Der Katar-GP ist immer noch in aller Munde. Nicht zuletzt, weil sich McLaren damit massiv im Formel-1-Titelkampf geschadet und die WM-Chancen von Max Verstappen erst richtig hat aufblühen lassen. Formel-1-Experte Christian Danner kann McLarens Entscheidung, seine Piloten nicht an die Box zu holen, nicht nachvollziehen und kritisiert die McLaren-Strategieabteilung.

Auch in unserer Rennanalyse lässt sich kein einziger mildernder Umstand finden:

Laut Danner ist es ganz einfach: Bei einem Rennen über 57 Runden ist ab der siebten Runde ein Boxenstopp möglich – und unter Safety-Car-Bedingungen ist der Stopp ein Muss. Um das zu verstehen, brauche es keine Strategieabteilung, sondern nur gesunden Menschenverstand. "McLaren hat da einen riesigen strategischen Bock geschossen", meint Danner.

F1-Experte: McLaren-Strategie in Katar absolut unverständlich

Vor allem deshalb, weil ein Top-Team wie McLaren alle möglichen Szenarien, Wahrscheinlichkeiten und Strategien bereits vor dem Rennen durchgerechnet hätte. "Die Umsetzung ist dann eigentlich nur noch eine Kommunikationsangelegenheit. Die Strategieabteilung sagt ganz klar: sofort reinkommen. Dann geht das Ganze zum Renningenieur, der ruft das Auto rein und der Fall ist erledigt", meinte Danner. Wie bereits nach der Doppel-Disqualifikation in Las Vegas will er ein teaminternes Kommunikationsproblem nicht ausschließen.

"Entweder es ist ein Kommunikationsproblem oder die haben so geschlafen, dass sie das, was sie vorher ausgerechnet haben, nicht umgesetzt haben. Auf jeden Fall war es ein riesiger Bock, der unerklärlich ist", kritisiert Danner. Für beide McLaren-Piloten hätte ein Reifenwechsel in Runde sieben zwei Vorteile gehabt: Erstens, der erste Stopp wäre erledigt gewesen und zweitens, sie hätten dabei keine Zeit auf die Konkurrenz verloren.

Danner denkt, dass auch das sogenannte "Double-Stacking" besser gewesen wäre, als beide Piloten auf der Strecke zu lassen, und die benötigte Zeit für den regulären Boxenstopp aufholen zu müssen. "Es gab sogar eine zweite Safety-Car-Runde. Da hätte man den Fehler immer noch reparieren können", zeigte sich der ehemalige Formel-1-Pilot empört. "Da hört es bei mir dann irgendwann auf, das verstehe ich nicht mehr, weil, die Situation lag ja klar auf der Hand."

WM-Kampf 2025: McLaren hat "Druck im Kessel"

Für ihn ist klar, dass McLaren im Endspurt der Weltmeisterschaft Nerven zeigt. Denn auch die Doppel-Disqualifikation durch die zu stark abgenützten Unterböden, könne man nicht wirklich entschuldigen. "Dass man jetzt ein Rennen später wieder so einen Bock schießt, zeigt, dass das, was ich letzte Woche gesagt habe, schon stimmt", meinte Danner und verwies auch darauf, dass Andrea Stella schon einmal eine WM in Abu Dhabi verloren hätte - damals noch mit Fernando Alonso bei Ferrari.

"McLaren hat, so lässig sie sich auch geben und Papaya Rules hin und her, Druck im Kessel." Auch die psychologische Kriegsführung, die Red Bull mit dem Team aus Woking betreibt, würde zur Spannung im Team beitragen. So schickte Red Bull schickte Chefstrategin Hannah Schmitz auf das Podium, um neben Max Verstappen die Siegertrophäe für das Team entgegenzunehmen. "Sie hat man natürlich ganz bewusst hochgeschickt, um zu zeigen, wie eine richtige Strategie aussehen sollte."

Doch trotz seines Sieges in Katar liegt Verstappen vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi 12 Punkte hinter Lando Norris in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Norris würde daher bei einem Sieg von Verstappen ein dritter Platz im Rennen reichen, um sich zum Weltmeister zu krönen. Norris hat in Abu Dhabi also immer noch alles selbst in der Hand. Wenn es hart auf hart komm, glaubt Danner, dass McLaren eine Teamorder aussprechen wird. "Wenn der Punkt kommt, wo ein Platztausch WM-entscheidend ist, dann garantiere ich, gehört auch das zu den Papaya-Rules auf einmal."

Dass es Zak Brown egal wäre, wenn Verstappen Weltmeister werden würde, glaubt Danner nicht. "Es kann nicht sein, dass man jahrelang das Team wieder aufbaut, alles hinkriegt, ein Auto hat, das funktioniert, zwei Kutscher hat, die echt gut sind und dann sagt: Ja, dann werden wir halt nicht Fahrer-Weltmeister", zeigte Danner Unverständnis. "Eine Fahrer-WM ist etwas ganz Besonderes, das man nicht jedes Jahr so einfach gewinnen kann."

In Abu Dhabi erwartet Danner aber dennoch einen fairen Kampf um den Titel. "Dreckige Tricks wird es, denke ich, nicht geben", so der Experte. "Gerade für McLaren, die so lange darauf hingearbeitet haben, spürt man wie speziell das für sie ist. Also glaube ich nicht, dass da unfair gefahren wird."

Was Christian Danner in der neuesten Ausgabe des AvD-Motorsport-Magazins noch so zu sagen hatte, das erfahrt ihr in diesem Video:

Bevorzugt McLaren Norris? Danner: Quatsch - ein Riesenbock! (35:33 Min.)