcast 'Beyond the Grid' zu Protokoll gibt: "Ich würde seine Hand schütteln und sagen: Gute Arbeit. Ich will nur sicherstellen, dass er uns schlägt, wenn wir nicht gewinnen. Nicht, dass wir uns selbst schlagen."

McLaren bereit: Lieber noch einmal 2007 als Fahrer bevorzugen

Gerade bei McLaren werden da Erinnerungen wach an 2007, als sich die damaligen McLaren-Kollegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso bis zum letzten Rennen bekriegten und es dabei Kimi Räikkönen erlaubten, um einen Punkt den Titel abzustauben. "Uns allen ist 2007 bewusst", versichert Brown. Die interne Handhabe des Duells wurde rückblickend etwa von Alonso kritisiert:

"Aber wisst ihr, wir haben zwei Fahrer, die den Titel holen wollen. Wir spielen Angriff. Nicht Verteidigung", meint Brown. "Wenn 2007 sich wiederholt, dann ist mir das lieber als alle anderen möglichen Szenarien, in denen wir einen Favoriten auserkoren haben. Das machen wir nicht. Wir sind Racer. Wir betreiben Racing."

"Dann würde ich lieber sagen, dass wir unser Bestes gegeben haben, dass unsere Fahrer punktegleich liegen, und dass der andere uns geschlagen hat", so Brown, "und nicht die Alternative, wo wir einem unserer jetzt durch einen Punkt getrennten Fahrer sagen: Ich weiß, du träumst von einem Titel, aber wir haben eine Münze geworfen, und du kriegst ihn dieses Jahr nicht."

McLaren fürchtet um die Norris-Piastri-Beziehung im WM-Kampf

Langfristig ist McLaren nämlich auch jetzt noch fest davon überzeugt, dass jede Art von Bevorzugung bei einem mathematisch noch realistischen Titel der Beziehung zwischen den beiden Fahrern langfristig zu sehr schaden würde. "Der Grund für die gute Beziehung zwischen Lando und Oscar ist, dass sie wissen, dass sie beide gleichberechtigt sind", ist sich Brown sicher.

Ähnliches hatte Teamchef Andrea Stella in den letzten Wochen schon immer gepredigt. Auch er ist daher bereit, es gegen Verstappen drauf ankommen zu lassen: "Wir hoffen, und arbeiten hart daran, einen Meister in einem Papaya-Auto zu bekommen. Aber letztendlich kann es nur einen geben. Da ist es wichtig, sportsmännisch, fair und ohne Bevorzugung zu agieren. Damit schützen wir die Gegenwart und die Zukunft."

"Wenn Max den Titel holt, dann ist für uns wichtig, dass wir unser Bestes gegeben haben", meint Stella. "Und dass wir so unser Bestes gegeben haben, wie wir Racing betreiben wollen. Wenn Max dieses Jahr gewinnt, dann werden wir sagen, dass wir nächstes Jahr gewinnen. Gemeinsam."

So ist es für Stella auch absoluter Nonsens, wenn er die Geschichten hört, dass er oder Brown einen Liebling hätten: "Wenn ich solche Kommentare lese oder höre, dann finde ich sie sehr oberflächlich. Manchmal verstehen die Leute nicht, was es bedeutet, sich mit zwei Fahrern gemeinsam auf der Reise Formel 1 zu befinden."

"In meiner Rolle ist es, als ob du zwei Söhne hättest", beschreibt es Stella. "Wie kann ich da sagen, welcher mein Lieblingssohn ist?" Damit ist das Kapitel für Brown und Stella abgeschlossen: Solange es möglich ist, dürfen beide Fahrer um die WM kämpfen. Wie so ein Dreikampf ausgehen kann, haben wir bereits in der Vergangenheit mehrmals erlebt: