Formel 1 in Silverstone - Die Gewinner
Lando Norris
Im Moment läuft es einfach für Lando Norris. Wenn er schon aus eigener Kraft nicht den Sieg einfahren kann, dann kommt auch noch Glück dazu. Glück in Form einer umstrittenen Strafe gegen Oscar Piastri (dazu später mehr) und Glück in Form des Drehers von Max Verstappen am Restart. In Silverstone wäre er eigentlich nur auf P2 gebucht gewesen. Die Pace seines Teamkollegen konnte er im Rennen mitgehen, war vielleicht sogar schneller, aber die knappe Qualifying-Niederlage hatte sein Schicksal sportlich eigentlich besiegelt.
Aber das soll den Sieg von Norris nicht schmälern, manchmal ist es in der Formel 1 eben ausreichend, wenn man im Kampf um Platz 1 derjenige ist, der keine Fehler macht. Nach Rennende war sein Glücksvorrat dann offenbar erschöpft, als ein Fotograf bei der Siegesfeier auf ihn stürzte. Ein Cut an der Nase war das Resultat. Aber wir erinnern uns: Als Norris das letzte Mal einen leichte Gesichtsverletzung hatte, gewann er wenige Tage später sein erstes Formel-1-Rennen in Miami. Ein gutes Omen für den Belgien-GP in drei Wochen?
Nico Hülkenberg
Er hat dem Sieger in Silverstone die Show gestohlen und das hochverdient. Nico Hülkenbergs erstes Formel-1-Podium mag nach Glück ausgesehen haben, und ein bisschen davon war auch dabei. Aber er war es vor allem selbst, der die richtigen strategischen Entscheidungen traf. Im Cockpit hatte er gleich dreimal die richtige Intuition über die Streckenverhältnisse und überstimmte dabei zweimal seine Strategie-Abteilung. Dazu kam noch eine fehlerlose Fahrt, bei der er Lance Stroll gleich zweimal stehen ließ und dann noch die Attacken von Lewis Hamilton abwehren konnte. Hülkenberg sollte sich immer in der letzten Reihe qualifizieren (wir erinnern uns an Österreich), das scheint irgendwelche Superkräfte in ihm freizusetzen.
Pierre Gasly
Pierre Gasly war ein bisschen der unbesungene Held in Silverstone. Der Alpine-Fahrer kam ebenfalls aus der Kategorie: Richtige Boxenstopps zum richtigen Zeitpunkt, wenn er auch im Falle des ersten Reifenwechsels nicht ganz so ins Schwarze traf wie Hülkenberg. Das brachte ihn bis in die Top-5. Anschließend lieferte der Franzose mangels Pace einen aufopfernden Verteidigungskampf. Hamilton und Verstappen konnte er nicht halten, Stroll aber seinerseits auf der letzten Runde noch überholen. Da Franco Colpinto gar nicht erst am Rennen teilnahm, lässt sich schwer abschätzen, wie schnell der Alpine tatsächlich war. P6 ist aber definitiv eine bessere Platzierung als es das Auto verdient hätte.
Aston Martin
Apropos Außenseiter, die unter dem Radar noch gute Punkte mitgenommen haben: Der Aston Martin AMR25 mag zwar das "größte Stück Scheiße sein" (Zitat Lance Stroll), das er je gefahren ist. Aber das Auto landete gleich zweimal in den Punkten - nicht zuletzt durch die womöglich stärkste Strategie des Tages. Diese brachte Lance Stroll bis auf P3 nach vorne. Danach gingen ihm die Reifen aus, was ihm Anlass für seine Hasstirade am Funk gab. Auf der anderen Seite ärgerte sich Fernando Alonso über die Strategie. Man habe "zum Spaß" Positionen hergeschenkt. Dennoch reichte es am Ende für P8. Viel böses Blut für das erfolgreichste Aston-Martin-Rennen seit Australien.
Formel 1 in Silverstone - Die Verlierer
Oscar Piastri
Die Wogen nach der Strafe gegen Oscar Piastri gingen hoch. Der Australier fühlt sich ungerecht behandelt und tatsächlich ist auch die Analyse, ob die Strafe berechtigt war, eine filigrane. Denn ähnliche Aktionen hatten wir schon. Ähnliche, aber nicht identische. Beim ersten Restart und dann auch bei George Russell in Kanada. In Großbritannien hat er es eine Spur zu weit getrieben und die Konsequenzen dafür einstecken müssen und dadurch den Sieg verloren. Eine bittere Pille im WM-Kampf, wo Piastri nach drei sieglosen Rennen in Serie - wovon zweimal der Teamkollege und Titelrivale gewann - ein Erfolgserlebnis mal wieder nötig gehabt hätte. Wieso die Aktion von Piastri schlimmer war als jene beispielsweise von Russell in Kanada, könnt ihr in den Antworten zum Rennen nachlesen.
Red Bull
Hoch gepokert hat Red Bull mit ihren Flügeleinstellungen am Samstag und mit der Pole Position schien dieser Poker auch voll aufzugehen. Doch als das Wetter seiner 'River'-Karte zeigte, offenbarte sich der Fauxpas. Das Team aus Milton Kenyes war auf das britische Wetter reingefallen, das sich so gar nicht an die früheren Vorhersagen des Wochenendes hielt und anstelle eines Trockenrennens mit kurz feuchten Bedingungen am Start plötzlich ein ausgewachsenes Regenrennen mit nur kurzen Trocken-Phasen bereithielt. Max Verstappen machte den Nachmittag dann noch schlimmer, als er sich mit einem selbst verschuldeten Dreher bis auf P10 zurückwarf. Piastri macht der Weltmeister übrigens nicht verantwortlich dafür. Yuki Tsunoda konnte schon im Qualifying nicht überzeugen und wurde dann im Rennen genauso wie Verstappen mit dem kleinen Flügel abgestraft.
Ferrari
Eigentlich gibt es unter den Topteams nach dem Rennen der Formel 1 in Silverstone außer bei McLaren nur Verlierer. Zunächst einmal Ferrari, die bis zum Beginn von Q3 wie echte Sieganwärter wirkten und schließlich weit davon entfernt waren. Das begann schon mit dem vermasselten Qualifying-Finale, aber im Rennen war das ohenhin kein Thema mehr. Dort erwies sich der SF-25 obwohl er den größten Heckflügel der Spitzenteams hatte als beinahe unfahrbar. "Das schlimmste Auto, das ich hier je gefahren bin", ärgerte sich Lewis Hamilton nach P4. Dabei ging bei ihm die Strategie sogar auf. Nicht so bei Charles Leclerc, der wie schon im Vorjahr auf P14 landete. Auch weil er einen Ausflug ins Kiesbett unternahm.
Mercedes
Zwei Runden waren vergangen und Mercedes war schon bei beiden Fahrern falsch abgebogen. George Russell entschied sich bereits auf der Aufwärmrunde selbständig für einen Stopp. In Runde 2 lotste das Team Antonelli für einen Reifenwechsel an Box, obwohl dieser die Strecke für zu nass hielt. Beide entpuppten sich als Fehlentscheidungen. Für Antonelli war das Rennen schließlich gelaufen, als er von Isack Hadjar am Heck getroffen wurde und dabei sein Diffusor Schäden abbekam. Russell kam durch einen gut getimten ersten Boxenstopp wieder nach vorne, verzockte sich aber erneut mit einem zu frühen Reifenwechsel, drehte sich ins Kies und konnte dank Leclercs-Kiesbett-Besuch gerade noch P10 retten. Bilanz für Mercedes: 1 Punkt.
Formel-1-Rookies
Wie schon in Australien war auch Silverstone ein Rennen, in dem Erfahrung einen hohen Stellenwert genoss. Und wie schon beim Saisonauftakt ist es deshalb nicht verwunderlich, dass gleich fünf Rookies das Rennen nicht beenden konnten. Aus unterschiedlichen Gründen zwar, so konnte Franco Colapinto nach einem mutmaßlichen Defekt an seinem Auto erst gar nicht teilnehmen. Liam Lawson wurde weniger das Wetter zum Verhängnis, sondern vielmehr eine 3-Wide-Situation mit Yuki Tsunoda und Esteban Ocon, die in einer Kollision resultierte.
Gabriel Bortoleto wurde hingegen zur Gänze das Wetter zum Verhängnis, in Form einer Pfütze in Kurve 2, der er auf Trockenreifen nicht gewachsen war. Isack Hadjar konnte in der Gischt Kimi Antonelli nicht sehen und krachte in dessen Heck. Bleibt nur noch ein Rookie: Oliver Bearman. Sein Auto überlebte zwar das Rennen, aber nicht ohne Probleme. Zunächst wurde er einmal von Yuki Tsunoda abgeschossen, dann wurde er später gegen seinen Teamkollegen Esteban Ocon selbst zum Täter. Kein guter Tag für Formel-1-Neulinge.



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