Viel wurde vor dem Formel-1-Rennen in Abu Dhabi über taktische Optionen von Red Bull geredet, Max Verstappen irgendwie noch zur Weltmeisterschaft zu hieven. Oder zumindest alle Chancen auf einen Titelgewinn offenzuhalten. Doch im Rennen gab es davon nicht viel zu sehen. Stattdessen nahmen es die Bullen scheinbar aktionslos zur Kenntnis, wie Lando Norris auf dem Yas Marina Circuit zum WM-Titel fuhr und gaben sich mit dem Grand-Prix-Sieg von Verstappen zufrieden.
"Wir haben alles maximiert, was wir konnten. Wir haben es auf Pole gestellt und das Rennen gewonnen. Ich denke auch im Rennen hatten wir eine gute Pace", analysierte Max Verstappen in der Pressekonferenz nach dem Grand Prix. "Wir hätten nicht viel anders machen können", ist er überzeugt.
Max Verstappen verzichtet auf Tricks - Alle nicht erfolgversprechend?
Vor dem Grand Prix hatten viele über die Möglichkeit spekuliert, dass Verstappen die Vorlage von Lewis Hamilton 2016 wiederholen könnte und das F1-Verfolgerfeld einbremst. Dazu kam es aber nicht, auch weil McLaren das mit einem geschickten strategischen Kniff zu erschweren wusste. Nämlich indem das Papaya-Team Oscar Piastri auf Hard-Reifen ins Rennen schickte. Langsame Fahrt im ersten Stint hätte also in erster Linie ihm genutzt und weniger Verstappen.
Das war auch dem Niederländer bewusst, der sagte: "Ich hatte viele Szenarien in meinem Kopf. Aber ich wusste, mit den Reifen, die Oscar auf dem Auto hatte, würde es ziemlich schwierig werden." Doch das war nur ein Teilgrund. Denn in Runde 41 hatte sich eigentlich ein kleines Fenster geöffnet, um dieses Problem zu beheben.
In jenem Umlauf hatte Verstappen Piastri überholt, der anschließend an die Box abgebogen war. Falls Red Bull den vierfachen Weltmeister reingeholt hätte, wären die Reifenunterschiede ad acta gelegt worden. Und mit ähnlichen Reifen hätte Verstappen dann in der Theorie doch die Einbrems-Taktik fahren können.
Red Bull fehlt Unterstützung von Mercedes & Ferrari: "Wir hätten nichts erreicht"
Doch Red Bull entschied sich dagegen. Wie Teamchef Laurent Mekies gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärte, sei diese Entscheidung bewusst gefallen: "Wir hätten heute einen großen Vorsprung aufgegeben. Und wir dachten nicht, dass diese Taktiken uns heute einen Vorteil verschafft hätten, mit der Situation in der wir waren."
"Wir entschieden uns also draußen zu bleiben und uns darauf zu konzentrieren, das Rennen zu gewinnen", sagte Mekies weiter. Dem pflichtete auch Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko bei: "Wir hätten eigentlich nichts erreicht, außer dass wir eben den Sieg gefährdet hätten." Das Hauptproblem von Red Bull war, dass man keine anderen F1-Fahrer in Aussicht hatte, die sich zwischen Verstappen und das McLaren-Duo schieben hätten können.
Charles Leclerc war der einzige Pilot, der halbwegs mit dem Tempo der Top-3 mitgehen konnte. "Charles fuhr sich die Seele aus dem Leib, beim Versuch auf das Podium zu fahren. Das war beeindruckend", stellte Verstappen fest. Der Ferrari-Fahrer konnte zu Beginn des ersten Stints Druck auf Norris ausüben, doch bis ins Ziel musste auch er etwa sieben Sekunden abreißen lassen.
Ein Fahrer hätte aber ohnehin nicht gereicht. Zwei wären notwendig gewesen. Leclercs Teamkollege Lewis Hamilton war nur von weit hinten ins Rennen gegangen und Mercedes mangelte es schlicht und ergreifend an Pace. George Russell kam etwa 25 Sekunden hinter Leclerc ins Ziel.
Deshalb meint Marko, dass man bei einem Einbremsen des Feldes nichts erreicht hätte: "Es waren, auf den Punkt gebracht, Mercedes zu langsam und Ferrari zu langsam. Und die hätten wir ja als Puffer gebraucht. Wenn man das ganze zusammenstaucht und es ist dann kein Speed bei den Autos da, dann hilft es ja nichts."
Was Marko sonst nach dem Rennen zu sagen hatte, könnt ihr im Interview nachlesen. Dort spricht er auch über seine eigene Zukunft bei Red Bull - denn seine Laufbahn könnte nach Abu Dhabi zu Ende sein.
Sprich: Vielleicht hätte Red Bull Leclerc und Russell an der Führungsgruppe halten können, aber bei den Bullen glaubt keiner daran, dass einer von beiden Lando Norris auch überholen hätte können. So sicherte man lieber den 72. Sieg von Verstappen ab und ließ es darauf ankommen, ob dahinter etwas passiert. Dass auch Yuki Tsunoda Norris nicht viel Zeit kosten konnte, kam noch dazu.
Zu irgendwelchen schmutzigen Tricks wollte Red Bull ohnehin nicht greifen, das hatte Mekies schon am Freitag in der Pressekonferenz McLaren-CEO Zak Brown versprochen. Der Franzose bilanzierte das Renngeschehen zwischen McLaren und Red Bull deshalb positiv: "Wir hatten einen starken Kampf, aber wir hatten einen fairen und sauberen Kampf."
"Wir pushen bis ans Limit, und manchmal darüber hinaus. Aber wenn es um sportliche Fairness geht und, dass man seine Konkurrenten respektiert, dann denke ich, dass man beides gleichzeitig tun kann. Am Limit sein und Respekt vor seinen Konkurrenten zu haben", führte Mekies weiter aus.



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