Die Formel 1-Welt kennt aktuell nur ein Thema: die Sensationsfahrt von Nico Hülkenberg in Silverstone. Dabei hatte es im Verlauf des Großbritannien-Grand-Prix ausgesehen, als könnte ein anderes grünes Auto zur Sensation werden. Lance Stroll lag auf Rang drei als Nico Hülkenberg in Runde 35 an ihm vorbei ging. Zu diesem Zeitpunkt waren beide Piloten auf Intermediates, allerdings hatte der Aston-Martin-Pilot mit starkem Reifenabbau zu kämpfen.
Stroll flucht über seinen Aston Martin
"Wir haben an diesem Punkt im Rennen 20 Sekunden auf Sauber verloren – der Abbau war einfach riesig", klagte der Kanadier. Nach dem Überholmanöver konnte Hülkenberg innerhalb weniger Kurven von Stroll wegziehen, während in dessen Heck der Ferrari von Lewis Hamilton auftauchte. Auch gegen Hamilton war Stroll chancenlos. "Das Auto hat die Reifen nahezu aufgefressen, egal welchen Reifen wir hatten. Es war so nahezu unmöglich zu kämpfen", beteuerte Stroll.
Am Ende landete er auf Rang sieben. Als sein Renningenieur Gary Gannon ihm mit den Worten "...das war ein verrücktes Auto. Tolles Finish" gratulierte, platzte es aus Stroll heraus. "Verrückt ist noch untertrieben. Ehrlich gesagt ist es das schlimmste Stück Scheiße, das ich in meinem Leben je gefahren bin [it’s the worst piece of shit I’ve ever driven in my life]." Interessanterweise hätte Fernando Alonso gern mit seinem Teamkollegen getauscht, als er nach eigener Aussage aussichtslos gegen Sauber und Ferrari kämpfte.
"Um ehrlich zu sein, wäre ich gern an seiner Stelle gewesen und hätte versucht den Rückstand aufzuholen. Als alle auf Trockenreifen wechselten, lag ich auf P14", haderte der Spanier mit seinem Rennen. Gleichzeitig räumte Alonso ein, selbst Reifenprobleme in Silverstone gehabt zu haben.

Alonso sauer über Silverstone-Strategie
"Es mag sein, dass wir mehr Reifenabbau hatten als andere. Ich war auf Medium und hatte mit Graining zu kämpfen, Lance war auf Soft unterwegs. Also vielleicht war es für ihn noch schlimmer." Viel mehr als mit den Reifen haderte der zweifache F1-Weltmeister mit der Strategie seines Teams. Als zunächst Sechster im Rennen in Silverstone, fand er sich während der ersten Safety-Car-Phase plötzlich nur noch auf Platz 10 wieder. Danach funkte er seinem Renningenieur Andrew Vizard wütend: "All die Leute, gegen die wir Plätze verloren haben, haben die jetzt schlechtere Reifen? Oder haben wir einfach aus Spaß Plätze verloren?"
Damit spielte Alonso auf die Tatsache an, dass neben seinem Teamkollegen auch noch Nico Hülkenberg, George Russell und Esteban Ocon (zu diesem Zeitpunkt noch ohne Stopp) durchgerutscht waren. "Verrückt, wie ihr es mit mir nie auf die Reihe bekommt", folgte Alonsos nächste Breitseite in Richtung Team-Strategen. Mit Blick auf Hülkenbergs Aufholjagd – er war von P19 gestartet – wäre laut Alonso mit der richtigen Strategie ein Podestplatz möglich gewesen.
Aston Martin-Teamchef: Im Nachhinein immer schlauer
"Der erste Stopp war zwei oder drei Runden zu spät, der zweite war zwei oder drei Runden zu früh. Das macht dann unterm Strich den Unterschied zwischen Nico, der vom 19. Startplatz aufs Podium fährt, zu Platz 9 vom siebten Startplatz. Das zeigt, dass wir irgendwas falsch gemacht haben müssen", wütete der Spanier nach dem Rennen weiter. Besonders bitter stieß ihm auf, dass auf der anderen Seite der Garage eine bessere Strategie gewählt wurde. So nutzte Aston Martin die VSC-Phase am Ende der sechsten Runde, um bei Stroll von Intermediates auf Softs zu wechseln. Mit dem Ergebnis, dass er im zweiten Sektor der siebten Runde 4,2 Sekunden schneller war als Alonso.
Von der sechsten bis zur zehnten Runde fuhr Stroll 18 Sekunden Rückstand auf Alonso zu. Entsprechend war Andy Cowell nach dem Rennen auf Schadensbegrenzung bedacht. "Nach dem Rennen sind wir alle schlauer. Im Montagmorgen-Coaching werden wir uns in aller Ruhe anschauen, wie der optimale Rennverlauf ausgesehen hätte", sagte Cowell. Die wütenden Funksprüche seines Fahrers will er nicht überbewerten. "Es ist immer frustrierend, wenn sich eine Serie von Boxenstopps abspielt und man dadurch Plätze verliert. Dann will man wissen, warum. Wir haben solche Funksprüche schon von jedem einzelnen Fahrer gehört. Sie wirken persönlich, aber das sind sie nicht", beteuerte der Aston-Martin-Teamchef.
Hülkenberg belehrt Alonso eines Besseren
Christian Menath sprach Alonso nach dem Rennen persönlich auf seinen Vorwurf an, dass das Team bei ihm immer die falsche Entscheidung treffen würde. Auf die Frage, ob ein Rennfahrer bei solchen Bedingungen nicht genauso in die Entscheidungen involviert ist, stellte der Aston-Martin-Pilot klar: "Es ist Bullshit, dass die Fahrer da die Entscheidungen treffen. Es ist ein datengetriebener Sport." Allerdings war das bei Hülkenberg in Silverstone der Fall. Er war es, der am Funk am Anfang einen verfrühten Wechsel auf Slicks verhinderte und den entscheidenden Boxenstopp in Runde 9 im Alleingang entschied. Mehr dazu liest du in Christians Kommentar.



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