Neun Punkte trennten Sauber in seiner letzten Formel 1-Saison vom achten Platz in der Konstrukteurswertung. Trotzdem zeigte sich Teamchef Jonathan Wheatley nach dem Abu Dhabi GP sichtlich stolz auf seine Mannschaft. Denn er sah nicht die fehlenden Punkte, sondern die erzielten.

"Das Ergebnis übertrifft meine Erwartungen bei Weitem", stellte der Brite klar. "Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir dieses Jahr 70 Punkte erzielen, unsere Boxenstopps zu den Besten gehören und die Leistung des Autos so gut sein würde, hätte ich es zwar nicht geglaubt, aber ich hätte es sofort akzeptiert." Tatsächlich ist der Vergleich zu 2024 extrem: Vor zwölf Monaten beendete Sauber die Saison mit einer mageren Vier-Punkte-Ausbeute auf dem letzten Platz. 2025 konnte das Sauber-Duo Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto regelmäßig in die Punkte fahren.

Das Saisonhighlight von Wheatley war der Große Preis von Großbritannien, bei dem Hülkenberg sein erstes Podium in seiner Formel-1-Karriere feierte. "Dieses Rennen ist nicht nur wegen Nicos Podestplatz mein Highlight, sondern auch wegen der Leistung des Teams an diesem Wochenende. Die Mannschaft hat einen unglaublichen Teamgeist gezeigt – nicht nur an der Rennstrecke, sondern auch in der Fabrik", verriet Wheatley. Und das hätte sich über die Saison hinweg nicht geändert, selbst als es teils kritisch wurde.

F1-Saison 2025: Sauber stand vor schwierigen Momenten

"Wir sind aus diesem brutalen Triple-Header mit zwei neunten Plätzen herausgegangen. Wir haben Schäden überwunden, die Außenstehenden verborgen blieben. Wir befanden uns aufgrund des Ausmaßes an Schäden definitiv an einem kritischen Punkt", erzählte Wheatley. Ob er hier auf die beiden massiven Crashs von Gabriel Bortoleto in Brasilien anspielte? Diese kosteten dem Team Schätzungen zufolge zwischen einer und zweieinhalb Millionen US-Dollar. In Zeiten einer Budgetobergrenze von 140 Millionen US-Dollar pro Jahr schlagen diese zusätzlichen Kosten ordentlich zu Buche.

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Hinzu kamen zahlreiche Ersatzteile, etwa ein neues Chassis, deren Produktion sowohl kostspielig als auch zeitintensiv waren. Schon damals erklärte Bortoleto: "Wir haben gerade wenig Reserven, deshalb müssen wir vorsichtig sein." In Abu Dhabi verpasste der Rookie als Elfter knapp die Punkteränge. "Offen gesagt bin ich enttäuscht. Leider hatten wir von der ersten Runde an mit Bouncing zu kämpfen, wodurch wir unser Potenzial nicht voll ausschöpfen konnten", erklärte Bortoleto. Was genau zu dem Problem führte, wusste Sauber direkt nach dem Rennen selbst nicht. Über das Wochenende hinweg hätte es kein Anzeichen gegeben.

"Wir zerlegen gerade das Auto. Wir müssen noch verstehen, was passiert ist. Wir denken, dass etwas mit dem Auto passiert ist, aber ich möchte nicht spekulieren", sagte Wheatley. Unabhängig vom elften Platz in Abu Dhabi oder den Unfällen in Brasilien beschrieb er Bortoletos erste F1-Saison als herausragend. "Ich bin vor allem beeindruckt, wie er sich nach Brasilien zurück gekämpft hat. Das war ein äußerst schwerer Unfall, aber sehen Sie sich seine Leistungen hier im Qualifying und im Rennen an. Das ganze Team ist unglaublich happy mit seiner Leistung", so Wheatley. Bortoleto reihte sich selbst auf einer Skala von 1 bis 10 bei "8 oder 9" ein.

Sauber-Duo zufrieden mit Formel-1-Saison

"Es war ein besonderes Jahr für mich mit mehreren guten Ergebnissen und starken Qualifyings, sodass ich definitiv stolz bin. Ohne die Unterstützung des Teams hätte ich das nicht geschafft." Während Bortoleto in Abu Dhabi punktelos blieb, konnte Teamkollege Nico Hülkenberg einmal mehr aufzeigen. Nach einem enttäuschenden 18. Startplatz kämpfte er sich durchs Feld und holte im Rennen mit einer Zweistopp-Strategie und Glück durch Strafen der Konkurrenz noch zwei WM-Punkte.

Nico Hülkenberg dreht sich in Abu Dhabi von der Strecke
Im Qualifying lief es für Hülkenberg noch nicht rund, Foto: IMAGO/HochZwei

"Nach Startplatz 18 bin ich mit zwei Punkten natürlich sehr, sehr zufrieden. Es ist nicht einfach, sich hier nach vorne zu kämpfen, vor allem, wenn alle ungefähr das gleiche Renntempo haben. Alles in allem bin ich also sehr glücklich mit Platz 9 – ein guter Abschluss für das letzte Rennen der Saison", sagte der Deutsche. Vor allem freute es ihn, dass sich Sauber – vor den Augen des Teamgründers Peter Sauber – mit Punkten aus der Formel 1 verabschiedete. "Es ist eine schöne Art, sich von Sauber zu verabschieden. Peter hat so viel erreicht, er ist schon so lange in der Branche tätig und ich habe großen Respekt vor dem, was er geleistet hat", betonte Hülkenberg.

Auch seine persönliche Saisonbilanz fällt zufriedenstellend aus. Neben seinem Podium in Silverstone zeigte er auch starke Leistungen in Barcelona, Budapest, Monza und Austin. "Das waren alles wirklich starke Wochenenden. Natürlich gab es auch einige, an denen wir nicht alles maximieren konnten, aber das ist die Herausforderung in einer langen Saison. Insgesamt denke ich, dass wir relativ zufrieden sein können. Wir werden jetzt die Saison verdauen, die Pause genießen und dann auf das neue Kapitel blicken, das auf uns wartet."

Nicht mal 24 Stunden nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi gab Audi mit der Münchner Traditionsbrauerei Paulaner einen weiteren Partner für die kommende Saison bekannt. Mehr dazu hier: